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Abwarten und vom Vorjahr trinken
Abwarten und vom Vorjahr trinken
19.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Murgtal - Entweder "gar nix" und wenn, dann ein paar wenige kleine Exemplare: Wenn Murgtäler Garten- oder Wiesenbesitzer im vergangenen Sommer ihre Apfelbäume in Augenschein genommen haben, dann schwante ihnen schon, dass dieses Jahr das Mostfass und die Apfelsaftflaschen wohl leer bleiben würden. Ihre Befürchtungen haben sich bestätigt. Eine ganz schlechte Apfelernte ist dieses Jahr zu verzeichnen.

Die Lebenshilfe hat deshalb ihren Großerntetag abgesagt. Auch die Obst- und Gartenbauvereine sind betroffen. Der Termin für das Saftmobil in Freiolsheim - zum Beispiel - fällt daher aus. Der Obst- und Gartenbauverein auf der Gaggenauer "Sonnenterrasse" bietet stattdessen an, Saft beim gemeinsamen Presstermin mit dem OGV Völkersbach am heutigen Samstag, 19. Oktober, abfüllen zu lassen.

Für einen professionellen Betrieb wie Preggers Fruchtsaftkelterei in Ottenau hingegen bedeutet eine schlechte Ernte einen herben finanziellen Verlust. "Fünf Prozent eines normalen Jahres", schätzt Inhaber Kurt Pregger das Volumen beim Anliefern gegen Gutschrift. Seit Oktober sind die Öffnungszeiten am Ottenauer Pionierweg deshalb nur noch eingeschränkt; bereits am Donnerstag, 24. Oktober, werde von 15 bis 18 Uhr das letzte Mal Obst entgegengenommen.

Das nächste Jahr

könnte gut werden

Eins macht Pregger aber unmissverständlich klar: "Ich kaufe weder Äpfel noch Saft aus anderen Regionen oder aus dem Ausland dazu." Schließlich habe er noch Saft aus dem guten Erntejahr 2018 im Lager. "Und wenn es keinen mehr von hier gibt, dann gibt es halt mal eine Weile keinen." Apfelkonzentrat aus China oder von anderswo werde er auf keinen Fall verkaufen.

Beim zweiten Standbein seines Betriebs sieht es besser aus. Hier kann man seine eigenen Äpfel gleich pressen, erhitzen, in Glasflaschen abfüllen lassen und mitnehmen. Hier mache sich der größere Einzugsbereich bemerkbar, erläutert Pregger. Denn Betriebe wie seiner, wo nach dem Anliefern sofort in Glasflaschen abgefüllt wird, gebe es nicht so oft. Wer den Saft eigener Äpfel will, aber Plastikverpackung - Bag-in-Box - aus Gründen der Müllvermeidung ablehne, der nehme gerne eine weitere Anfahrt in Kauf. Aber auch in schlechten Erntezeiten solle man einen Termin auf alle Fälle telefonisch erfragen, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden.

Warum ist dieses Jahr die Ernte so schlecht? Das liegt am Vorjahr, erklärt Uwe Kimberger. Er ist Obst- und Gartenbauberater beim Landratsamt in Rastatt. "Vollbehang, sogar Überhang" habe man 2018 landauf, landab verzeichnet. Ein Wechsel zwischen guten und schlechten Jahren ist Apfelbaumbesitzern durchaus geläufig. Im guten Erntejahr 2018 steckten die Bäume viel Kraft in Früchte und Samen, aber nicht in die Blüten. Die schwache Ernte war also absehbar.

Das Gute also im schlechten Jahr 2019: 2020 kann es wieder mehr Blütenansätze geben. Eine Garantie für eine gute Ernte wird aber kein Experte abgeben. Schließlich spielen weitere Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt das Wetter. Sind die Sommer trocken und heiß, so wie der vergangene, legen die Bäume eher weniger Blüten an. Und sollte es in der Apfelblüte 2020 nass und frostig sein, dann bleiben die Insekten aus - eine Bestäubung findet nur eingeschränkt statt.

Somit bleibt vielen Freunden heimischer Obstgetränke vorerst nur eins: Abwarten und vom Vorjahr trinken - beim Most aber nicht zu viel!

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