https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Niederschlagsarm, sonnenscheinreich und zu warm
09.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Dieter Kraft

Gaggenau - Das Jahr 2019 verlief wieder einmal zu trocken, mit viel Sonnenscheinstunden, aber vor allem deutlich zu warm. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) war es gar deutschlandweit betrachtet das drittwärmste Jahr seit den regelmäßigen Messungen 1881. Auch die Wetterstation Ottenau konnte mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 13,2°C den zu warmen Jahresverlauf bestätigen, dennoch galten wir bundesweit betrachtet als zweitkühlstes Bundesland (Quelle DWD).

Mit einer Jahresgesamtniederschlagsmenge von 910,2 l/m 2 (Normalsoll 980 l/m 2 ) bei 178-Niederschlagstagen lagen wir im Bereich der gemeldeten DWD-Regenmengen und gingen laut deren Meldungen als zweitniederschlagsreichstes Bundesland in die Statistik ein. Bei den Sonnenscheinstunden wurden überdurchschnittliche Werte aufgezeichnet, was unsere Wetterstation mit über 2 000 Stunden mehr als bestätigte.

Januar

Katastrophale Schneefälle im Alpenraum - in unserer Region nasskalt und unangenehm. Dominiert wurde die Wetterlage durch anhaltende Tiefdruckgebiete, die viele Niederschläge oft auch als Schneefälle bis in die Niederungen mit sich brachten. Die Durchschnittstemperatur lag bei 2,8°C. In den Höhenlagen des Nordschwarzwaldes waren Dauerschneefälle zu vermelden, immer wieder gab es Straßensperren. Erst in der zweiten Monatshälfte entspannte sich die Wetterlage etwas. Am 22. lag der Minimalwert bei -6,8°C, getoppt wurde dieser Wert vom +5cm Bodensensor, der nahezu zeitgleich -9,4°C aufzeichnete. Der Maximalwert wurde am 27. mit 10,7°C gemessen. Der Gesamtniederschlag belief sich auf 58,6 l/m 2 bei 16 Niederschlagstagen.

Februar

Mild und trocken, dabei außergewöhnlich sonnenscheinreich. Es dominierten meist Hochdruckgebiete, Niederschlag war eher wenig und eigentlich nur aufgrund des Sturmtiefs "Uwe" zu verzeichnen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 6,5°C. Die Folge der Hochdruckgebiete waren Tage mit relativ geringer Bewölkung und daraus resultierend viele Sonnenscheinstunden. Der Maximalwert wurde am 26. mit 22,3°C aufgezeichnet, gänzlicher Gegensatz dazu war der Minimalwert am 6. mit -2,5°C. Beim Gesamtniederschlag wurden magere 30 l/m 2 an sechs Tagen aufgezeichnet. Mit 155 Sonnenscheinstunden war Baden-Württemberg das sonnenscheinreichste Bundesland (Quelle DWD).

März

Stürmisch und dabei sehr mild, aber auch niederschlagsreich. Die Hochdruckgebiete wurden rasch durch Tiefdruckgebiete abgelöst. Die Durchschnittstemperatur betrug 10,1°C. Neben den anfänglich ergiebigen Niederschlägen war eine Reihe von Sturmtiefs über uns hinweggefegt. Deren stärksten Böen wurden mit 61,2 km/h am 4. und 70,8 km/h am 12. erfasst. Gegen Ende der zweiten Dekade überwogen Hochdruckgebiete, es wurde wärmer. Der Maximalwert wurde am 30. mit 22,8°C aufgezeichnet. Allerdings setzte der Winter beim Minimalwert mit -0,1°C am 21. noch einmal ein Zeichen. Der Gesamtniederschlag wurde mit 145,6 l/m 2 an 16 Tagen aufgezeichnet. Mit nahezu 155 Sonnenstunden war Baden-Württemberg das sonnenscheinreichste Bundesland.

April

Schon fast sommerlich, aber auch kurzzeitig kühl. Erneut beherrschten Hochdruckgebiete die Wetterlage. Die Durchschnittstemperatur betrug 12,1°C. Dabei waren es oft östliche oder südliche Luftströmungen, die warme Luftmassen zu uns brachten. Der Minimalwert wurde am 15. mit gerade einmal 0,1°C gemessen. Dennoch und gerade aufgrund der anhaltenden Luftströmungen wurde es frühlingshaft, teils schon sommerlich. Die Temperaturen stiegen stetig an und erreichten um die Osterzeit ihren Höhepunkt. Der Maximalwert wurde am 21. mit 29,2°C aufgezeichnet. Allein um diese Zeit herum wurden an der Wetterstation acht aufeinanderfolgende Sommertage aufgezeichnet. Erst gegen Ende der letzten Dekade wurde dies durch eine wechselhafte Wetterlage abgelöst. Der Gesamtniederschlag betrug 51,6 l/m 2 an 15 Niederschlagstagen.

