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Kurzarbeit und überraschender Wechsel auf dem Chefposten
Kurzarbeit und überraschender Wechsel auf dem Chefposten
30.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Wieder Kurzarbeit, Wechsel auf dem Chefposten, der in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht kommuniziert wird: Die Unsicherheit der Mitarbeiter von Glatfelter ist in Gernsbach zu spüren - obwohl die Zahlen des amerikanischen Unternehmens zuletzt besser wurden und selbst die Gewerkschaft zuversichtlich in die Zukunft blickt.


Auf der deutschen Webseite des größten Arbeitgebers in Gernsbach findet sich Martin Rapp noch an erster Stelle der beiden Geschäftsführer vor Samuel L. Hillard - seit 30. September ist er jedoch nicht mehr im Hause der Papiermacher, wird gestern im Murgtal bekannt. Während Rapp nun gar keine Arbeit mehr im europäischen Hauptquartier des US-Konzerns hat, wird dort an den Maschinen auch häufiger nicht gearbeitet. "Die Marktlage ist angespannt. Vor mehreren Wochen wurde Kurzarbeit eingeführt", berichtet Karsten Rehbein von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie Energie (IG BCE). Bereits Ende des Vorjahres hatte Rapp eingeräumt, dass die Kapazitäten in Gernsbach "nicht ausgelastet" werden könnten. Betriebsbedingte Kündigungen wolle man aber unter den damals 652 Mitarbeitern vermeiden (das BT berichtete), betonte er.

Während in Gernsbach niemand etwas ohne die Führungsspitze in Amerika sagen darf, weiß der zuständige Bezirksleiter der IG BCE in Karlsruhe, dass derzeit die "Kollegen tageweise nicht arbeiten, manchmal auch drei bis vier Tage lang" die Schichten ausfielen. Bisher laufe jedoch alles noch "kommod ab", meint Rehbein und schiebt nach, "eine existenzielle Bedrohung sehen wir noch nicht. Eine Prognose, wohin die Reise geht, ist aber schwierig." Ein Grund für die Kurzarbeit sei sicher der Brexit. Nicht nur Hersteller von Tee- und Filterpapier leiden unter der Unsicherheit, besonders betroffen sind zahlreiche Branchen besonders aus Bayern und Baden-Württemberg. Die Ausfuhren aus dem Südwesten nach Großbritannien schrumpften in den vergangenen drei Jahren um 32 Prozent.

So düster sieht Gewerkschafter Rehbein die Zukunft der Papiermacher nicht. Im Gegenteil: "Um die Verpackungsindustrie mache ich mir keine Sorgen. Nur wenn jemand wenig investierte, rächt sich das. Mehrere Papierhersteller, die Plastik als Verpackung ersetzen wollen, dürften prosperieren", prognostiziert der Karlsruher Bezirksleiter langfristig und bewertet es positiv, dass Glatfelter zum Beispiel vor Kurzem bei der Messe Fachpack in Nürnberg vertreten war.

Die Quartalszahlen, die der US-Konzern gestern in York (Pennsylvania) veröffentlichte, lassen auch Hoffnung schöpfen. Der Gewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahresquartal von 0,2 Millionen auf 9,7 Millionen US-Dollar. Und auch das Viertel der weltweit 2 600 Mitarbeiter, das in Gernsbach tätig ist, scheint demnach nicht gänzlich führungslos. Auf dem Weg der "Transformation" des Unternehmens sei der erfahrene Wolfgang Laures als Vizepräsident hinzugewonnen worden, heißt es im Quartalsbericht. Der Deutsche soll wohl auch die Europa-Zentrale im Murgtal in bessere Zeiten führen.

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