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Gelassener Grandseigneur und Mensch mit Weitsicht
Gelassener Grandseigneur und Mensch mit Weitsicht
15.01.2020 - 00:00 Uhr
Gaggenau (tom) - Seit 2012 war Friedrich Weiler Ehrenbürger von Gaggenau. Denn er hatte sich nicht nur als Leiter der Merkurschule, als Kommunalpolitiker oder beim Deutschen Roten Kreuz verdient gemacht. Am Freitag ist Friedrich Weiler gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.

Bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde während eines Festakts im Jahr 2012 sagte OB Florus: "Dem Verdienst seine Krone - diese Worte von Friedrich Schiller können zweifelsohne auch für das gelten, was Sie, Herr Weiler, für unsere Stadt getan haben."

Das war gewiss nicht übertrieben. Denn als ein Grandseigneur der Kommunalpolitik hat er die Geschicke der Stadt mitbestimmt - über Jahrzehnte hinweg. 1968 war es, als er das erste Mal in den Gemeinderat gewählt wurde. Bis 2004 gehörte er diesem Gremium an, ehe er nicht mehr kandidierte. Von 1970 bis 2003, also fast dreieinhalb Jahrzehnte, war er Chef der CDU-Fraktion im Gaggenauer Rathaus. In seiner Zeit als Fraktionschef war die CDU zeitweise nicht nur stärkste Kraft, sondern hatte die absolute Mehrheit inne.

36 Jahre Gemeinderat. Die Republik hat sich in dieser Zeitspanne mehrfach gewandelt. Gaggenau mauserte sich vom hässlichen Entlein zur ansehnlichen Stadt. Die Wahlergebnisse Weilers hingegen zeigten eine Konstante: Sie waren fast durchweg grandios. Seine ruhige, überlegte, auf Erfahrung und Weitsicht gründende Sachlichkeit und Gelassenheit schätzten politische Weggefährten an ihm.

Friedrich Weiler wurde am 21. September 1931 in Baden-Baden-Lichtental geboren. Seine Laufbahn als Lehrer führte ihn zunächst ans Pädagogium in Meersburg, dann nach Gengenbach. Über die Hans-Thoma-Schule Gaggenau kam er an die Merkurschule nach Ottenau. Als Rektor hat er an ihr von 1980 bis 1994 gewirkt - auch hier darf man von einer Lebensaufgabe sprechen, die er beispielhaft gemeistert hat. Von 1987 bis 1994 war er Geschäftsführender Schulleiter in der Großen Kreisstadt.

Drei Jahrzehnte Kreistag dürfen nicht vergessen werden, ebenso die zwölf Jahre im Regionalverband. Anfang der 90er Jahre erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Die bronzene, silberne und goldene Medaille der Stadt wurden ihm verliehen, ebenso die Staufer-Medaille des Landes.

Sich verdient gemacht um die Allgemeinheit, das hat Friedrich Weiler auch und nicht zuletzt als Rotkreuzler. Seit 1951 war er Mitglied im DRK. Der Dienst bei Blutspende-Aktionen gehörte für ihn bis ins hohe Alter dazu.

Bei den diesjährigen Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Annemasse wäre er sicher Ehrengast gewesen. Denn die Beziehung zu der Stadt am Rande des Genfer Sees war ihm wichtig. Auch in Annemasse war er zum Ehrenbürger ernannt worden. Dies gilt als eine der größten Auszeichnungen, die man für partnerschaftliches Interesse zu vergeben hat.

Die Familie, sie war für Friedrich Weiler immer ganz wichtig. Seine letzten Lebensjahre hat er zurückgezogen aus der Öffentlichkeit, aber zufrieden im Gerhard-Eibler-Haus der Gaggenauer Altenhilfe verbracht. Dort ist er am Freitagabend entschlafen - im Kreis der Familie.

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