Mai

Man konnte es fast nicht glauben, aber nach über 13 Monaten war es mal wieder ein zu kühler Monat. Auch wir konnten dies mit einer Durchschnittstemperatur von 14,3°C (Vergleichswert April 2018: 17,8°C) bestätigen. Gerade die erste Monatshälfte trug das ihrige dazu bei. Zwar gab es immer wieder sonnige Abschnitte, aber die Nächte waren teilweise noch empfindlich kalt. Der Minimalwert lag am 13. bei 3,2°C. In der zweiten Monatshälfte stiegen die Temperaturen zwar wieder an, aber immer wieder aufkommende Niederschläge trübten die Wetterlage. Erst in den letzten Tagen zeigte der Mai, wozu er fähig gewesen wäre. So wurde der Maximalwert erst am 31. mit 27,7°C aufgezeichnet. Der Gesamtniederschlag wurde mit 101 l/m 2 an 17 Niederschlagstagen aufgezeichnet.

Juni

Ein Wettermonat für die Ewigkeit? Noch nie war ein Juni wärmer und sonniger. Mit einer Durchschnittstemperatur von 22,8°C lag auch unsere Region im Juni über den Normalwerten. Der Monat war geprägt von vielen Hochdruckgebieten und warmen Luftmassen, teilweise aus Nord-Afrika und der Sahara. Der Minimalwert wurde zu Beginn am 7. mit 9,7°C im Laufe einer kühlen Nacht gemessen. In der letzten Dekade setzte sich heißes Wetter durch. Die erste große Hitzewelle brachte auch unsere Region zum Schwitzen und Stöhnen. Insgesamt purzelten vielerorts die Temperatur-Rekordwerte. Auch unsere Wetterstation konnte einen Rekord für die Ewigkeit aufzeichnen, am 30. wurden wirklich brütend heiße 39,2°C gemessen. Der Gesamtniederschlag belief sich auf 84,6 l/m 2 an elf Niederschlagstagen.

Juli

Erneut ein Monat mit einem Temperaturrekord für die Ewigkeit. Anfänglich meist sommerlich warm, im Laufe des Monats immer weiter ansteigende Temperaturen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 23°C. Die beiden ersten Dekaden waren geprägt von vielen Hochdruckgebieten, die für angenehme Tage sorgten. Dennoch, die Nächte waren kühl, was man am Minimalwert am 10. mit 10,4°C eindrucksvoll unter Beweis gestellt bekommen hatte. Geprägt war der Monat aber von der letzten Dekade, in der eine erneute große Hitzewelle über unsere Region hereinbrach, sensationelle und glutheiße 40,6°C wurden am 25. aufgezeichnet. Schaut man sich den Monatsverlauf an, so wurden an 16 Tagen Temperaturen jenseits der 30°C-Marke aufgezeichnet. Der Gesamtniederschlag wurde mit 66,8 l/m 2 aufgezeichnet.

August

Sehr sonnenscheinreich und wenig Niederschlag. Gegen Ende zeigte sich der Sommer nochmals in seiner ganzen Stärke. Anfänglich war es gegenüber dem Juli wesentlich angenehmer. Die Durchschnittstemperatur lag bei 22,4°C. Es war gefühlt ein Auf und Ab zwischen sehr warmen, heißen und kühleren Tagen. Deutlich erkennbar am Maximalwert des Monats, der am 9. mit 35,9°C aufgezeichnet wurde, dem gegenüber stand der Minimalwert am 22. mit 11,3°C. Markantestes Wetterereignis war der 7. August, dabei entluden sich in unserer Region heftige Gewitter mit örtlich teilweise heftigen Windböen. An unserer Wetterstation wurde innerhalb kürzester Zeit eine Niederschlagsmenge von 36,8 l/m 2 aufgezeichnet. In der letzten Dekade zeigte sich der Sommer nochmals von seiner ganzen Pracht, hochsommerliche Temperaturen und etliche Sonnenscheinstunden wurden auf das Sommerkonto 2019 verbucht. Der Gesamtniederschlag wurde mit 74 l/m 2 an elf Tagen aufgezeichnet.

