Neuer Trafo, den keiner braucht

Neuer Trafo, den keiner braucht

Von Thomas Senger

Gaggenau - Für eine derzeit nicht zwingend notwendige Investition der Stadtwerke in einen neuen Trafo für insgesamt rund 2,5 Millionen Euro netto billigte der Gemeinderat nun einen ersten Teilauftrag. Stadtwerke-Chef Paul Schreiner verweist auf den Netzbetreiber Netze BW: Er beharre auf Einhalten der Netznutzungsregelung. "Es ist eine technische Lösung da, aber sie darf nicht genutzt werden", erläutert Schreiner.

1988 war für die gemeinsame Versorgung von Daimler und Stadtwerke die Daimler-Anlage an der Kniebisstraße erweitert worden. Das vom damaligen Badenwerk entwickelte Konzept sah zwei Trafos vor: einen von Daimler, einen von den Stadtwerken - bei einer Notversorgung kann jeweils der eine für den anderen Kunden genutzt werden.

Schreiner verweist auf Vorschriften in den "Geschäftsprozessen zur Kundenbelieferung mit Elektrizität (GPKE)". Diese Vorgaben von Bundesnetzagentur und Verbänden regelt die Netznutzung. Dementsprechend könne der Daimler-Trafo im Bedarfsfall nicht an die Stadtwerke "ausgeliehen" werden, um dort einen Ausfall zu kompensieren.

Deshalb muss nun die bestehende 110-kv-Anlage erweitert werden. Sie stünde aber erst 2025 zur Totalerneuerung an. "Wir brauchen einen zweiten eigenen Trafo, damit wir umschalten können", erklärt Schreiner. Das habe durchaus Vorteile: Ein größerer Schadensfall könnte dadurch nur auf einen Teil des Stadtwerkenetzes begrenzt bleiben.

Netzbetreiber Netze BW ist ein Tochterunternehmen der EnBW. Dort argumentiere man, so erläutert der Stadtwerke-Chef, "dass wir nur eigene Betriebsmittel für die Versorgung von Gaggenau verwenden dürfen". Falls die Stadtwerke trotzdem kurzfristig fremde Betriebsmittel nutzen - also in einem Notfall den Daimler-Trafo - dann könnte dies für die Stadt sehr teuer werden: "Bis zu einer Million Euro", rechnet Schreiner.

Dies hänge mit dem Berechnungsmodus für die Netzentgelte zusammen. Denn als Bezahlungsgrundlage werde die höchste Jahresleistung herangezogen, "egal, wie lange sie in Anspruch genommen wird. Eine Viertelstunde kostet dann so viel wie ein ganzes Jahr."

"Mit gutem Willen gäbe es Möglichkeiten, das anders zu regeln", sagt Paul Schreiner im BT-Gespräch; aber bei der EnBW habe man offensichtlich kein Interesse daran.

Am Montag hatte der Gemeinderat zunächst nur über die Beschaffung eines 40 MVA-Trafos zu befinden. Kosten ohne Mehrwertsteuer: 645 000 Euro. Die Lieferzeit beträgt zehn bis zwölf Monate. Darüber hinaus wurde Netze BW für 20 000 Euro mit Ingenieurleistungen beauftragt.

In den Sitzungsunterlagen heißt es: "Nachdem die geplante Erweiterung in die Betriebsanlagen der Netze BW eingreift und insoweit eine umfangreiche Einbindung von Netze BW bei Planung, Bau und Realisierung notwendig macht, hat die Netze BW angeboten, die Umsetzung als ,Ingenieur-Büro' für die Stadtwerke Gaggenau vorzunehmen." In einer Rahmenausschreibung halte Netze BW auch verschiedene Trafos bereit, mit denen die Stadtwerke beliefert werden können.

Kommentar

zurück
1