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Altes Militärareal soll Naturschutzgebiet werden
16.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Markus Koch

Iffezheim - Der 42 Hektar große Niederwald bei Iffezheim wurde bis 1999 von den französischen Streitkräften genutzt. Doch wo die Militärs einst mit Schrotgewehren auf Tontauben feuerten, haben sich ein paar "Lebenskünstler" häuslich eingerichtet. Die 32 zerfallenen Munitionslager werden gelegentlich von Obdachlosen genutzt, Sprayer haben sich an den Wänden verwirklicht. Nun soll sich das Areal in ein Naturschutzgebiet verwandeln.

Nach dem Abzug der Streitkräfte fiel der Niederwald an den Bund. Im Jahr 2012 hat die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) erworben, um es in ein Naturschutzgebiet zu verwandeln. Die Stiftung kauft und entwickelt überregional bedeutsame Naturschutzflächen in ganz Deutschland, um diese für wildlebende Tier- und Pflanzenarten zu bewahren: "Denn selbst in ausgewiesenen Naturschutzgebieten ist die Land- und Forstwirtschaft regelmäßig erlaubt und damit die Gefährdung von wertvollen Lebensräumen durch Holzeinschlag, Pestizideinsatz und hohe Düngemittelgaben alltägliches Geschehen", heißt es auf deren Homepage.

Dieses Ziel soll nun auch im Niederwald verwirklicht werden, jüngst wurde mit dem Abriss der ersten Gebäude begonnen. Das Gelände ist nach wie vor mit einem rund drei Kilometer langen Zaun umgeben, zwei Tore bieten Zugang. Im südlichen Eingangsbereich befinden sich das Offizierskasino, ein Küchengebäude und eine zweigeschossige Truppenunterkunft - beziehungsweise das, was noch davon übrig ist. Vor den Gebäuden stehen große Container, ein Bautrupp ist in einem ersten Schritt mit Entrümpeln beschäftigt. "Die ganzen Räume sind zugemüllt", berichtet der Bauleiter.

Der asphaltierte Weg, der sich durchs Gelände zieht, ist größtenteils zugewachsen. Auf der einen Seite befindet sich ein künstlicher Wall, auf der anderen reiht sich ein Munitionsdepot ans andere. Die Gebäude befinden sich in ganz unterschiedlichem Zustand: Bei etwa der Hälfte fehlen Dach und Teile der Wände, bei der anderen sind noch Reste des Dachs oder dessen Konstruktion zu sehen, teilweise ist auch noch etwas vom einstigen Holzboden vorhanden. Allen gemein ist, dass sich Graffiti-Sprayer verewigt haben.

Das Hügelsheimer Ingenieurbüro Wald und Corbe hat die Anlagen erfasst, Projektsteuerer ist Dr. Peter Jehle: "Auf der Fläche befinden sich 16 Gebäude und 32 Munitionslager beziehungsweise deren Reste." Bis Ende April werde die Abbruchfirma tätig sein und dann eine Pause einlegen müssen wegen der Brutzeit von Vögeln. Ab Oktober gehe es dann den ganzen Winter über weiter.

Die Kosten für den Abbruch der Gebäude und deren Entsorgung beziffert Jehle mit 450000 Euro. In einem zweiten Abschnitt sollen die asphaltierten Wege entfernt werden. Hierfür laufen noch die Ausschreibungen.

Martin Klatt, Geschäftsführer des NABU-Kreisverbands Rastatt, vertritt gewissermaßen den "Hausherrn". Der Diplom-Biologe schwärmt von der Tierwelt im Niederwald: "Es gibt sehr viele höhlenbrütende Vögel, holzgebundene und sandgebundene Insekten - das ist bemerkenswert." Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe habe in den vergangenen Jahren im gesamten Bundesgebiet zahlreiche ehemalige Militärflächen gekauft, um sie zu renaturieren. Und genau das soll auch im Niederwald passieren. Wenn alle Gebäude und Anlagen abgerissen und die Wege entfernt sind, wird zu guter Letzt der Zaun abgebaut. Spazierwege wird es ganz bewusst keine geben, der Wald bleibt sich selbst überlassen. "Das ist hier unten in der Ebene relativ selten", ergänzt Klatt. Zuschüsse von staatlicher Seite gebe es keine, die NABU-Stiftung übernehme alle anfallenden Kosten. Der Naturschutzverband werde beim Regierungspräsidium Karlsruhe den Antrag auf Ausweisung eines Naturschutzgebiets stellen, sobald alle Gebäude entfernt und die Flächen entsiegelt sind.

Der Rundgang geht weiter, im Bereich um den ehemaligen Tontaubenschießstand sind zahlreiche Kiefern in die Höhe geschossen. "Der Iffezheimer Revierförster hat Augen gemacht, als er die vielen kräftigen Bäume gesehen hat", berichtet Klatt mit einem Schmunzeln. Im Gebäude, das zur ehemaligen Schießanlage gehört, haben sich ein paar "Lebenskünstler" häuslich eingerichtet. Ein Bewohner möchte von Klatt wissen, wie lange sie noch hier wohnen dürfen: "Bis zum Oktober können Sie noch bleiben, dann beginnt der Abriss." Wo er dann hingeht, weiß der Bewohner allerdings nicht: "Vielleicht mit dem Kanu auf den Rhein und dann mal schauen, ob nach rechts oder links."

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