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Charmant, witzig und mit viel Selbstironie
Charmant, witzig und mit viel Selbstironie
23.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Zoller

Gaggenau - Mit ihrem neuen Stück "Papa Papageno" begeistert die Musik-Theater-Werkstatt (MTW) in der ausverkauften Mahlberghalle in Freiolsheim. Tosender Applaus bestätigt am Samstagabend die großartigen Leistungen von Laienschauspielern und Musikern, die zur Premiere mit Herzblut und Leidenschaft für beste Unterhaltung sorgten. Kein Wunder, dass sich die Besucher in ihrem Urteil einig waren und den tollen Zusammenhalt der Truppe gemeinsam bei einer langen Premierennacht feierten.

Sichtlich hingerissen von den Darbietungen steht Ortsvorsteher Ferdinand Schröder auf der Bühne und dankt Regisseur Peter Espeloer, den Musikern und dem gesamten Ensemble für die großartige Leistung. "Die Musik-Theater-Werkstatt ist eine Bereicherung für unseren Ort. Sie hat zu den 800 Jahr Feierlichkeiten von Freiolsheim nicht nur die erste Aufführung eines Theaterstücks gezeigt, sondern zu ihrem eigenen, 20-jährigen Bestehen eine hinreißende Premiere auf die Bühne gebracht."

Charmant, witzig und mit einer guten Portion Selbstironie - das ist die auserkorene Komödie von Mariel Korbes. Dabei geht es nicht nur um Liebe, Trennung und Kontaktanzeigen, sondern auch mit wunderbar trockenem Humor um gesellschaftliche Beziehungsthemen und turbulente Begegnungen. "Couch-Potato" Oscar, meisterlich gespielt von Herbert Gräßle, trennt sich nach 25 Ehejahren von seiner selbstbewussten Frau Sophie.

Das Mama-Söhnchen mit Hang zur Oper wünscht sich wie Mozarts Papageno "ein Mädchen oder Weibchen" und sieht sich als "Vogelfänger", der nach einer neuen Beziehung sucht. Auch Sophie, eindrucksvoll dargestellt von Mechthild Gilbert-Rönelt, lässt den Schlager von Manos Hadjidakis erklingen und zeigt mit "Ein Schiff wird kommen", dass auch sie bereit ist für neue Abenteuer. Papa Papagenos Tochter ist eine moderne junge Frau, die ihren Vater bei der neuen Partnersuche unterstützt. Laura, charmant gespielt von Lisa Wunderlich, empfiehlt Kontaktbörsen im Internet, weil auch sie Abstand von ihrem Verehrer gewinnen möchte.

Während sich die Protagonisten um Kopf und Kragen reden, ertönen Ohrwürmer von Liebe, Lust und Leidenschaft. Sie begleiten die Betrachter mit maßgeschneiderten Liedtexten bei einer musikalisch untermalten, turbulenten "Tür-auf-Tür-zu-Komödie". Die Verbindung von Laura zu Claude, sachlich und ruhig gespielt von Klaus Braun, wird mit dem Duett "Stand by me" zum Ausdruck gebracht. Wesentlich abenteuerlicher sind die Damenbesuche bei Oskar, die sich auf seine Kontaktanzeigen melden und auf der Bühne um den Single buhlen. Da ist die blonde "Svetlana" - alias Carola Schöller aus Freiolsheim - die mit perfekt russischem Akzent ihr Glück versucht. Doch, statt Oskars Herz zu erobern, erntet sie mit ihrer überzeugenden Darbietung "Moskau-Moskau" von der Kult-Truppe Dschingis Khan tosenden Applaus vom Publikum. Im Hippie-Look und buntem Heavy-Metal-Outfit umflirtet Silke Just den alleinstehenden Oskar als ausgeflippt tanzende Weltverbesserin "Roxy". Dabei intoniert sie den Nena-Song "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" mitreißend und perfekt als Chanson.

Als Dritte im Bunde überzeugt Heide Glasstetter mit großem Szenenapplaus als penible Finanzbeamtin Erika Busch. Streng auf Etikette achtend, verleiht sie mit dem Liedtext von Zarah Leander "Es wird einmal ein Wunder geschehen" ihrem Wunsch nach einem perfekten Partner Ausdruck - doch Oskar beißt auch hier nicht an.

Er steht kurz vor der Resignation... bis, ja bis er im Chatroom seine Frau Sophie als bezaubernde "Papagena" kennenlernt und schlussendlich triumphiert: "Der Vogelfänger bin ich ja".

Die Schauspielergruppe, die von drei leidenschaftlichen Musikern hervorragend begleitet wird, präsentiert sich erstmals in dieser Zusammensetzung mit Bernd Schöller (Keyboard), Christian Probst (Bass) und Bernd Werner (Percussion) - allesamt Könner in ihrem Fach, die zum Hörgenuss des Abends beitragen. Deren Improvisationsqualitäten zeigen sich insbesondere bei den Übergängen und in den Soloeinlagen, in denen sie ihre Musikalität zum Ausdruck bringen. Für Regisseur Peter Espeloer, der die MTW-Vereinsmitglieder seit 15 Jahren betreut, ist es bereits die vierte Premiere. "In dem Fall hatten wir seit 2017 eine unendlich lange Vorbereitungszeit. Wir haben sehr viele Stücke gelesen, weil wir etwas finden mussten, das in die Gruppe passt."

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