Teure Fotos von Audi mit falschem Kennzeichen

Teure Fotos von Audi mit falschem Kennzeichen

Gernsbach /Weisenbach (stj) - Das waren sicher die teuersten Bilder, die ein 52-Jähriger aus Weisenbach je gemacht hat: Um seinen fahruntauglichen, längst abgemeldeten Audi als gutes deutsches Fabrikat besser zum Kauf anbieten zu können, hat er sich vom Nachbarn ein - ebenfalls längst ungültiges - Kurzzeitkennzeichen ausgeliehen, es am Fahrzeug angebracht und den Pkw vor seiner Garage fotografiert. Dumm nur, dass dies im öffentlichen Verkehrsraum geschah und nicht unentdeckt blieb: Am Tag nach dem "Foto-Shooting" tauchte nämlich die Polizei bei dem Mann in Weisenbach auf. Die Ordnungshüter stellten fest, dass auch noch das Ablaufdatum des Kennzeichens, das auf einem farbigen Balken am rechten Rand vermerkt ist, überklebt war. Eine Anzeige wegen Urkundenfälschung war die Folge. Deswegen musste sich der 52-Jährige gestern vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten.

"Ich habe nicht gedacht, dass das strafbar ist", versicherte der Zeitarbeiter auf der Anklagebank: "Meine Dummheit." Er versuchte, Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch zu erklären, warum er die Fotos des defekten Audi unbedingt mit einem Kennzeichen machen wollte, war dabei aber wenig überzeugend. Inzwischen sei das Auto in Polen.

"Ich weiß nicht, wie wir auf die Idee gekommen sind", blickte der einzige Zeuge des Verfahrens auf den 12. Juni zurück. Damals habe er seinem Nachbarn eines seiner zahlreichen Kurzzeitkennzeichen geliehen, weil dieser Bilder machen wollte. Danach habe man zusammen ein paar Bier getrunken, das Auto mit dem falschen Kennzeichen vor der Garage sei in Vergessenheit geraten. "Ich habe nicht darüber nachgedacht, was passieren kann mit einem abgelaufenen Nummernschild", sagte der 55-Jährige, der wegen der Geschichte bereits zweimal bei der Polizei aussagen musste.

Richter Koch verwies darauf, dass juristisch gesehen erst Fahrzeug und Kennzeichen zusammen eine Urkunde bildeten. Es gehe also um die Frage, ob mit dem Anbringen des Kennzeichens vorsätzlich der Anschein erweckt werden sollte, das Auto sei zugelassen. Fahrlässig sei dies nicht strafbar.

Das Bundeszentralregister weist für den 52-jährigen Angeklagten eine weiße Weste aus, zudem zeigte er sich geständig. Deshalb beließ es der Amtsgerichtsdirektor bei der Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 600 Euro. Das Geld kommt dem Evangelischen Mädchenheim in Gernsbach zugute.

Damit zeigte sich auch die Staatsanwaltschaft Baden-Baden einverstanden, die zunächst einen Strafbefehl von 40 Tagessätzen zu je 60 Euro wegen Täuschung im Rechtsverkehr und Urkundenfälschung erlassen hatte. Gegen diesen hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt.

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