https://www.badisches-tagblatt.de/anzeigen_privat_marktplatz/index.html
Identitätspflege für die Bevölkerung
Seit 15 Jahren ist Peter Hank Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle in Rastatt. Das unbetitelte Bild von Lothar Quinte im Hintergrund ist eines seiner Lieblingsstücke.  Foto: F. Vetter
14.02.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt - Bis zum eigentlichen Geburtstag ist es noch ein bisschen hin. Schließlich wurde die zur Städtischen Galerie umgebaute Fruchthalle in Rastatt am 18. und 19. Juni 1993 eingeweiht. Doch die Jubiläumsausstellung wird schon am kommenden Freitag, 16. Februar eröffnet. Rund 90 Ausstellungen hat die Städtische Galerie Fruchthalle in den vergangenen 25 Jahren gezeigt, etwa 60 davon hat Peter Hank kuratiert. Mit dem Galerieleiter hat sich BT-Redakteur Sebastian Linkenheil über die Stellung der Fruchthalle in der Kunstlandschaft der Region und über Zukunftsperspektiven unterhalten.

BT: Herr Hank, die Städtische Galerie Fruchthalle wird 25 Jahre alt. Was wünschen Sie ihr zum Geburtstag?

Peter Hank: Schon jetzt ist in Planung, dass wir unsere Deckenbeleuchtung umrüsten auf LED. Die alten Röhren kommen raus. Das bringt nicht nur eine Energieersparnis, sondern ist auch eine schönere Lichtquelle. Nun wünsche ich mir zum 25. Geburtstag der Fruchthalle auch eine passende Außenbeleuchtung. Ich stelle mir um das Gebäude herum Bodenlampen vor, die in den Abendstunden die Architektur dieses denkmalgeschützten Gebäudes zur Geltung bringen. Die Fruchthalle geht ja zurück auf die Bundesfestung und gehört zum historischen Architekturensemble Rastatts.

BT: Rastatt liegt - fast könnte man sagen "eingezwängt" - zwischen zwei Kunststädten mit bedeutenden Angeboten: Baden-Baden und Karlsruhe. Wie kann sich die Städtische Galerie da behaupten?

Hank: Ich sehe es anders. Wir können mit dem Kunstangebot in den beiden Städten nicht konkurrieren. Das wäre illusorisch. Doch allein durch seine Historie ist Rastatt ein eigener und sehr repräsentabler Standort. Wir waren hier einmal die Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Baden, und der Standort Rastatt wurde durch den Markgrafen sehr geprägt. Einmal natürlich durch das Schloss, dann aber auch durch die Achsziehungen, die sehr bedeutend sind. Sehen Sie, die Karlsruher Achsen hören ja im Hardtwald auf, aber unsere Achsen durchziehen die ganze Landschaft der Umgebung, heute noch sichtbar in der B 3 Richtung Ettlingen. Der Standort Rastatt hat also eine größere Strahlkraft im Verborgenen, als man das zwischen Karlsruhe und Baden-Baden allgemein kennt: Mit dieser Strahlkraft können wir im Sinne des Genius Loci arbeiten und auch in Hinblick auf Bildende Kunst etwas Eigenes entwickeln. Wir müssen gar nicht in ein Konkurrenzverhältnis zu den Nachbarkommunen treten, sondern können eine eigene Identität sichtbar machen. Und weil ja lokale Standorte angesichts der Globalisierung immer wichtiger werden, ist es bedeutsam, eine solche Standortpflege zu betreiben. Das ist Identitätspflege für die Bevölkerung am Ort. Nino Malfatti zum Beispiel hat während seiner Ausstellung bei uns und seines Aufenthalts in Rastatt erkannt, dass der Planstadtcharakter viel mit seinem Werk zu tun hat. Und das wünsche ich mir auch für weitere Ausstellungen: Dass die Künstler auf den Standort Bezug nehmen, so dass wir Baden-Baden und Karlsruhe gar nicht in den Blick nehmen müssen, weil wir uns im Blick haben.

Interview

BT: Der Kulturausschuss des Gemeinderats hat jüngst beschlossen, dass es in der Galerie Fruchthalle künftig nur noch zwei Ausstellungen pro Jahr geben soll. Warum?

