Der Unimog prägt sein Leben

Der erste Unimog-Prospekt von 1948 war schicksalhaft für den Lebensweg von Roland Feix.  Foto: Wessel

Von Michael Wessel

Gaggenau - "Der Unimog hält jung" gibt Roland Feix immer gerne zur Antwort, wenn er gefragt wird, wie er mit 90 Jahren so fit sein kann - geistig und körperlich. Sein privates Fitness-Programm besteht insbesondere im häufigen Laufen von der Dornierstraße zu Besorgungen in die Stadt oder auch mal ins Unimog-Museum. Zudem spielt er im Sommer Tennis.

Geistig und manchmal körperlich gefordert hat ihn 44 Jahre lang der Unimog. Auch heute noch ist er ihm sehr verbunden. Angefangen hat alles mit einem Unimog-Prospekt der Maschinenfabrik Gebrüder Boehringer in Göppingen, den der Altersjubilar 1949 in Marktredwitz in die Finger bekam. Dorthin war er 1946 aus seiner Heimatstadt Eger geflohen und inzwischen als Maschinenschlosser tätig.

Roland Feix war von dem Prospekt sehr beeindruckt. Daher fuhr er mit dem Fahrrad die 400 Kilometer nach Göppingen, wurde per Handschlag vom Leiter des Versuchs und Kundendienstes Christian Dietrich eingestellt und begann am 4. Juli 1949 als Monteur in der Montage - Fahrzeug Nummer 23 wurde gerade zusammengebaut.

Nach einer kurzen Mitarbeit in der Montage wurde es die Hauptaufgabe von Roland Feix, den Unimog in Deutschland bekanntzumachen. Anfang 1951 folgte der Wechsel der Unimog-Mannschaft von Boehringer in Göppingen zu Daimler-Benz in Gaggenau.

Ein strapaziöses Erlebnis war es, ebenfalls 1951 auf einer Tour durch Europa den Unimog in verschiedenen Ländern bekanntzumachen. In Spanien saß sogar General Franco auf dem Beifahrersitz.

Zurück in Gaggenau kam 1952 das Angebot von Christian Dietrich, für zwei Monate zusammen mit seinem Kollegen Walter Ahr in Argentinien den Unimog in der Landwirtschaft vorzuführen. Dort wurden unzählige Vorführungen gemacht. Aber auch die dortige Eisenbahngesellschaft und Explorationsfirmen für Erdöl und Erdgas interessierten sich für den Unimog. So wurden aus den geplanten zwei Monaten schließlich zwei Jahre. Bereits 1954 kam Feix für weitere sechs Jahre nach Argentinien - mit Einsätzen auch in Uruguay, Paraguay und Chile. 1960 übersiedelte er für sieben Jahre nach Kolumbien, um von dort Lateinamerika zu betreuen.

Zurück in Gaggenau wurde er 1967 als Referent für den Export nach Lateinamerika, Spanien und Portugal verantwortlich. Die Gründung des Unimog-Clubs Gaggenau im Mai 1993 war fast zeitgleich mit dem Ausscheiden von Roland Feix aus seinem aktiven Berufsleben im Juli.

Viele Jahre war er im Vorstand des Clubs als Betreuer der ausländischen Mitglieder tätig. 2008 wurde er beim Ausscheiden aus dem Vorstand zum Ehrenmitglied ernannt. Insbesondere in der Konzeptionsphase des Unimog-Museums brachte er sich mit vielen Ideen, aber auch durch aktive Mitarbeit ein. Dazu gehören bis heute viele Führungen.

Neben dem Unimog gehört seine Leidenschaft der Fastnacht. Das begann in den 1970er Jahren als Akkordeon-Spieler bei einem Umzug. Ab 1986 organisierte er die Teilnahme seiner Grokage an den Umzügen mit Unimog. Bald war er als Senator verantwortlich für die Ausgestaltung der Halle für die Sitzungen einschließlich Bühnenaufbau.

Dank des Unimog-Einsatzes in Argentinien lernte Roland Feix in Buenos Aires am Nationalfeiertag 1952 seine aus Wien stammende Musikpädagogin Elisabeth kennen. Schon zwei Jahre später wurde geheiratet. Und so können am heutigen Geburtstag drei Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel mitfeiern.

Bürgerpreis wird am 11. Januar verliehen

Dass die Integration des Egerländers ins Badische hervorragend gelungen ist, wird auch daran deutlich, dass Roland Feix beim Neujahrsempfang der Stadt Gaggenau am 11. Januar der Bürgerpreis verliehen wird.

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