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Die Freilichtbühne füllt sich wieder
Das Volk nimmt Aufstellung für die Dorfszene zu Anfang der Operette 'Der Vogelhändler', einem der 'schönsten und schwierigsten Werke', so Regisseur Straube. Foto: Behrendt
04.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Manuela Behrendt

Ötigheim - "Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit ist das erste Gebot", erklärt Regisseur Manfred Straube den Statisten auf dem Tellplatz. Und: "Es gilt, Eure Rollen nicht zu spielen, sondern Eure Rollen zu sein". Dies bewirke beim Betrachter die Reinigung der Seele. "Am Ende geht unser Publikum befreit nach Hause; das ist unser Ziel." Anlass dieser Worte war die erste Volksprobe für die Operette "Der Vogelhändler".

Traditionell nutzt der Ötigheimer Theaterverein den Ostermontag als Start in die Freilichtarbeit. Das mittelalterliche Kastell aus "Luther" mimt mit kleinen Veränderungen durch Bühnenmalerin Bettina Scholzen und Techniker Michael Lerner nun ein kurpfälzisches Jagdschloss.

Carl Zellers Operette spielt Anfang des 19. Jahrhunderts. "Er kritisierte mit dem Musikwerk das System seiner Epoche, hielt der Gesellschaft des beginnenden 18. Jahrhunderts den Spiegel vor; um dafür nicht in die Schusslinie zu geraten, datierte Zeller die Operette ein Jahrhundert vor", erklärt Straube im BT-Gespräch. Als "Paradebeispiel für realistisches Musiktheater" sei das Opus "geradezu ideal" für Deutschlands größte Naturbühne, denn überwiegend spielt die Operette im Freien.

Zeller war ein großer Mozart-Fan, weiß Straube. "Es gibt im ,Vogelhändler' Anspielungen auf Mozart-Opern in Hülle und Fülle; das macht das Werk wertvoll", sagt der Regisseur. Deshalb bedauert er, dass es viel zu oft "dämlich und verkitscht" aufgeführt wurde. Straube steuert in seiner Inszenierung eine werkgetreue Version nach Walter Felsenstein an: beschwingt, humorvoll, opulent. Die Kostüme entwirft Peter Sommerer, Gewandmeisterin Olga Knack setzt das Ganze mit der Kostümschneiderei um. Karl Heinz Kellermann besorgt die Maske.

Mit Pause dauert die Operette voraussichtlich drei Stunden. Die Story verwickelt einen Kurfürsten, dessen Gattin Marie, den Vogelhändler Adam, dessen Braut Christel, den kurfürstlichen Wald- und Wildmeister Baron Weps, seinen Neffen, den Gardeoffizier Stanislaus, den Bürgermeister Schneck sowie die Professoren Süffle und Würmchen in verzwickte Lebensepisoden, die sich am Schluss zu einem glücklichen Ende wenden.

Carl Zeller vertonte die Geschichte mit gefeierten Arien und Chorsätzen. Für die Ötigheimer Aufführungen agieren sieben professionell ausgebildete Sänger in den Hauptrollen sowie 44 hauseigene Rollenträger, die sich in Doppelbesetzung 22 Parts teilen. Zusätzlich mischen mit: 25 "Ballettratten", 90 Statisten, der "Rekordchor" von über 200 Sängern (wir berichteten), zehn Pferde, zwei Gespanne, zwei Esel und eine antike Postkutsche. Für Straube, einen "unglaublich erfahrenen Musiktheaterregisseur" (O-Ton Ulrich Wagner, musikalischer Leiter der Volksschauspiele Ötigheim), sind diese beeindruckenden Zahlen nicht neu. Auf dem Tellplatz inszenierte er sehr erfolgreich "Die Zauberflöte", "Fidelio", "My Fair Lady", "Im Weißen Rössl", "Anatevka" und "Jesus Christ Superstar". Bei der ersten Volksprobe gruppierten sich Statisterie und Chor für die große Dorfszene, mit der "Der Vogelhändler" beginnt. Und apropos "Reinigung der Seele": Ohne technische Mittel sang der Chor die Partie "Jekus, jekus, das ist schwer", untermalt durch erstklassige Soli der VSÖ-Kräfte Reinhard Danner (Baron Weps) und Martin Kühn (Bürgermeister Schneck). Zuhörergenuss pur!

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