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"Ursachen statt Symptome bekämpfen"
02.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Lukas Gangl

Gernsbach - Zu einer öffentlichen Wanderung mit dem Schwerpunktthema Klimaschutz hatte der Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel (Grüne) zusammen mit dem Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt und ehemaligen baden-württembergischen Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, am Freitag auf den Kaltenbronn eingeladen. Hintergrund war, die Aufmerksamkeit auf den Klimawandel zu lenken und Menschen zum Nachdenken anzuregen.

Andrea Schwarz, Grünen-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Bretten, Gernsbachs Bürgermeister-Stellvertreter Dirk Preis (CDU) sowie Gemeinderätin Irene Schneid-Horn (SPD) waren mit dabei. Auch Anhänger der Fridays-for-Future-Bewegung und eine Gruppe der Kinder- und Jugendinitiative "Plant for the Planet" aus Bühl waren vor Ort. Die Förster Christian Kopp und Martin Hauser leiteten die Wanderung.

Für Hentschel sind die Ziele klar definiert: "Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um den Klimawandel zu stoppen." Dabei sei man aber auch auf die Wirtschaft und Industrie angewiesen, Deindustrialisierung sei nicht der richtige Weg. Man müsse gemeinsam einen Mittelweg finden, neue Technologien erforschen. Die Menschheit als Ganzes müsse sich anpassen und ihre Art des Konsums überdenken und einschränken.

Ex-Minister Alexander Bonde verwies auf die bundesweit massiven Schäden durch den zweiten Dürre- und Käfersommer. Der Klimaschutz müsse beherzt angegangen werden.

Die beiden Revierförster führten den Rundgang durch den Wald und hatten immer wieder interessante Informationen über den Kaltenbronn im Speziellen und den Wald im Allgemeinen zu bieten. So beleuchteten sie die Borkenkäfer-Situation, die derzeit das vorherrschende Problem in den Wäldern ist. Die Käfer seien in gesunden Wäldern kein großes Thema, da die Bäume genug Harz bilden können und die Insekten beim Einbohren "ertränken". Doch aufgrund des Wassermangels könne dies nicht erfolgen, was den Schädlingen die Vermehrung vereinfacht. Zusätzlich würde die Borkenkäferpopulation nicht natürlich reguliert werden, da die letzten Winter zu mild und frostarm waren. Am Kaltenbronn verzichte man auf Pestizide, anderorts wüssten die Förster sich aber nicht mehr anders zu helfen. Beide sind sich sicher, dass weitere Krisenjahre das Waldbild maßgeblich verändern werden.

Dem Kaltenbronn im allgemeinen gehe es jedoch noch vergleichsweise gut, die Gegend sei ein Positivbeispiel für Waldpflege und den Umgang mit den derzeitigen Problemen. Nicht jeder tote Baum im Wald sei sofort ein Problem, betonten die Förster. Die absterbenden Bäume bilden einen eigenen Lebensraum und bieten anderen Lebewesen eine Heimat.

Außergewöhnliche



Situation

"Wir stehen vor einer außergewöhnlichen Situation", merkte Martin Hauser an. Anders als beim "großen Waldsterben" in den 1980er-Jahren sei das Problem heute viel komplexer, da es sich nicht lokal und mithilfe von Technologie beheben lasse. Der Klimawandel wiederum sei ein globales Problem, dafür müssten alle an einem Strang ziehen. "Die Menschen brauchen einen Schuss vor den Bug", führte er weiter aus. Auch sind neue Baumarten für ihn nicht die Lösung des Problems. Man müsse aufhören, immer nur die Symptome zu therapieren, und endlich die Ursachen bekämpfen.

Wolfgang Huber, seit den 1970er Jahren für den NABU aktiv, pflichtete ihm bei. Man dürfe den heimischen Baumarten nicht die Chance zur Anpassung nehmen. Auch Hentschel teilte diese Meinung, die Suche nach hitzeresistenten Bäumen sei zwar ein richtiger und wichtiger Schritt, aber man müsse einen guten Mix finden. Zum Abschluss gab es ein Picknick mit regionalen Produkten. Hierbei wurde noch rege diskutiert.

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