Hank: Ja, bis jetzt gab es jeweils drei Ausstellungen im Jahr. Die Entwicklung im Ausstellungsbetrieb hat sich in den vergangenen 20 Jahren doch sehr verändert. Es geht heute nicht mehr an, dass man einfach Bilder an die Wand hängt und im "White Cube" präsentiert. Nein, die Inszenierung von Ausstellungen wird immer wichtiger. Das bedeutet nun aber für die Ausstellungsmacher natürlich einen viel größeren Arbeitsaufwand, und das Budget ist ja auch beschränkt. Um nun mit diesem Budget und Arbeitsaufwand den Inszenierungsaufwand längerfristig halten zu können, sind wir auf die Idee gekommen, die Taktung der Ausstellungen zu reduzieren, um dann schöne Inszenierungen machen zu können. Das war verbunden mit der Bedingung, dass wir das Begleitprogramm erweitern, damit sich die Ausstellung nicht so schnell "aushängt", wie man das nennen könnte, sondern im Gespräch bleibt und Besucher anlockt.

BT: Wie soll das neue erweiterte Begleitprogramm aussehen?

Hank: Die Verbindung von Bildender Kunst und Musik wollen wir zum Beispiel intensivieren. Das heißt, wir wollen Musiker zu Konzerten einladen, die dann Ausstellungen begleiten beziehungsweise musikalisch durch Ausstellungen führen. Dann gibt es in Rastatt eine Amateurtanztheatergruppe um Romina Becker, die wir im Rahmen der Vangi-Ausstellung schon im Haus hatten. Tanz-Performances kann ich mir gut vorstellen, um die Attraktivität der Ausstellungen zu steigern. Weiterhin soll es zu jeder Ausstellung einen passenden Vortrag geben. Ich bin auch mit Harald Hemprich vom Theaterverein Reithalle im Gespräch, das Ensemble 99 einzubeziehen, das ja sehr gute Sprecher hat, Stichwort: Klaus Winterhoff. Ich kann mir vorstellen, dass wir mit dem Ensemble 99 schöne Lesungen machen. Und dann will ich die ausstellenden Künstler dafür gewinnen, Publikumsgespräche hier zu veranstalten. Es soll ein reger Austausch entstehen. Natürlich die Kunstdidaktik und Museumspädagogik nicht zu vergessen, die wir ebenfalls ausbauen wollen.

BT: Was waren für Sie persönlich die Höhepunkte in einem Vierteljahrhundert Städtische Galerie Fruchthalle?

Hank: Eigentlich ist jede Ausstellung für sich ein Kulminationspunkt. Jede ist anders, jede erfordert eine andere Herangehensweise. Jede Künstlerpersönlichkeit birgt viel Potenzial, das man über die Ausstellung zeigen kann. Die Herausforderung ist für mich, dem Künstler gerecht zu werden und mit Hilfe der Ausstellungsinszenierung entsprechend ans Publikum heranzubringen. Daraus habe ich selbst unheimlich viele Erfahrungen gewonnen. Der Ausstellungsbetrieb war für mich von Anbeginn an und in den 15 Jahren, die ich jetzt das Haus führen kann, immer eine Bereicherung oder ein permanenter Höhepunkt, wenn man so sagen will.

Es gibt trotzdem wahre Highlights. Eines war die Ausstellung mit Peter Dreher. Dass wir diesen Altmeister der badischen Kunst für unser Haus gewinnen konnten, war für uns eine große Sache. Und natürlich auch weniger bekannte Künstler, die für mich manchmal selbst eine große Überraschung waren wie Hildegard Fuhrer. Eine ganz wunderbare Erfahrung. Sie war bis dahin so noch nicht in der Kunstszene erschienen, und wir konnten für sie eine große Retrospektivausstellung machen. Und dann natürlich Giuliano Vangi. Ein Kulminationspunkt, das muss man einfach sagen. Das kann eigentlich nichts toppen. Einmal war da natürlich die logistische Herausforderung. Dann aber auch die Exponate selbst. Das Erlebnis, den Künstler hier gehabt zu haben, ihn sprechen und besuchen zu können. Im Atelier zu sehen, wie er arbeitet: Das war für mich durchaus einer der Höhepunkte der vergangenen 15 Jahre.

BT: Welchen Künstler würden Sie unbedingt noch in die Fruchthalle holen wollen, auch wenn es vielleicht unrealistisch ist?

