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An zehn starke Gernsbacherinnen erinnert
An zehn starke Gernsbacherinnen erinnert
10.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Die Frauen, die zum Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) gehören, beginnen das neue Jahr schon seit einem Jahrzehnt gemeinsam mit einem Jahres-Eröffnungs-Frühstück. Am Mittwoch fanden sie sich nach dem Besuch des Gottesdienstes im Marienhaus zusammen, um an die Aktivitäten 2019 zu erinnern und über aktuelle Vorhaben zu berichten.

Dass dabei auch auf den Frauenbund und das neue Jahr angestoßen wurde, gehört zu einem Auftakt in ein neues Jahrzehnt. "Es bringt neue Chancen, Hoffnungen und Herausforderungen", begann Christa Seiberling, die Vorstandsvorsitzende des Diözesanverbands Freiburg, ihren kurzen Bericht. "Wir haben uns wieder einmal viel vorgenommen: im Zweigverein, im Diözesanverband und auf Bundesebene". Sie führte aus, dass das Thema Lohngerechtigkeit die 2020er Kampagne "Bewegen" anführt. Ihm folgten die Botschaften Glaube und Verantwortung.

Ende Januar steht der Besuch der Landesausstellung Hans Baldung Grien "Heilig/ unheilig" in der Kunsthalle Karlsruhe auf dem Programm, Anfang Februar ein Vortrag des Diakons Mathias Richtzenhain über "Himmelskörper in Religion und Bibel". Im Februar werden die Frauen die Tradition des närrischen "Scherbenkaffees" fortführen, wenige Tage später findet im Kloster Lichtenthal eine Schulung unter dem Thema "Ich habe was zu sagen" statt.

Viel zum Thema "Aufbruch - Umbruch - Veränderung" zu sagen hatte die Wirtschaftsjournalistin Regina Meier. Als Mitarbeiterin des Arbeitskreises Stadtgeschichte gewährte sie Blicke auf Frauen in zehn Dekaden der Geschichte Gernsbachs. Blicke auf begabte und willensstarke Gernsbacherinnen, die entweder Trägerinnen einer Veränderung im religiösen oder gesellschaftlichen Leben waren oder einen Wandel herbeiführten. 1928 waren es 76 Gernsbacherinnen, die sich zu einem eigenen Verein zusammenschlossen. Trotz Weltwirtschaftskrise stifteten sie in den 20er Jahren Geld für die Frankfurter Frauenfriedenskirche, einen Ort des Gedenkens der Kriegsopfer und der Bitte um Frieden.

In den 30er Jahren war es Henriette Fischer-Zach, die als 21-Jährige ein Sägewerk übernahm, für ihre sozialen Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und später den Gernsbacher ökumenischen Seniorentreff gründete. Marianne Maurer engagierte sich in den Nachkriegsjahren zunächst im Bereich der Fürsorge um das Wohl anderer. Gemäß ihrem Gerechtigkeitsempfinden und um den gesellschaftlichen Wiederaufbau voranzubringen, zog sie später als erste gewählte Gemeinderätin ins Gernsbacher Stadtparlament ein. Anders geartet, aber doch auch im Wesen vergleichbar, ist das aufopferungsvolle Leben der Kinderschwester Sabina, an die sich heute noch damalige Kinder und Eltern gerne erinnern.

In den 60er Jahren war es für Marta Strobel ein Anliegen, statt sich ausschließlich der Familie zu widmen, sich in Gemeinschaften zu engagieren. Von der allseits geschätzten, rührigen Pfarrhaushälterin Mathilde Harth stammt der Ausspruch: "Man kann besser miteinander arbeiten, wenn man auch das Mahl teilt." Walpurga Maier war es, die in den 70er Jahren aus kleinen Anfängen heraus die Gernsbacher Bücherei gründete.

Dass jetzt auch Mädchen Messdienerinnen sein dürfen, ist auch Dorina Catanias Vorstoß bei ihrem Pfarrer in den 80er Jahren zu verdanken. Und Susanne Schneider ist zu den Frauen zu zählen, die sich gegen die weibliche Unterrepräsentanz im leitenden Kirchenbereich wehrte. Seit 2019 für drei Jahre in der Frauenkommission der Erzdiözese München und Freising tätig, erarbeitet sie Anregungen zur Entwicklung zukunftsorientierter Maßnahmen. Während sie nur kurz in Gernsbach als Pastoralassistentin tätig war, kann der Frauenbund auch auf Gernsbacherinnen bauen, die seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Gemeinde sind: wie die in Italien geborene und bestens integrierte Mina Schira.

Zehn Frauen, zehn verschiedene Lebensorientierungen in zehn Dekaden, seit es den Frauenbund in Gernsbach gibt. Keine zu alt, keine zu jung, aber immer in einer Gemeinschaft wirksamer als auf sich allein gestellt.

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