http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Der Günther Jauch des Waldes
Küchenwaage, Messbecher und Holzstücke gehören zu den Lehrmaterialien, mit denen Förster Tobias Scholz davon überzeugt, dass wer im Wald Schlagraum macht, eine Menge Wasser heimschleppt.  Foto: H. Heck
05.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Steinmauern - Langsam wird es ruhig in den Wäldern. Schlagraum ist gemacht, das meiste Brennholz abtransportiert. Weil viel Regen den Boden stark aufgeweicht hatte, dauerte dieses Jahr alles ein bisschen länger. Was vielen Holzmachern wohl nicht bewusst ist: Was sie da mit Motorsägen und Äxten zerlegt und nach Hause transportiert haben, ist zu einem großen Teil nichts, was brennt. Es ist das Gegenteil: Wasser!

Über diese Erkenntnis staunten kürzlich die zahlreichen Teilnehmer der Waldbegehung in Steinmauern (wir berichteten). Förster Tobias Scholz, der auch den Gemeindewald von Au am Rhein unter seinen Fittichen hat, krönt die jährlichen Erkundungstouren hier wie dort üblicherweise mit einem Spezialvortrag, immer lehrreich, stets kurzweilig und mit praktischen Beweisen für theoretische Darlegungen gespickt.

Die Neugier seiner Zuhörer pflegt Scholz mit Fragen wachzuhalten. Bürgermeister Siegfried Schaaf verlieh ihm für seine Quizmastertalente den Titel "Günther Jauch des Waldes". Dieses Mal also stand der Wassergehalt von Holz auf dem Programm. Im Bruchwald erfuhren die Teilnehmer, dass die Pappel sommers in Hochform 60 bis 65 Prozent Wasser enthält, Eiche etwa 50 Prozent.

Brennholznutzern galt der Rat: "Trocknen sie ihr Holz sauber". Zu feuchtes Material im Ofen "versottet den Kamin", warnte der Experte. Man handele sich Glanzruß ein.

Ein Exkurs durch die Kulturgeschichte des Holzmachens führte 300000 Jahre zurück. So lange schon "sieht der Mensch ins Feuer" und lasse sich von wohligen Gefühlen umschmeicheln. Woher kommt dieser Hang zu Lagerfeuerromantik, auch daheim im Wohnzimmer?

Scholz gab die Antwort selbst: Flamme und Glut erzeugten dieselbe Infrarotstrahlung wie die Sonne, "man spürt die Wärme im Körper und auf der Haut". Doch zuerst muss das Brennmaterial herangeschafft werden. Heutzutage stapft der Homo sapiens mit Motorsäge bewaffnet ins Dickicht (natürlich nur, wenn der Förster ihm ein Schlagraumlos zugewiesen hat) und setzt mit Geknatter an zum "Ritt auf Teufels Klinge". So betitelte es der Referent wegen des Tempos der scharfen Zacken. Sie rotierten "mit 70 Stundenkilometer". Etwas für richtige Kerle. Seit den Urahnen im Fellschurz sei Holzmachen Männersache. Im 21. Jahrhundert immer noch zu 99 Prozent, konstatierte Scholz fast null Feminismus im Forst. Kern des Vortrags war aber die Frage, wie kriegt man das Wasser aus dem Holz. Am besten geht es mit Esche, sie habe zur Erntezeit im Winter lediglich noch 35 Prozent Wasser. Gutes Lagern sei das A und O der Feuchtigkeitsreduzierung.

Mit einem frischen und einem ausgetrockneten Holzstück, Küchenwaage und Messbecher machte Scholz die Unterschiede anschaulich. Esche zum Beispiel könne über Jahre problemlos im Freien ohne Abdeckung gelagert werden. Eine Unterlage wäre ratsam, zum Schutz vor Bodennässe, die Pilzkrankheiten mit sich bringen könne.

Und bitte beachten: gut spalten, nicht zu stramm stapeln, Luft muss durchströmen können. Am besten ist, wenn der Wind in Faserrichtung bläst. Scholz führte es mit einem Stück Baumstamm vor. Auf eine Schnittseite ein paar Tropfen Spülmittel, von der anderen aus durchblasen. Nach zwei, drei Lungenzügen trat Schaum heraus. "Sind Sie schon in einem Musikverein?", frotzelte jemand.

Wie gut Holzscheite getrocknet sind, kann man beim Betrachten des Feuers sehen. Dampft es arg, ist noch viel Wasser drin. Wenn es raucht, hat bei etwa 350 Grad die Ausgasung eingesetzt. "Lange gelbe Flammen", lassen auf einen noch zu hohen Gasgehalt schließen. "Aber das Holz brennt immer noch nicht", räumte der Förster eine Illusion beiseite. Richtig gemütlich werde es erst, "wenn es blau schimmert". Dann endlich brenne das Holz, Holzkohle entstehe. Welche Temperatur braucht es dafür? Sage und schreibe 500 bis 550 Grad.

So viel Heizenergie will ökologisch intelligent genutzt sein. Mit einer Volksweisheit amerikanischer Ureinwohner verriet Förster Scholz, wie es geht: "Der weiße Mann macht ein großes Feuer und stellt sich weit weg, der Indianer macht ein kleines Feuer und setzt sich dicht davor."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gaggenau
--mediatextglobal-- Blick in eine typische Wiese mit Tiroler Heuhütten. Foto: bor

18.01.2014
Sehenswürdigkeiten im Murgtal
Gaggenau (tr/bor) - Mit der Stadtbahn ist das Murgtal für Naturliebhaber leicht zu erreichen- und somit auch die vielen Sehenswürdigkeiten am Rand der Strecke und den vielen Wanderwegen. Dort beginnen auch zahlreiche Wander- und Rundwege - unter anderem der "Chaisenweg" nach Baden-Baden und die "Murgleiter" (Foto: bor). »-Mehr
Bühl
Weinlehrpfad Neusatz: Durch das Rebgelände des Ralschbachtals

08.01.2014
Weinlehrpfad Neusatz
Bühl (red) - Der zwei Kilometer lange Weinlehrpfad führt durch das Rebgelände des Ralschbachtals. Auf 13 Schildern werden Anbauregelungen, Düngung und allgemein Wissenswertes über den Weinbau in Baden und speziell im Bühler Rebland beschrieben (Foto: pr). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die UEFA vergibt die Fußball-Europameisterschaft der Männer 2024 entweder an Deutschland oder die Türkei. Sollte Deutschland nach der Weltmeisterschaft 2006 erneut Ausrichter sein?

Ja.
Nein.
Die Türkei soll erstmals eine EM ausrichten dürfen.
Ich interessiere mich nicht für Fußball.


https://www.badisches-tagblatt.de/immobilien_der_woche/00_20180426161000_136854598-Immobilie-der-Woche.html
Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen   
1