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Glatfelter streicht rund 100 Stellen
Glatfelter streicht rund 100 Stellen
10.01.2020 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Hiobsbotschaft für den Wirtschaftsstandort Gernsbach: Glatfelter, ein weltweit führender Lieferant von technischen Spezialpapieren, kündigt den Abbau von ungefähr 100 Stellen an seinem Standort in der Hördener Straße an. Dort arbeiten derzeit 650 Menschen, damit ist Glatfelter der größte Arbeitgeber in der Papiermacherstadt.

Der Konzern, der seinen Hauptsitz in York (Pennsylvania, USA) hat, bezeichnet den Stellenabbau in einer Pressemitteilung als "Ergebnis des fortdauernden Einsatzes, Kosten effektiv zu managen und die operative Effizienz überall in seinen weltweiten Standorten voranzutreiben - inklusive des Bereichs Composite Fibers".

Die Reduzierung an Arbeitskräften betreffe in erster Linie Mitarbeiter, die die metallisierten Produktlinien des Unternehmens unterstützen, die im Zuge der Restrukturierung geschlossen werden. "Zusätzliche Reduzierungen betreffen Produktion, Logistik und Verwaltung am Standort Gernsbach." Glatfelter werde weiterhin metallisierte Produkte herstellen, künftig aber nur noch in seinem Werk in Caerphilly (Großbritannien).

Für die Belegschaft im Murgtal kam die Nachricht gestern aus heiterem Himmel. Nach BT-Informationen gab es für die Mitarbeiter zuletzt keinerlei Hinweise darauf, dass ein Bereich ihrer Fabrik geschlossen werden soll. Zwar standen Maschinen zum Ende des vergangenen Jahres immer wieder mal tageweise still und man arbeitete kurz, zuletzt sei es aber wieder weitgehend normal gelaufen.

Auch für die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Karlsruhe war der nun angekündigte Stellenabbau nicht absehbar: "In dieser Dimension kommt das schon total überraschend", betonte der zuständige Bezirksleiter Karsten Rehbein im BT-Gespräch. Er habe gestern Mittag nach der Belegschaftsversammlung davon erfahren, kommenden Dienstagvormittag trifft er sich mit dem Betriebsrat vor Ort: "Jetzt wird es darum gehen, die generelle Situation in Gernsbach zu bewerten und Alternativen zu suchen." Oberstes Ziel sei es laut Rehbein, "betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern".

Die Probleme bei Glatfelter in Gernsbach im eher kleinen Bereich der metallisierten Papiere sind allerdings nicht neu und ziehen sich schon seit einigen Jahren hin. Dazu habe laut Rehbein auch die Umweltdiskussion hier im Lande beigetragen, die dazu führte, dass Papiere, die durch ein Vakuum-Bedampfungsverfahren auf einer Seite mit einer sehr dünnen Metall-/Alu-Schicht versehen werden, nicht mehr so stark nachgefragt werden. So haben etwa einige Brauereien bereits umgestellt und verwenden als Etiketten neuerdings umweltschonendere, normale Papiere.

Hauptgeschäftsfeld des Glatfelter-Standorts in Gernsbach ist die Produktion von Teebeutel- und Overlaypapieren, bei denen das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer ist. Dieser Bereich ist vom Stellenabbau offenbar nicht betroffen.

Standort Gernsbach soll effizienter werden

"Unser Übergang zu einem funktionalen operativen Modell, inklusive der kürzlich geschaffenen integrierten weltweiten Supply Chain Funktion, hat uns Möglichkeiten eröffnet, in unserem Standort Gernsbach noch effizienter zu arbeiten", wird Wolfgang Laures in der Mitteilung zitiert. Er ist bei Glatfelter "Senior Vice President, Global Supply Chain": "Natürlich sind diese Entscheidungen mit ihren Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter schwierig, aber sie sind notwendig, damit Glatfelter auch weiterhin Marktführer bei Composite Fibers bleiben kann. Wir arbeiten auch weiterhin eng mit dem Betriebsrat in Gernsbach zusammen, um einen möglichst sanften Übergang für die Mitarbeiter zu ermöglichen, die von der Restrukturierung betroffen sind."

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