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Wenn in der Carl-Benz-Schule die Nähmaschinen rattern
Wenn in der Carl-Benz-Schule die Nähmaschinen rattern
28.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Nicole Zerrath

Gaggenau - Das Rattern der Nähmaschinen, das Klappern des Bügeleisens und eifriges Geplauder unterbrochen von Gelächter nimmt man schon im Flur der Carl-Benz-Schule wahr, nähert man sich dem Klassenzimmer, in dem abends unter der Woche die Patchworkkurse abgehalten werden. Nach fünf Jahren haben die Dozentinnen Gabriele Kraft und Inge Böckler beschlossen, die in den VHS-Kursen entstandenen Quilts erneut in einer Ausstellung vorzustellen.

Seit der letzten Schau im Herbst 2014 haben die zwei regen Künstlerinnen pro Semester drei bis vier Kurse angeboten, in denen jeweils fünf bis zehn Frauen ihre Kunstwerke angefertigt haben. Somit können weit über 100 Quilts in den unterschiedlichsten Macharten gezeigt werden. Die Technik des "Flickwerks", so die deutsche Bedeutung von Patchwork, bezeichnet eine Technik, bei der in Form geschnittene Stoffstücke zu einer Fläche zusammengenäht werden. Dieses zusammengesetzte Stückwerk wird mit einem Vlies und einem Rückseitenstoff unterlegt und dann mit dem sogenannten Quiltstich verbunden, vergleichbar mit dem System einer Steppdecke.

Es waren in erster Linie amerikanische Siedlerinnen, die diese Methode in unendlichen Variationen ausgeführt und damit populär gemacht haben. Diese Vielzahl an Mustern ist es auch, die die Teilnehmerinnen animiert, jedes Semester aufs Neue einen Kurs zu belegen. Die meisten Frauen sind der Faszination des Patchworks schon seit vielen Jahren erlegen: Marita Bittmann aus Michelbach hat 1998 ihren ersten Patchworkkurs besucht und gehört somit zu den "Urgesteinen" der Patchworkerinnen des Murgtals. Familiäre und berufliche Veränderungen haben sie immer wieder zu Auszeiten gezwungen, erinnert sich die Feinblechnerin, die im Dreischichtbetrieb arbeitet und in ihrer Freizeit auch noch jagt.

Für Christine Bastert aus Bad Rotenfels war die Anschaffung einer neuen Nähmaschine der Startschuss für die Patchworkliebe. Sie habe jedoch erst nach mehreren Anläufen einen Platz in einem der zeitweilig schnell ausgebuchten Kurse erhalten. Ihre Freundin Marlis Adam habe sie dann zum Mitmachen bewegen können, obwohl diese bis dato davon ausgegangen war, diese Art des Nähens sei für sie zu schwierig und erfordere mehr Disziplin als sie mitzubringen pflege. Dass die persönliche Einschätzung eine Fehldeutung war, beweisen mehrere Decken, die heute im Besitz von Ehemann, Töchtern und Enkelkindern sind. Auch Christine Eberle aus Michelbach hegte Faszination und Respekt vor den Quilts, die zwei ihrer Freundinnen regelmäßig anfertigten. Zum 40. Geburtstag habe sie sich dann ausschließlich Geld gewünscht, das sie umgehend in eine Nähmaschine investierte, um es ihren Freundinnen gleichzutun.

Fragt man die Frauen nach dem ersten Eindruck, den sie vom ersten Kursabend mitgenommen hätten, erzählen sie, dass sie das ständige Wechseln zwischen Nähmaschine und Bügelbrett als sehr anstrengend wahrgenommen haben. Ganz im Gegenteil dazu ermögliche ihnen das Nähen heute einen Rückzug, ein Eintauchen in eine Welt der völligen Konzentration abseits von Beruf, Alltag und Familie. Auf die Frage, ob es aus der Fülle der Werke Lieblingsstücke gebe, antwortet Jutta Morgenstern aus Bad Rotenfels: Häufig seien es diejenigen, die einem den meisten Schweiß abverlangt hätten, in ihrem Fall der Afrika-Quilt.

Ausstellung verführt zum Selbermachen

Bereits zum fünften Mal bemühen sich Böckler und Kraft um die Ausstellung der Kursergebnisse. Dieses über den normalen Kursbetrieb hinausgehende Engagement hat seinen Ursprung in dem Stolz, den die beiden hegen, als Impulsgeber so vieler Kunstwerke gewirkt zu haben.

Im besten Falle wirkt auch die Schau selbst als Anstoß, wie bei Ursula Rieger aus Rastatt, die seit der ersten Ausstellung im Glashaus 2011 regelmäßig Kursbesucherin ist.

Mehr als 30 Teilnehmerinnen der VHS-Patchwork-Kurse zeigen 100 ihrer Werke am Samstag und Sonntag, 9./ 10. November, jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Carl-Benz-Schule in Gaggenau.

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