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Scheu vor Automaten verlieren
Scheu vor Automaten verlieren
16.05.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (mm) - Er solle "die Scheu vor dem Fahrkartenautomaten verlieren" - den eindringlichen Rat gab Richter Ekkhart Koch einem 46-jährigen Gernsbacher. Diesen verurteilte der Amtsgerichtsdirektor zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten wegen Erschleichens von Leistungen. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, außerdem muss der Verurteilte 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten - und für seine künftigen Fahrten mit der Stadtbahn bei seiner Bewährungshelferin die Fahrkarten vorlegen.





Dem Mann hatte die Staatsanwaltschaft zwei Schwarzfahrten zur Last gelegt. Bei Bischweier und bei Ötigheim sei er jeweils ohne Fahrkarte angetroffen worden. Der Schaden beträgt insgesamt 4,50 Euro. Allerdings hat der Angeklagte bereits 23 Einträge im Strafregister, die meisten davon wegen Erschleichens von Leitungen. Die letzte Freiheitsstrafe deswegen hatte er im Februar 2018 abgesessen, fast ein Jahr insgesamt saß der Gernsbacher ein. Dieser habe "keine größeren Probleme außer Schwarzfahren", so Richter Koch. Der Angeklagte zeigte sich reumütig: "Es war eine Dummheit, das sehe ich ein."

Bei der einen Fahrt sei er zu seinem Sohn nach Bretten unterwegs gewesen. Dieser lebe dort bei seiner Mutter. Alle zwei Wochen dürfe er ihn sehen, er sei froh, zu dem Jungen wieder Kontakt zu haben, erläuterte er. Für eine Fahrkarte habe er nicht das benötigte Kleingeld gehabt, um ein Ticket aus dem Automaten zu ziehen. Gleiches war bei einer weiteren Fahrt, als er zu seiner Freundin nach Karlsruhe unterwegs war und in Ötigheim erwischt wurde. "Was soll ich machen, wenn die Automaten kein Großgeld nehmen?", fragte er. Die Antwort von Richter Koch folgte prompt. Das "Problem" mit dem Geldwechseln gebe es schon lange und sei bekannt, man könne sich darauf einrichten.

Seine vielen Vorverurteilungen seien ihm negativ anzulasten, auch gebe es keine günstige Sozialprognose, so begründete die Staatsanwaltschaft die Forderung nach einer viermonatigen Freiheits strafe ohne Bewährung für den Gerüstbauer. Strafmildernd sei sein Geständnis zu werten.

Wenn er erneut einsitzen müsse, dann könne er den Kontakt zu seinem zwölfjährigen Sohn nicht aufrechterhalten, wandte dieser in seinem Schlusswort ein und versprach: "Ich versuche, mich zu ändern." Von den bisher bezahlten Geldstrafen hätte er viele Fahrkarten kaufen können, so Richter Koch. Der Glaube, das Fahrgeld "sparen" zu können, lohne sich nicht. Die bereits abgesessenen Haftstrafen seien "Denkzettel" für den Angeklagten. Dieser nahm das Urteil an.

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