http://www.spk-bbg.de
Hakenkreuztattoo und Tritte
Hakenkreuztattoo und Tritte
22.05.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (mm) - Es ist ein relativ seltener Anblick, dass ein Angeklagter in Handschellen vor die Schranken des Gernsbacher Amtsgerichts geführt wird. Diese wurden auch bei der Verhandlung nicht abgenommen, Richter Ekkhart Koch lehnte die Anfrage der Verteidigung wegen der Zuschauer im Saal ab. Der 37-Jährige wurde aus der Justizvollzugsanstalt Offenburg nach Gernbach gebracht, das Urteil lautete ein Jahr Freiheitsstrafe wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gefährlicher Körperverletzung.

Zwei Vorfälle waren es, für die sich der Angeklagte verantworten musste. So hatte er am 23. Juli 2018 im "Rondell" beim Forbacher Bahnhof mit freiem Oberkörper gesessen, auf dem er eine Hakenkreuz-Tätowierung von etwa 15 Zentimetern Größe trägt. Er habe den Eindruck gehabt, der Angeklagte wolle dieses Tattoo präsentieren, sagte ein Zeuge aus. Insgesamt dreimal sei er, auch mit seiner Frau, dort vorbeigefahren, berichtete er. Diese habe den Angeklagten auf sein Verhalten ansprechen wollen, dann aber verzichtet und die Polizei informiert.

In einem Dorf in der Nähe habe er seine Freundin und die gemeinsamen drei Kinder besucht, sagte er Angeklagte. Er sei danach "unter Dampf" gestanden", habe Alkohol und Amphetamine intus gehabt. Es sei warm gewesen, deshalb habe er das T-Shirt ausgezogen, als er auf die Bahn wartete. "Ich habe aus meiner Gesinnung noch nie einen Hehl gemacht." Bereits 2014 war ein Strafbefehl erlassen worden, als er ein Foto von sich mit dem Hakenkreuz-Tattoo gepostet hatte, dem Symbol der verfassungswidrigen NSDAP.

Frühe Bekanntschaft



mit der Justiz

Bei der Mutter und in Heimen aufgewachsen, machte der Mann bereits als Jugendlicher Bekanntschaft mit der Justiz. 24 Einträge sind im Bundeszentralregister verzeichnet. Mehrfach verbüßte er Haftstrafen wegen Raub, Diebstahl, räuberischer Erpressung und anderen Delikten. Derzeit sitzt er wegen eines Überfalls auf einen Einkaufsmarkt in Würmersheim ein.

Zu einem Vorfall am 9. September in Gaggenau machte der Angeklagte keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, einen 21-jährigen Studenten um 2.15 Uhr geschlagen und mit Tritten verletzt zu haben. Die erste Zeugin, seine damalige Freundin, konnte sich an Einzelheiten nicht erinnern. Mit dem Angeklagten und drei Freunden habe man auf dem Balkon ihrer Wohnung getrunken. Dann habe jemand "Halt die Schnauze" heraufgebrüllt, drei der Kumpels seien nach unten gerannt. Weiteres wisse sie nicht mehr.

Der geschädigte 21-Jährige erzählte, nach dem Besuch einer Party im Sulzbacher Schwimmbad sei er mit seinen Begleiterinnen noch in einer Gaststätte in Ottenau gewesen. Auf dem Heimweg von dort sei vom Balkon eines Hauses heruntergepöbelt worden. Er habe dann zurückgerufen. Dann sei alles ganz schnell gegangen, drei Angreifer seien aufgetaucht und hätten ihn geschlagen und getreten.

Zwei Zeuginnen betätigten den Vorfall, sie hätten Angst gehabt und geheult und versucht, die Situation zu beruhigen. Der "Anführer", den eine Zeugin zweifelsfrei als den Angeklagten identifizierte, habe eine Entschuldigung verlangt, was der Geschlagene ablehnte. Sie jedoch habe eine Entschuldigung ausgesprochen, um die Gemüter zu beruhigen.

Dem Antrag der Verteidigerin auf Freispruch, weil die Identität des Schlägers nicht zweifelsfrei geklärt sei, folgte das Gericht nicht. Im Blickpunkt standen dessen Gesichtstattoos, die weder Geschädigter noch Zeuginnen bei der Polizei erwähnt hatten. Dies sei in der Nacht in einer solchen Situation verständlich, argumentierte Richter Koch.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

In immer mehr Freibädern müssen Sicherheitsdienste für Ordnung sorgen. Fühlen Sie sich dort unsicherer als früher?

Ja.
Nein.
Ich gehe in kein Freibad.


Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1