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Nicht Raumkapsel, sondern Zeitmaschine
Dem geschulten Auge und den Kontakten von Boris Traub (rechts) ist es zu verdanken, dass Manfred Mörmann und Karl Schweizer (von links) auf dem Gelände des Westwallbunkers künftig auch eine stählerne Splitterschutzzelle vorführen können.  Foto: Linkenheil
30.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Fast könnte man denken, eine Raumkapsel ist beim Historischen Verein auf dem Gelände des Westwallbunkers an der Kehler Straße gelandet. Doch es handelt sich nicht um einen Botschafter ferner Welten, sondern einer gar nicht so fernen Vergangenheit. Das eineinhalb Tonnen schwere Stahlobjekt ist nämlich so etwas wie eine Zeitmaschine, kann man doch im Innern zumindest ein bisschen nachvollziehen, wie man sich bei einem Fliegerangriff während des Zweiten Weltkriegs gefühlt haben mag.

Bei dem stählernen Trumm handelt es sich um eine Splitterschutzzelle, wie sie während des Krieges zu Zehntausenden quasi als "Ein-Mann-Bunker" aufgestellt wurden. Meistens waren sie aus Beton. Im Rastatter Dörfel hat ein solches Exemplar die Zeitläufte überstanden. Das stählerne Gegenstück stammt nicht aus Rastatt. Boris Traub, der sich in seiner Freizeit intensiv mit Wehrgeschichte beschäftigt und viel herumkommt, hat das Schwergewicht mit geschultem Adlerauge in Bad Krozingen ausgemacht. "Während eines Reha-Aufenthalts ging ich im Kurpark spazieren und habe das Ding auf einem angrenzenden Grundstück entdeckt", berichtet der Hobbyhistoriker. Sein Interesse an Militärgeschichte, besonders der des Zweiten Weltkriegs, rührt daher, dass für ihn als Junge die Reste der Westwallanlagen rund um Rastatt ein wahrer Abenteuerspielplatz gewesen sind.

Ein Anruf auf dem Rathaus von Bad Krozingen ergab, dass das Grundstück und damit die Splitterschutzzelle in Privatbesitz sind. Mit dem Eigentümer wurde Traub schnell einig. Er durfte das schwere Ungetüm, das bisher als eine Art Geräteschuppen gedient hatte, abholen. Nur wie? Die Gärtnerei Kamm in Bad Rotenfels, wo Traubs Bruder arbeitet, lieh ihren Laster mit Hebevorrichtung aus und sponserte sogar noch den Sprit für die Fahrt nach Südbaden. So ließ sich das Relikt nach Rastatt zum Historischen Verein transportieren. Auf dem Gelände beim Westwallbunker soll die Splitterschutzzelle nun bei den regelmäßigen Führungen einbezogen werden.

Splitterschutzzellen wurden überall dort aufgestellt, wo ein Luftschutzbunker nicht schnell zu erreichen war, zum Beispiel auf Werksgelände oder entlang der Eisenbahnlinien. Bei Luftangriffen boten sie zumindest einen gewissen Schutz. Trotzdem muss der Aufenthalt in dem stählernen Gefängnis grauenhaft gewesen sein, zumal draußen das Inferno tobte. Auf einem Blechschild im Innern ist heute noch zu lesen, dass die Schutzzelle von Mannesmann gemäß dem Luftschutzgesetz gefertigt wurde. Außer der Tür, die man von innen verriegeln kann, verfügt die Zelle auf der Rückseite über ein ebenfalls verschließbares Mannloch. Klar: Sollte die Stahltür klemmen, wäre die Stahlkapsel womöglich zur tödlichen Falle geworden.

Manfred Mörmann und Karls Schweizer vom Historischen Verein freuen sich über das neue Ausstellungsobjekt. Ist die Splitterschutzzelle neben dem aufwendig hergerichteten und mit vielen Originalobjekten eingerichteten Westwallbunker doch ein weiterer Mosaikstein, der das Überleben während der Kriegsjahre anschaulich macht. Denn die Zeitzeugen, die die Schrecken des Kriegs an der Front oder in der Heimat selbst erlebt haben und davon berichten könnten, würden weniger. Zugleich spüren die Hobbyhistoriker ein wachsendes Interesse an dieser Zeit, gerade bei jungen Leuten, die in erfreulicher Zahl zu den Bunkerführungen kämen.

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