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Der FC Illingen löst sich auf
Seit 1929 jagt man beim FC Illingen dem Ball nach. Bald könnte Schluss sein. Die Mitgliederversammlung hat mehrheitlich die Vereinsauflösung befürwortet.  Foto: : Heck
04.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Elchesheim-Illingen - Der FC Illingen hätte bei seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung am Freitag eine neue Vorstandschaft mit Vorsitzendem, Schriftführer, Kassierer bekommen können. Doch die Mehrheit der Anwesenden lehnte ab. Als Folge daraus wurde beschlossen, dass der Verein sich auflösen soll. Der bisherige Vorsitzende Dieter Kempf, der am Beginn der Zusammenkunft die Möglichkeit gesehen hatte, "doch noch die Kurve zu kriegen", bekam den Auftrag, die erforderlichen Schritte zur Abwicklung einzuleiten.

Dass der Fußball-Club in einer schweren Krise steckt, war schon geraume Zeit ein offenes Geheimnis. Dabei ist rein sportlich betrachtet kein Untergang zu erkennen. Der FCI hat die Runde in der Kreisliga B mit 48 Punkten auf dem sechsten Platz beendet. Was fehlt ist eine mithelfende Anhängerschaft. Das Interesse am Verein werde immer geringer, beschrieb Kempf die Entwicklung. Es gebe immer weniger Bereitschaft, in der Verwaltung und anderen Belangen mitzuarbeiten.

Für die Durchführung von Heimspielen müsse man jedes Mal "händeringend" Helfer suchen, die Zuschauer seien fast "an einer Hand abzuzählen". Er selbst habe sich vor zwei Jahren "noch einmal breitschlagen lassen", als Vorsitzender weiterzumachen, weil sich einfach niemand anderes gefunden habe. Von Kempf war schon lange bekannt, dass er seine Amtszeit nicht abermals verlängern werde. Weil bei der letzten Jahreshauptversammlung kein Nachfolger zu finden war, wurde die außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Zu dieser erschienen 28 von insgesamt 285 Mitgliedern.

Mehr als ein Drittel der Teilnehmer stellte die Mannschaft um Trainer Shefqet Ahmetaj. Er, die Spieler und weitere Mitstreiter waren gemeint, als Kempf mitteilte, dass es Leute gebe, die den FC Illingen "nicht sang- und klanglos untergehen lassen" wollten. Es biete sich die Chance, wieder einen geschäftsführenden Vorstand zu bekommen. Ahmetaj habe sich bereiterklärt, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen. Seinen Trainerposten würde er abgeben. Der Kandidat stellte sich der Versammlung als ausgebildeter Sportlehrer vor. Er stamme aus dem Kosovo, habe es in Deutschland als Fußballspieler bis in die Zweite Bundesliga geschafft, sei als Spieler und Spielertrainer unter anderem bei der DJK in Rastatt tätig gewesen. Ahmetaj erklärte, dass er schon viele Jahre beim FC Illingen ohne Honorar trainiere. Die Mannschaft wolle in Illingen bleiben, drei Aktive seien deshalb auch bereit, in der Verwaltung mitzuwirken. "Aber wir brauchen Eure Hilfe", warb er bei den Altmitgliedern um Vertrauen. Aus deren Reihen wurde ihm "Respekt" und Dank für seine Bereitschaft bekundet, sein guter Wille und der seiner Unterstützer nicht in Abrede gestellt. Ein Zwischenruf, der sich gegen eine Übernahme des Vereins durch "Albaner" wandte, wurde aus den Reihen der langjährigen FC-Mitglieder umgehend zurückgewiesen.

Überhaupt verlief die rund zweistündige Sitzung ruhig und diszipliniert. Es waren alteingesessene Mitglieder, die eine Weiterführung des Vereins für nicht möglich hielten. Mit der Bildung eines neuen Vorstands sei es nicht getan. Um das "Drumherum" eines Vereinslebens zu organisieren, bräuchte es viel mehr. Allein der Unterhalt des Clubhauses sei eine "Riesenaufgabe". Der FC sei nur noch "ein Scherbenhaufen", an dem sich nicht mehr viel flicken lasse. Es sei einfach "Feierabend".

Von anderer Seite wurde an die Skeptiker appelliert, Ahmetaj und seiner jungen Truppe mit Zuversicht zu begegnen. Nur so könne man herausfinden, ob es klappen würde. Dem ausgiebigen Meinungsaustausch folgte die Wahl. Sie verlief holprig.

Es war über den Kandidaten für den Vorsitz abzustimmen. Im ersten Durchgang wurden weniger Stimmen als Wahlberechtigte gezählt.

Die Wiederholung ergab ein Patt von zwölf Ja- und zwölf Neinstimmen bei vier Enthaltungen. Beim dritten Mal wurde geheim abgestimmt, einzeln im separaten Wahlraum. Das Ergebnis: 16 Nein, elf Ja, eine Enthaltung. Die Wahl eines Vorsitzenden war gescheitert. Daraufhin wurde mit wiederum 16 Stimmen der Beschluss zur Einleitung der Auflösung beschlossen.

Am Ende der Versammlung wurden Kempf und der Verwaltung sowie Ahmetaj und den Spielern von Alt-Gemeinderat Hermann Wiegner unter dem Beifall der Anwesenden dafür gedankt, den FC Illingen die letzten drei Jahre am Leben gehalten zu haben und das traurige Finale "mit Anstand" hinzunehmen.

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