Hank: Ich versuche ja immer, Ausstellungen aus dem Fundus der Sammlung heraus zu generieren. Es geht ja auch darum, die Sammlung zu vervollständigen. Und da habe ich eigentlich schon lange einen Wunschkandidaten. Aber eine Ausstellung ist bislang nicht zustande gekommen, weil es auch eine große logistische Herausforderung bedeuten würde. Genauso aufwendig wie bei Vangi. Es handelt sich ebenfalls um einen Bildhauer. Er war lange Zeit Professor an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim. Er hat auch einige Schüler, die später in Rastatt und in der ganzen Region gearbeitet haben. Er ist sozusagen der englische Alfred Hrdlicka: Es geht um Michael Sandle.

Noch zwei Jahre Galerieleiter

Wir haben in der Sammlung wunderbare Radierungen, Zeichnungen und drei sehr schöne Kleinplastiken von ihm. Er lebt heute in London und ist dort mit seinen Plastiken auch sehr präsent. Wir haben ein paar Male miteinander gesprochen. Solche großen Plastiken über den Kanal zu bekommen, das wäre schon etwas Tolles. Seine Plastiken haben bei aller Hintergründigkeit auch eine sehr starke barocke Opulenz. Insofern würden sie für mich schon sehr gut nach Rastatt passen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir hier in der Fruchthalle seine Kleinplastiken und seine Zeichnungen zeigen und im Außenbereich an einigen markanten Stellen Großplastiken und Bronzen. Darauf hätte ich Lust. Aber wahrscheinlich wird das nur mein Nachfolger machen können, denn ich scheide in zwei Jahren aus. Und bis dahin steht das Programm schon zu zwei Dritteln fest. Aber wenn die Stadt es ermöglicht, eine Abschlussveranstaltung mit mir zu machen, mit großem logistischem Aufwand und natürlich hohen Kosten, dann würde ich nicht nein sagen ... (lacht).

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

St. Leon
Unfall reißt Familie in den Tod

13.02.2018
Unfall reißt Familie in den Tod
St. Leon-Rot (lsw) - Der Verkehrsunfall auf der A5 nahe dem Autobahnkreuz Walldorf (Baden-Württemberg) hat am Montag eine Familie in den Tod gerissen. Nach Angaben der Polizei kamen ein Elternpaar und eine Tochter ums Leben, eine zweite Tochter überlebte (Foto: dpa). »-Mehr
Pyeongchang
Dreßen Neunter - Hirscher Olympiasieger

13.02.2018
Dreßen geht leer aus
Pyeongchang (dpa) - Thomas Dreßen (Foto: dpa) darf bei der olympischen Kombination kurz von einem Medaillen-Coup träumen. Dann aber lässt der Slalom keinen vorderen Platz zu. Als Schnellster der Abfahrt ist er heiß auf die Königsdisziplin - die Deutschen hoffen auf einen Super-Donnerstag. »-Mehr
Gaggenau
Schwimmärmle fürs Geldbad

13.02.2018
Schwimmärmle fürs Geldbad
Gaggenau (tom) - Wohlvertraut ist es, wenn der Fanfarenzug der Grokage die Eröffnung der närrischen Ratssitzung herbeischmettert. Das Badnerlied zum Beginn gehört dann ebenso dazu wie die "Bürgersuppe" am Ende. Dann war aber zunächst mal Schluss mit dem Vertrauten (Foto: Senger). »-Mehr
Bühl
--mediatextglobal-- Edgar Pfeiffer. Foto: privat

13.02.2018
Trauer um Edgar Pfeiffer
Bühl (gero) - Der Bühler Einzelhandel trauert um den bedeutendsten Textilkaufmann in der Geschichte der Stadt: Edgar Pfeiffer. Der gebürtige Schwabe verstarb im Alter von 89 Jahren. Er galt als Visionär und Pionier beim Aufbau eines leistungsfähigen Bühler Einzelhandels (Foto: pr). »-Mehr
Bischweier
Narren-Jubilare in bester Feierlaune

13.02.2018
Narren-Jubilare in bester Feierlaune
Bischweier (fuv) - Mehrerer Jubiläen würdig erwies sich der 33. Rosenmontagsumzug in Bischweier: 80 Gruppen zogen zum 50-jährigen Bestehen des Clubs 68 und zum 22er-Jubi der Narrenzunft Kirschdestorre durchs Kirschendorf, das überdies sein 775-jähriges Bestehen feiert (Foto: fuv). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Deutschland hat das Auftaktspiel in der Fußball-WM gegen Mexiko verloren. Glauben Sie, dass die Mannschaft die Vorrunde übersteht?

Ja.
Nein.
Ich interessiere mich nicht für Fußball.


www.los.de/los-rastatt/lrs/
http://www.freizeitmessen-freiburg.de/
Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen   
1