Neustart im "Lamm" von Lärm begleitet
Friedlich anmutender Anblick: Hinter dem historischen Gemäuer liegt der Saal, den Nachbarn als nervende Lärmquelle empfinden.  Foto: Heck
11.05.2018 - 00:00 Uhr
Durmersheim (HH) - Zwei Jahre etwa war das Gasthaus "Zum Lamm" am Bickesheimer Platz geschlossen. Anfang vergangener Woche wurde es wieder eröffnet. Für den neuen Pächter war die Veranstaltung ein großer Erfolg. Die Besuchermenge war riesig. Etlichen Nachbarn bescherte sie immensen Ärger. Am Mittwoch wurde der Unmut, der auch schon per Unterschriftenliste im Rathaus gelandet war, in die Sitzung des Gemeinderats getragen.

Auf der Tagesordnung stand der Antrag des Lokals auf "Erweiterung der gaststättenrechtlichen Konzession". Vom Landratsamt als Genehmigungsbehörde war die Gemeinde zur Stellungnahme aufgefordert worden. Doch die Angelegenheit wurde vertagt.

Die erteilte Gestattung beinhaltet neben der eigentlichen Gastwirtschaft jährlich bis zu zwölf Veranstaltungen im Saal. Der Betreiber wolle solche aber "14-tägig" durchführen, hieß es in der Erläuterung. Bürgermeister Andreas Augustin stellt einleitend fest, froh zu sein, dass mit der Neubelebung des "Lamms" die dürftige gastronomische Palette in Durmersheim bereichert werde.

Über den Wunsch, die Betriebserlaubnis auszudehnen, könne aber noch nicht entschieden werden. Zuvor müsse mit dem Landratsamt abgestimmt werden, wie die "Immissionsberechnung" dafür aussehen könnte. Augustin berichtete, dass er am Mittwoch noch versucht habe, diese Frage mit der Behörde zu klären. Dies habe aber leider nicht geklappt.

Die Verwaltung sei auf jeden Fall der Meinung, dass die Vorgaben der Technischen Anleitung (TA) Lärm eingehalten werden müssen, um die Nachbarn zu schützen. Sprecher aller vier Ratsfraktionen äußerten sich ähnlich: die Wiedereröffnung sei ein Gewinn für den Ort, für Lärmschutz müsse gesorgt werden. Am Eröffnungsabend ging dieser gründlich schief, wie aus Schilderungen von Ratsmitgliedern und der Anwohner zu schließen war, die in der Bürgerfragestunde ihrem Groll Luft machten.

Von wummernden Bässen der Saalbeschallung war die Rede, von Bierkästen, die mitten in der Nacht auf der Straße mit Getöse verladen worden seien, von Gläsern und Scherben in Vorgärten. Stehtische seien aufs Trottoir befördert, Autoradios aufgedreht worden. Es sei draußen geschrien, gelacht und gejohlt worden bis morgens früh, laut "wie auf einem Schulhof".

Schon bevor die Nachbarn ihre nächtlichen Erlebnisse schilderten, war von Gemeinderäten Ähnliches berichtet und mit teilweise harschen Ausdrücken kommentiert worden. Die Kritik am Ratstisch mischte sich mit Nachsicht. Dem jungen Wirt, der in Muggensturm schon einige Zeit erfolgreich das Schützenhaus führt, wurde Anerkennung für seinen Mut bekundet, im harten Gastronomiegewerbe tätig zu werden.

Es wurde ihm mangelnde Erfahrung mit Veranstaltungen wie jener in der Mainacht zugestanden. Der Bürgermeister vermutete "Blauäugigkeit", gepaart mit "Unkenntnis". In der lebhaft geführten Beratung fand die Anregung eines runden Tisches schnell breite Zustimmung. Augustin sagte zu, die Rolle des Vermittlers zu übernehmen und alle Betroffenen einzuladen. Zudem wurde der Pächter aufgefordert, ein Konzept zur Lärmminimierung vorzulegen. Illusionen gab man sich nicht hin. Beschwerden werde es immer geben. Die Ursachen lägen häufig im Verhalten rücksichtsloser Besucher außerhalb des Lokals.

Unter den rund 20 Zuhörern der Diskussion war auch der Wirt; er meldete sich aber nicht zu Wort. Nach der Sitzung war im Gespräch mit ihm zu erfahren, dass er sich eine einvernehmliche Lösung natürlich sehr wünsche. Die Angabe, er wolle alle 14 Tage eine Veranstaltung machen, treffe nicht zu. Die entsprechende Konzessionserweiterung solle lediglich mehr Spielraum für Terminierungen bieten, aber nicht ausgeschöpft werden. In den kommenden Wochen seien noch zwei oder drei Veranstaltungen vorgesehen, danach sei auf diesem Gebiet Sommerpause.

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