Wenige Teilnehmer - viele Anregungen

Wenige Teilnehmer - viele Anregungen

Von Christiane Vugrin

Gaggenau - Zu Beginn enttäuscht von der Anzahl der Teilnehmer, am Ende aber begeistert über die Intensität der Bearbeitung verschiedener Themen zeigte sich Bürgermeister Michael Pfeiffer am Mittwochabend beim Auftaktworkshop für die Ortsteile Bad Rotenfels, Hörden, Ottenau und Kernstadt zur Verkehrssituation in Gaggenau. Um die 30 Personen hatten den Weg in den Bürgersaal des Rathauses gefunden, davon zehn Gemeinde- oder Ortschaftsräte.

Nach der Begrüßung des Bürgermeisters erläuterte Diplom-Geograph Harald Spath anhand einer ausführlichen Präsentation die Ergebnisse der zwischen April und Juni 2017 gemachten Verkehrserhebungen in Gaggenau. An insgesamt 51 Knotenpunkten und 16 Querschnitten im gesamten Stadtgebiet waren für je 24 Stunden Verkehrszählungen vorgenommen worden.

Den Erhebungen zufolge beläuft sich der Durchgangsverkehr im Kernbereich auf etwa 11300 Fahrzeuge pro Tag. Die Zahl beim Quell- und Zielverkehr ist mehr als fünfmal so hoch, nämlich 64400 Fahrzeuge pro Tag. Der Binnenverkehr beträgt circa 15900 Fahrzeuge pro Tag. Hier sei eine große Belastung in West-Ost-Richtung zu erkennen.

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wurden im Anschluss zwar nur zwei Arbeitsgruppen gebildet. Doch die zahlreichen Vorschläge, Ideen und Anregungen an Pinnwände geheftet konnten sich sehen lassen.

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Das Netz ausbauen, mehr Verbindungen von Bus und Bahn und diese Verbindungen besser abstimmen - das waren Ergebnisse beim Thema ÖPNV. "Mehr Eilzüge, ein verstärkter Einsatz von Sammeltaxis wurde gefordert und der Zustand des Bahnhofs beklagt", fasste Wolfgang Nießen zusammen. Weitere Vorschläge: eine bessere Infrastruktur für Carsharing schaffen und City-Busse in die Ortsteile fahren lassen.

Fuß- und Radverkehr: Verbesserungswünsche gab es im Bereich der Vorfahrtsregelungen und Querungen. Die Infrastruktur von Radwegen sei ausbaufähig, und geeignete Straßen könnten zu Fahrradstraßen werden - also Straßen, die nur von Fahrradfahrern und Anliegern befahren werden dürfen.

Probleme für Rollatoren und Kinderwagen

Radschnellwege seien keine vorhanden und der Zustand einiger Radwege erschwere das Befahren, insbesondere was den Belag betrifft: Teilweise sind Radwege gepflastert. Die Breite der Gehwege wurde im Hinblick auf die Nutzung mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühle bemängelt, auch das Kreuz- und Querstellen von Mülltonnen mache Gehwege problematisch.

Kfz-Verkehr: Frank-Stephan Barth berichtete über vielfältige Anregungen zum Thema Kfz-Verkehr sowie Wirtschafts- und Lieferverkehr. Beim Thema Ampelschaltungen sei oft die Schillerstraße genannt worden.

Auch die Parkproblematik von Lkw an der B462 wurde angesprochen. Was die Elektromobilität betrifft, sei Gaggenau eine tote Fläche, kritisierte Barth. Zwischen Rastatt und Freudenstadt sei nur eine E-Tankstelle in Weisenbach zu finden. Mit Blick auf die vorbildliche Versorgung in Baden-Baden meinte Barth: "Vielleicht wird es hier in Zukunft Verbesserung geben".

"Bei den von Herrn Barth angesprochenen Tankstellen handelt es sich um Tankstellen für Elektroautos mit Typ 2-Stecker", ergänzte Bürgermeister Michael Pfeiffer. E-Tankstellen (nicht Typ 2) gibt es in Gaggenau aber hier: Carl-Benz-Schule, Murgufer-Tiefgarage (Ausfahrt Murganabad), am Unimog-Museum und bei Elektro Dreher (Ottenau). Pfeiffer gab auch einen Überblick über das weitere Vorgehen. Nach dem nächsten Workshop (siehe "Zum Thema") werden die Ergebnisse im Gemeinderat diskutiert. Auf dieser Grundlage werde ein weiterer Leitbildworkshop veranstaltet mit Blick auf die Fragen: "Wie soll sich unser Verkehr entwickeln, was wollen wir als Stadt für den Verkehr erreichen." Auch hier ist wieder Bürgerbeteiligung gefragt. Michael Pfeiffer: "Dieser zweite Abschnitt wird voraussichtlich im Sommer dieses Jahres beginnen."

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