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Richterliches Lob für Angeklagten
Richterliches Lob für Angeklagten
31.10.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Forbach (ham) - Der Zeuge schreitet auf Amtsrichter Ekkhart Koch zu, der mit keiner Wimper zuckt, als dieser ausholt und zuschlägt. Koch duckt sich mannhaft nicht weg und wankt auch nicht. Na ja, der vermeintliche Hieb entpuppt sich auch eher als Schulterklopfer, zu dem Koch den Zeugen furchtlos aufgefordert hatte, "schlagen Sie mich mal so, wie es der Angeklagte getan hat".


Dem Gernsbach Richter schwante zu diesem Zeitpunkt bereits, dass die Verhandlung eher einer Farce glich. Der vermeintliche Übeltäter kam deshalb glimpflich davon: Damit das Verfahren eingestellt wird, muss der Forbacher an den Schwimmbad-Förderverein in Oberstrot 200 Euro überweisen. Der Verteidiger nahm es wohlwollend zur Kenntnis, der Staatsanwalt hatte auch nichts dagegen einzuwenden und wusste wie Koch: "Wenn der 50-Jährige nicht schon zwei Kleinigkeiten in seinem Strafregister stehen hätte", wäre es wegen der Lappalie zum Freispruch gekommen.

Koch konnte eine gewisse Sympathie für den Angeklagten nicht verhehlen, denn dieser bewies zumindest Mumm: Er verschloss nicht beide Augen, als Jugendliche in Forbach "Gras vertickten". Er alarmierte die Polizei, die kleine Mengen an Drogen fand. Der "Hauptdealer" sei da schon verschwunden gewesen, versicherte der 50-Jährige mit Blick auf den vermuteten Marihuana-Handel. Zudem schwärzte er einen Jugendlichen an, der mit seinem Mofa ohne Kennzeichen Forbach unsicher machte. Aus diesen Anzeigen entwickelte sich letztlich auch der verhandelte Fall der "Körperverletzung". Die Jugendlichen erfuhren, wer sie verpfiffen hatte, und suchten den Arbeitslosen am 27. Juni heim. Einer der Halbstarken beschimpfte ihn auf Italienisch als "Bastard" - weil der Angeklagte früher mit einer Italienerin verheiratet war, verstand er die Beleidigung. Der "Zeuge" wollte dies eher "allgemein" gemeint haben, brachte er kleinlaut eine untaugliche Entschuldigung vor. Sein Bruder soll überdies ein "Ich bring' dich um, du Hurensohn" ausgestoßen haben.

Dem 50-Jährigen wurde es deshalb zu bunt. Er stellte der Gruppe nach und hielt dieser am Bahnhof eine Standpauke: "Hier in Deutschland gibt es Regeln!", betonte er und klopfte dem damals 15-Jährigen "leicht auf die Schulter". Der "Schlag" in den Nacken tat laut dem Zeugen ein bisschen weh. Koch sah es nach seinem Selbstversuch undramatisch und lobte gar den Angeklagten, der mit der Anzeige seiner "Bürgerpflicht" nachgekommen sei. "Andere schauen weg, weil sie keinen Stress wollen", stellte der Amtsdirektor fest und machte dem 50-Jährigen deshalb mit dem milden Urteil wenig Stress.

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