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Herzensangelegenheiten mit Wirkung nach außen
Herzensangelegenheiten mit Wirkung nach außen
28.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Mit "Review Roadmap to reconciliation" (Rückblick auf einen Fahrplan zur Versöhnung) war die Einladung der Paulusgemeinde Staufenberg am Mittwochabend im Paulussaal überschrieben. Dieser Rückblick galt der Beendigung eines Projekts, an dem sich seit 2016 christliche Jugendgruppen aus mehreren Ländern beteiligten.

Den Beginn dazu markierte Dan Oryan, der israelische Botschafter in Nord-Mazedonien. Im Gespräch mit Pfarrer Hans-Joachim Scholz entstanden erste Pläne, bei der Restaurierung eines ehemaligen jüdischen Friedhofs in der drittgrößten Stadt Nord-Mazedoniens, in Bitola, Unterstützung zu leisten.

Schnell stieß Scholz auf Interesse zum Mitwirken der Staufenberger Gemeinde. Und auf begeisterte Jugendliche, die von Gras und Brombeerhecken überwucherte Gräber freilegen, die Inschriften dokumentieren und den Ort zu einem bleibenden Mahnmal für die etwa 3 000 im Jahre 1943 deportierten mazedonischen Juden umzugestalten. Ersten Ideen folgte ein Mammutprojekt - und das zusammen mit Jugendlichen aus anderen Ländern.

"Anstrengend, aber vor allem interessant" sei es gewesen, wie Lasse von Kendell betonte. Überwog beim Anblick des Friedhofs zunächst Betroffenheit über das Ausmaß der Shoa, erstaunten die Jugendlichen die überaus freundlichen und herzlichen Begegnungen mit den Einheimischen. "Wie in einer großen Familie, bestehend aus Deutschen, Israelis und Mazedoniern", hätten sich die Jugendlichen gefühlt, fügte Lotta Jung hinzu.

Doch noch viel mehr hätten mehrere Sommercamps dazu beigetragen, Freundschaften mit Jugendlichen aus anderen Ländern zu knüpfen und zu festigen. Und dabei festzustellen, dass Anhänger christlicher Religionen, egal aus welchen Ländern, gar nicht so verschieden denken, wie vielleicht anzunehmen ist.

Ein Beispiel dafür war der Musikbeitrag zweier Vertreter der Jüdischen Gemeinde Baden-Baden. Am Klavier von Galina Berman begleitet, sang am Mittwochabend der ukrainische Opernsänger Alexander Noskov das "Vaterunser" in hebräischer Sprache. Zugleich dankte er den Gemeindejugendlichen für ihre Aktion für Verständigung und Aussöhnung, auch über Ländergrenzen und Konfessionsunterschiede hinaus.

Mittlerweile hat sich die Staufenberger Gruppe aus dem Projekt zurückgezogen, doch die bestehenden Kontakte werden eher noch ausgebaut. Gegenbesuche erfolgten: Im vergangenen Jahr, anlässlich des 75. Gedenktages an die Shoa, besuchte die Enkelin einer der damals Deportierten Deutschland. In diesem Jahr waren es drei Begegnungen, die zur Festigung der und zum Knüpfen neuer Beziehungen beitrugen. Im März und im August waren es Treffen in Mazedonien, von der Reise nach Israel im Juni schwärmen die 15 Beteiligten (zusammen mit drei Erwachsenen) noch heute.

Beim amüsanten filmischen Rückblick auf die Aufenthalte in Mazedonien und Israel war die Begeisterung wieder zu spüren - und der Wille, durch weitere Begegnungen weiterzumachen. Neue Projekte seien in Planung, war herauszuhören. Ein solcher Schluss wäre auch schade, interessierten sich inzwischen doch auch andere Städte und Gemeinden für dieses Projekt, das über Konfessionsgrenzen hinaus wirke.

Die Jugendlichen beendeten die Abendstunden mit einem Quiz, angeregten Gesprächen, schönen Erinnerungen und dem Genuss ausgewählter Speisen der jeweiligen Länder. Für einen Höhepunkt sorgten sie indes schon zuvor, als sie sich bei Pfarrer Hans-Joachim Scholz, seiner Frau Rita und den Mitgliedern des Ältestenkreises der Staufenberger Kirchengemeinde (Hermann Schaub, Helga Zeller, Hans-Paul Körner und Margitta Sauer) für ihre Unterstützung bedankten.

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