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Erinnerungen an das "Waaghäusle"
In den 50er Jahren wurde das Malscher 'Waaghäusle' (das kleinere Gebäude, direkt am Bach gelegen) neu gebaut.  Foto: Heimatfreunde Malsch
10.04.2018 - 06:44 Uhr
Malsch (red) - Immer wieder sind die Heimatfreunde Malsch auf der Suche nach Geschichte und Geschichten aus dem Dorf. Und auch an besondere Bauwerke im Ort soll erinnert werden: Etwa an die ehemalige Dorfwaage, die gerade im Zuge der Bachsanierung abgerissen wird. Bis vor Kurzem befand sich in dem Gebäude noch ein China-Imbiss.

In Malsch wurde 1917 die Dorfwaage als "Fuhrwerkwaage" erstellt. In einem einfachen Blechverschlag befand sich die Viehwaage, davor stand die Brückenwaage. Gewogen wurden hauptsächlich landwirtschaftliche Güter wie Holz, Kohle, Obst, Gemüse, Kartoffeln und Getreide - und natürlich Tiere. Für jeden Wiegevorgang wurde eine Gebühr erhoben. Der Wiegemeister war eine Amtsperson und wurde vereidigt. 1948 stellte man fest, dass die vorhandene Brückenwaage vollkommen unbrauchbar geworden war, eine Neuanschaffung wurde vom Eichamt empfohlen. Als dies 1951 immer noch nicht geschehen war, plombierte das Eichamt Karlsruhe die alte Brückenwaage. Für 6950 Mark wurde schließlich Anfang 1952 eine neue Waage bei einer Firma in Ludwigshafen bestellt: Diese Brückenwaage bei einer Brückengröße von acht Metern mal 2,8 Metern war ausgelegt auf eine Tragfähigkeit von 25 Tonnen bei einer Wiegfähigkeit von 20 Tonnen. Neben der Brückenwaage wurde Anfang 1952 auch der Auftrag für die Überholung der vorhandenen Viehwaage mit einer Tragkraft von 1500 Kilogramm erteilt.

Gleichzeitig mit der Bestellung der Brückenwaage wurde Architekt Alois Precechtel beauftragt, ein Waaghaus für die Brücken- und Viehwaage zu planen. Bei der Planung sollte berücksichtigt werden, dass der Neubau so niedrig als nur möglich gehalten wird, um das Ortsbild und die Vorderansicht der Sparkasse nicht zu stören.

Vor Inbetriebnahme der neuen Brücken- und Viehwaage Mitte 1953 wurden 500 erforderliche Wiegekarten bestellt. Viele Nebenerwerbslandwirte gaben ihre Viehhaltung in den 1960er Jahren in Malsch auf. Dies zeigte sich an der Nutzung der Waage. 1991 wurden noch 443 Mark erwirtschaftet, 1992 gab es noch elf Wiegevorgänge, der Erlös sank auf 110 Mark. Deshalb wurde die Waage am 1. Dezember 1992 geschlossen.

Auf der Bachseite des Waaghäuschens befand sich die integrierte Viehwaage. Diese wurde ausgebaut und aufbewahrt, um in einem später zu schaffenden Heimatmuseum an die ländliche Vergangenheit von Malsch zu erinnern.

Ein beliebtes Spiel der Malscher Jugend war das Schaukeln auf der Dorfwaage. Der Waagmeister Wilhelm Holl wohnte in der Fasanenstraße ("Ombertsgass"). Er hatte dieses Amt von 1952 bis 1988 inne. Das Waagenbäude stand nach der Schließung eine Zeit lang leer. Mitte der 90er Jahre wurde darin der erste Döner-Imbiss in Malsch eröffnet. Später gab es noch andere Mieter. Der letzte chinesische Imbiss zog im März 2018 aus. Im Zuge der Baumaßnahme "Hochwasserschutz Bachverdohlung" soll eine Aufwertung des öffentlichen Raums erfolgen. Deshalb muss das ehemalige Waaghäusel abgerissen werden.

In den Erzählungen der älteren Malscher existiert es aber weiter: Wenn etwa Metzger Kühn sein Schlachtvieh gewogen hatte, trieb er es durch die Fasanenstraße zu seiner Metzgerei in der Friedrichstraße (heute Reinigung Duhr). Dort wurden die Tiere geschlachtet. Bei eisigem Winter lief das Blut über die Straße und wurde zu Eis.

Der Holzstand der Viehwaage war fast immer "durchnässt". "Gnitze" Bauern tränkten das zu verkaufende und noch zu wiegende Vieh im heimischen Stall mit Wasser über den Durst hinaus. Das brachte auch Gewicht auf die Waage und führte oftmals beim Wiegevorgang zu dem "feuchten" Viehstand.

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