September

Auch in diesem Monat dominierten gerade in den ersten Wochen erneut Hochdruckgebiete das Wettergeschehen. Die Durchschnittstemperatur wurde mit 17,4°C aufgezeichnet. Meist war es verbreitet sonnig und angenehm warm, der Maximalwert wurde am 15. mit 29,9°C gemessen. Der Schein trügt schon ein wenig, gebietsweise gab es die ersten kühlen, nahe dem Gefrierpunkt liegenden Nächte. Der Minimalwert zeigte das krasse Gegenspiel am 20. mit 5°C eindrucksvoll auf. In der letzten Dekade wechselte das Wettergeschehen gänzlich, es waren meist ergiebige Niederschläge zu verzeichnen. Gesamtniederschlag: 51 l/m 2 an 14 Tagen.

Oktober

Im Oktober setzte sich die in der letzten September-Dekade begonnene regnerische Witterung nahezu nahtlos fort. Die Durchschnittstemperatur lag bei 13,9°C. Meist waren es atlantische Tiefdruckausläufer, die deutschlandweit für großflächige Niederschläge sorgten. Dennoch bescherte uns gerade diese Wetterlage anhaltende südwestliche Luftströmungen, die milde, ja sogar in Richtung Monatsmitte verhältnismäßig hohe Temperaturen zu uns brachten. Der Maximalwert wurde am 13. mit 28,8°C aufgezeichnet. Erst eine intensive Kaltfront, Tief "Yaroslav", brachte gegen Ende der letzten Dekade einen spürbaren Temperaturrückgang. Der Minimalwert wurde erst am letzten Tag des Monats mit kühlen 3,4°C gemessen. Der Gesamtniederschlag lag bei 92,4 l/m 2 an 22 Niederschlagstagen.

November

Im November waren Tiefdruckgebiete hauptverantwortlich für das Wettergeschehen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 7°C. Zu Beginn des Monats zeichnete unsere Wetterstation am 2. den Maximalwert mit eher spätsommerlichen 19,2°C auf. Schuld an dieser Wetterkapriole war der Zustrom subtropischer Luftmassen, der landesweit nochmals für diese Rekordtemperaturen sorgte. In der zweiten und dritten Dekade wurde es deutlich kühler, meist bestimmte Nebel oder Hochnebel das Wettergeschehen. Die Temperaturen waren stark abhängig von deren Auflösung. Der Minimalwert wurde am 20. mit -2,1°C aufgezeichnet. Gesamtniederschlag: 60,8 l/m 2 an 19 Niederschlagstagen.

Dezember

Zum Anfang und am Ende war der Monat stark geprägt vom Hochdruckeinfluss, ansonsten waren es Tiefdruckgebiete, die ganz Deutschland beherrschten. Die Durchschnittstemperatur betrug milde 5,7°C. Die Tiefdruckgebiete brachten mancherorts, in der zweiten Dekade, reichlich Niederschlag mit sich. Allerdings strömten meist milde Luftmassen zu uns. Vielerorts wurden mehrmals Temperaturen über 15°C aufgezeichnet. Der Maximalwert wurde am 16. mit 16,1°C notiert. Dem alljährlichen Wunsch nach weißen Weihnachten wurde wieder einmal ein gehöriger Strich durch die Rechnung gemacht. Lediglich der Minimalwert war am 6. mit -4,9°C in die richtige, winterliche Richtung gegangen. Der Gesamtniederschlag wurde mit 93,8 l/m 2 an 16 Niederschlagstagen aufgezeichnet.

Das Jahr 2019 im Vergleich (Vorjahr in Klammer): Temperaturdurchschnitt 13,2 °C (13,4 °C), Niederschlag 910,2 l/m 2 (682,4 l/m 2 ), Niederschlagstage 178 (144).

www.dieters-wetter.de

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gaggenau
Sonnenscheinreich, mild und ein wenig winterlich

04.01.2020
Mild und ein wenig winterlich
Gaggenau (dik) - Der Dezember war zum Anfang und am Ende geprägt vom Hochdruckeinfluss, ansonsten waren es Tiefdruckgebiete, die ganz Deutschland beherrschten. Die Durchschnittstemperatur an der Wetterstation Ottenau, betrug 5,7°C. (Foto: Sigrid Schiel). »-Mehr
Umfrage

Aus Protest gegenüber der Agrarpolitik legen Bauern in mehreren Landeshauptstädten mit Traktoren den Verkehr lahm. Halten Sie ein solches Vorgehen für angemessen?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1