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Drohende Zahlungsunfähigkeit
Drohende Zahlungsunfähigkeit
29.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach / Weisenbach - Keine guten Nachrichten für die rund 300 Beschäftigten der Baden Board GmbH: Kurz vor dem ersten Advent hat ihr Unternehmen ein förmliches Schutzschirmverfahren initiiert. Ziel dieses Verfahrens ist laut Mitteilung des Verpackungsmittelherstellers zuvorderst die Bereinigung der Bilanz, das heißt die Befreiung von Altverbindlichkeiten, um den Betrieb in den Standorten Obertsrot und Weisenbach nach Beendigung des Verfahrens im zweiten Quartal des Jahres 2020 wieder auf Erfolgskurs zu bringen und die Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Das operative Geschäft laufe ganz normal und ohne Einschränkung unter der Führung der beiden bisherigen Geschäftsführer, Robert Ferstl und Stefan Böll, weiter. "Wir betonen ausdrücklich, dass sich für unsere Mitarbeiter nichts ändern wird", erklärt Böll in einer Mitteilung der Geschäftsführung. "Es sind vielmehr sogar Neueinstellungen während des Verfahrens geplant", ergänzt Ferstl, der die Gesellschaft damit weiter auf einem guten Weg sehe.

Skeptischer zeigt sich da die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Der zuständige Gewerkschaftssekretär Dirk Schmitz-Steinert hat am Mittwoch von der jüngsten Entwicklung beim Murgtäler Verpackungsmittelhersteller erfahren. Er will nun innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Mitgliederversammlung der Kollegen vor Ort einberufen und entsprechende Aufklärungsarbeit leisten, was das sogenannte Schutzschirmverfahren konkret für sie bedeutet.

Dieses wurde zum 1. März 2012 durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen in die Insolvenzordnung aufgenommen und bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich unter gerichtlicher Aufsicht im Rahmen eines freiwilligen, förmlichen Verfahrens neu aufzustellen. "Gesetzliche Voraussetzungen für das Privileg des Schutzschirmverfahrens sind die bestehende nachhaltige Handlungsfähigkeit des Unternehmens und das Vorhandensein entsprechender Managementkompetenzen", erklärt Baden Board.

Um das Schutzschirmverfahren in Anspruch nehmen zu können, bedarf es einer frühzeitigen Antragstellung und einer fundierten Begründung, heißt es in dem Gesetz. Hauptkriterien seien die Liquidität des Unternehmens und die grundsätzliche Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung. Als wesentlicher Unterschied zum regulären Insolvenzverfahren ist der Sachwalter im Schutzschirmverfahren vom Unternehmen weitgehend frei wählbar. Am Ende des dreimonatigen Schutzschirmverfahrens steht entweder die fristgerechte Vorlage des Insolvenzplans oder die Beendigung des Schutzschirmverfahrens. In beiden Fällen entscheidet das Insolvenzgericht über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Aktuell ist die Situation für Dirk Schmitz-Steinert schwer einzuschätzen. Erst im Sommer 2018 waren die beiden Werke von Smurfit Kappa an die Livia Corporate Development SE mit Sitz in München verkauft worden. Der Standort mit aktuell mehr als 300 Mitarbeitern, der sich in Gernsbach und Weisenbach befindet, umfasst eine Fabrik (Karton) und einen Verarbeitungsbetrieb (Packaging). Im September 2019 hat die Marperger Group der deutsch-tschechischen Unternehmerfamilie Ferstl mit Sitz in Böhmen die zwei Werke übernommen (wir berichteten).

Positives Beispiel

aus Kappelrodeck

Der zuständige Gewerkschaftssekretär fragt sich, was genau das für Altverbindlichkeiten sind, von denen sich das Unternehmen befreien müsse? Zudem bemerkt Schmitz-Steinert, dass man seitens der Unternehmensführung (egal, ob Smurfit Kappa, Livia oder jetzt Marperger) bisher wenig Interesse signalisiert habe, die Probleme des Standorts zusammen mit der Gewerkschaft in den Griff kriegen zu wollen.

Andernorts sei man da kooperativer, verweist Schmitz-Steinert auf das Beispiel der Papierwerke Lenk in Kappelrodeck, die es mit Unterstützung der IG BCE in der Eigenverwaltung geschafft habe, aus der Insolvenz herauszukommen und einen neuen Käufer zu finden. Der Gewerkschaftssekretär würde sich freuen, wenn man auch bei Baden Board "diesen Weg einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der IG BCE" einschlagen würde.

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