Wo gute Ideen kein Zufall sind

Fabian Binz mit seinem 'Weinstein': Ein Gimmick für Technikfreaks und Weintrinker. Foto: Senger

Von Thomas Senger

Gaggenau - Wenn Fabian Binz das Wort ergreift, dann ist da selten vom "Ich" die Rede, stattdessen spricht er von "wir" und "uns". Und damit meint er seine Ehefrau Gabi und seine rund anderthalb Dutzend Mitarbeiter. Damit ist das Erfolgskonzept noch nicht vollständig umrissen, aber immerhin eine der Voraussetzungen dafür, dass in den unscheinbaren Räumen in der Gaggenauer Hauptstraße eine Ingenieurfirma der besonderen Art nun ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Binz3 heißt das Unternehmen, das aus einem Ein-Mann-Betrieb entstand, mittlerweile zur Ideenschmiede geworden ist und 2017 als ein Top-Innovator des deutschen Mittelstands ausgezeichnet wurde. Bei der Jubiläumsfeier in der klag-Bühne gewährte Binz Einblicke in seine Denk- und Arbeitsweise, die er selbstbewusst "Binz-Prinzip" nennt: "Innovation entsteht erst, wenn man bestehende Pfade verlässt und sich auf Neues einlässt." Das mag wie Allgemeinplatz klingen, aber es ist Binz' Überzeugung. Schließlich seien zufällige gute Ideen kein Garant für nachhaltigen Erfolg. Ideen gelte es gezielt und systematisch zu finden, zu entwickeln und technische Widersprüche zu lösen.

Mittlerweile 73 Patente sprechen da für sich. Oder die Mitarbeit am 246 Meter hohen Testturm in Rottweil, wo neue Aufzugstechnologie getestet wird. Längst nicht nur im Automotive-Bereich ist Binz unterwegs. Selbstbewusst stellt er sich Projekten in Medizintechnik, Anlagentechnik oder Baubranche - und präsentiert Lösungen. "Die Kunden bekommen das, was sie brauchen; nicht unbedingt das, was sie wollen", sagt Binz in einer bemerkenswerten Gelassenheit - und aus diesen Worten spricht nicht nur Selbstvertrauen, sondern der Wille, sich auf eine Fragestellung unvoreingenommen einzulassen.

Die Freude am Tüfteln, sie ist sicher auch ein Erfolgsrezept von Fabian Binz. Und so präsentiert er augenzwinkernd, aber stolz eine Innovation, "die eigentlich keiner braucht", die gleichwohl verblüfft: Seinen "Weinstein" - eine Zapfanlage, die durch einfachste Technik besticht: Die offene Flasche kopfüber hineinstellen, um dann tropfengenau das Glas füllen zu können mit dem Getränk, das zuvor mit der richtigen Menge Luft in Kontakt gekommen ist. Umhüllt von poliertem oder unpoliertem Naturstein - ein Gimmick für Technikfreaks und Weintrinker.

Nicht von ungefähr gehört Bürgermeister Michael Pfeiffer an diesem Nachmittag zu den Gratulanten. Schließlich kommt ein Unternehmen wie Binz in einer Stadt, die mittlerweile vor allem Produktions- und kaum mehr Entwicklungsstandort ist, einer Perle gleich. "Eine patente Firma", freut sich Pfeiffer.

Es passt zu Binz, dass er für diese Feier Jean-Philippe Hagmann eingeladen hat. Mit dem Schweizer ist er freundschaftlich verbunden. Und wenn man ihn als Gastredner sagen hört: "Hören Sie auf, ständig nur Innovationstheater zu spielen. Lernen Sie die Kunst der radikalen Innovation kennen", dann weiß man warum.

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