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Suchthilfe im Wandel
Suchthilfe im Wandel
10.07.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau (er) - "Nur wer seine Vergangenheit akzeptiert und daraus Entscheidungen trifft, kann sich ändern und Neues erleben." Dies war einer der zentralen Leitsätze beim diesjährigen Ehemaligentreffen in der Michelbacher Fachklinik Fischer-Haus für die Rehabilitation suchtkranker Männer.





Zahlreiche ehemalige Rehabilitanden aus dem gesamten Bundesgebiet waren am vergangenen Wochenende alleine oder mit Familie nach Michelbach gekommen, um ehemalige Therapeuten und Wegbegleiter zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen.

Stephan Peter-Höner, Klinikleitung und Gesamtleitung, hielt anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Fachklinik einen Vortrag, der unter dem Motto "Zurück in die Zukunft - Suchthilfe im Wandel" stand. Derzeit verfügt das Fischer-Haus über 55 Behandlungsplätze. Dazu kommen Wohnplätze im Betreuten Wohnen sowie in der Werkstatt für berufliche Integration, beides in Rastatt. Vernetzt ist die Fachklinik mit verschiedenen Einrichtungen wie etwa der diakonischen Suchthilfe Mittelbaden in Karlsruhe und Pforzheim sowie dem Diakonischen Werk im Ortenaukreis.

Peter-Höner beleuchtete die Arbeit verschiedener Projekte, die die Lebensverhältnisse der Rehabilitanden stabilisieren und den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen sollen. Jeder Vierte der insgesamt rund 260 Rehabilitanden des vergangenen Jahres lebt, Peter-Höner zufolge, alleine und in einem schwierigen Umfeld. Erfreulicherweise habe sich die Zahl der Männer erhöht, die nach der Therapie wieder in ein Arbeitsverhältnis gekommen sind. Er betonte die Bedeutung von Selbsthilfegruppen für den Erfolg der Therapie.

In Anlehnung an das 40-Jährige Bestehen der Einrichtung gab der Klinikleiter einen historischen Überblick über die Entwicklungen der Einrichtung und ihres konzeptionellen Ansatzes. Eine Behandlung dauert heute zwischen sechs und 24 Monate. Der Therapieplan orientiert sich dabei an den individuellen Bedürfnissen. Die Mehrbettzimmer von einst wurden zum Großteil in moderne Einzelzimmer umgebaut.

Peter-Höner erinnerte auch an eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 1968, mit der Alkoholsucht als komplexe Krankheit definiert wurde. Neben neuen Verhaltensstrategien und sozialen Kontakten sei eine ehrliche Sicht auf die eigenen Stärken und Defizite wichtig sowie die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen. "75 Prozent der Menschen, die eine legale Sucht wie Alkohol haben, sind Männer. Das ist darauf zurückzuführen, dass Männer meist lange uneinsichtig sind, weil sie oft nicht gelernt haben, Hilfe zu suchen und anzunehmen."

Anschließend wurden Mitarbeiter aus den Bereichen Medizinische Versorgung, Verwaltung und Betreutes Wohnen in Rastatt feierlich verabschiedet. Danach wurden neue Kollegen offiziell begrüßt, die das Fischer-Haus-Team künftig im therapeutischen und medizinischen Bereich, im Fahrdienst sowie im Gebäudemanagement unterstützen werden.

Insgesamt 18 ehemalige Rehabilitanden wurden abschließend für fünf, zehn, 15 und 20 Jahre Alkoholabstinenz mit einer Urkunde ausgezeichnet. "Die Urkun de ist ein schönes Symbol für die tolle Leistung. Gleichzeitig soll sie dazu beitragen, das Pendel der Achtsamkeit immer wieder aufs Neue anzustoßen", so Peter-Höner. Nach verschiedenen Gruppenangeboten, die zum Dialog und zum kreativen Gestalten einluden, endete das Ehemaligentreffen 2019.

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