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Ein kaum bekannter Global Player
Geschäftsführer Dieter Hollenbach (rechts) und Pressesprecher Dominik Ernst schauen in der Werkstatt bei einer Mitarbeiterin vorbei, die gerade eine elektronische Leitplatte instand setzt. Foto: Hliza
07.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Mirjam Hliza

Malsch - Wenn Mitarbeiter des Unternehmens CTDI erzählen, wo sie arbeiten, ernten sie oft nur fragende Blicke. Zwar ist die Firma, die ihre Europazentrale im Malscher Industriegebiet hat, in ihrer Branche bestens bekannt. Doch in der Öffentlichkeit wissen viele nicht, was Communications Test Design Inc. - dafür stehen die Buchstaben CTDI - eigentlich macht. Einfach gesagt: Das Unternehmen testet mit selbst entwickelten Geräten unter anderem kaputte Netztechnik und Smartphones, repariert diese und übernimmt die komplette Logistik für seine Kunden.

Dass die Arbeit von CTDI so unbekannt ist, freut Pressesprecher Dominik Ernst irgendwie. Denn: "Läuft alles gut, hört man nie von uns", sagt er und lächelt. Dann geht es los mit einem Rundgang durch die Firma. Zuvor zieht sich Ernst einen Mantel, der mit feinen Silberdrähten durchwirkt ist, an. Um seinen Schuh wickelt er ein Band. "Das ist ein Schutz", erläutert er. Oft sei man elektrisch aufgeladen. Stehe man dann neben den elektronischen Geräten, könnten diese beschädigt werden.

Zuerst führt der Weg durchs Zentrallager des Unternehmens. Allein dort lagern mehr als 300000 Baugruppen in Regalen, die bis unter die Hallendecke reichen. Daneben gibt es mehr als 20 Regionallager in Deutschland.

Selbst nachts sind Mitarbeiter auf Abruf bereit, die richtigen Teile herauszusuchen, falls ein Defekt auftritt. Verantwortlich ist CTDI nämlich für all die Technik, die sich in den grauen Verteilerkästen der Telekom befindet. Geht etwas kaputt, repariert das Malscher Unternehmen Baugruppen und -teile. Aber nicht nur um die Instandhaltung kümmert sich die Firma. Sie plant darüber hinaus auch das Netz der Telekom und baut es aus.

Defekte Ware wird in Malsch natürlich auch angenommen, um diese zu reparieren. Das geschieht in der Werkstatt, die sich ebenfalls am Malscher Standort befindet. Viele der Teile, die in der Europazentrale ankommen, sind verdreckt und verbogen. "Die sind eben draußen bei Wind und Wetter", erklärt Pressesprecher Ernst. "Wenn wir sie repariert haben, sehen sie aber wieder aus wie neu."

Nur ein kleiner Teil der Ware kann nicht mehr instand gesetzt werden. "Beyond economical repair" nennt man das bei CDTI. "Das ist wie ein Totalschaden am Auto", verdeutlicht Ernst. Auch die Entsorgung von solchen Geräten übernimmt dann die Firma.

Alle anderen werden jedoch wieder auf Vordermann gebracht. Teilweise müssen die Mitarbeiter in den Werkstätten mit Mikroskopen arbeiten, weil die Teile so winzig sind. "Da braucht man gute Augen. Und Geduld", betont Ernst.

Doch zuvor müssen die Mitarbeiter überhaupt erst einmal herausfinden, was genau kaputt ist. Das sei der größte Aufwand. Dafür hat CTDI zahlreiche Testsysteme entwickelt, die angeben, wo der Fehler bei den Geräten liegt. "Dafür brauchen wir ein großes Know-how", betont Dominik Ernst. Eine Abteilung, die diese Testsysteme entwickelt, findet sich ebenso in der Europazentrale.

800 elektronische Baugruppen am Tag werden so allein in Malsch instand gesetzt. "Ohne Reparatur wären die Baugruppen Müll und müssten verschrottet werden", verdeutlicht Ernst. Der Umsatz betrug in Malsch 80 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Ein Rekordjahr war 2017 für ganz Europa. Der Umsatz betrug insgesamt 413 Millionen Euro.

Doch nicht nur Netzwerktechnik setzt CTDI instand, sondern neben vielen anderen Geräten auch Smartphones. Das Unternehmen ist der größte Reparatur-Partner von Samsung in Europa. Das bedeutet: Geht ein Smartphone von Samsung kaputt und schickt es der Kunde ein, so kommt dieses Gerät zu CTDI, die dann die Reparatur übernimmt. Auch Smartphones anderer Hersteller kann die Malscher Firma reparieren. Dafür hat das Unternehmen automatische Tester entwickelt, die am Ende ein Ergebnis ausspucken, was an dem Handy beschädigt ist - vom Kratzer bis zu Softwarefehlern. "In Korea hat dieser Tester sogar eine Auszeichnung bekommen", blickt Ernst nicht ohne Stolz auf die Eigenentwicklung aus Malsch. Diese Erfindungen könne man nirgendwo kaufen. "Genau das macht uns aus", sagt Ernst. Allein dieser Markt ist riesig. 2018 wird man wohl die Zehn-Millionen-Marke an reparierten Handys in Europa knacken.

Instand gesetzt werden darüber hinaus zahlreiche weitere Produkte. Von einem "gigantischen Wachstumspotenzial" spricht daher CTDI-Geschäftsführer Dieter Hollenbach mit Blick auf eine zunehmend vernetzte Welt mit immer weiteren neuen technischen Geräten. Hollenbach ist von Anfang in Malsch dabei, erlebte den Umbruch von der Firma, die im Jahr 2000 eine Abteilung der Telekom war und dann vom familiengeführten US-Unternehmen CTDI übernommen wurde. "Das war ein Glücksfall für den Standort Malsch und die Beschäftigten", bilanziert Hollenbach. Denn: Seitdem verbuche man jedes Jahr ein zweistelliges Wachstum, hat mittlerweile rund 70 Kunden.

Möglichkeiten zur Expansion

Platzsorgen hat die Firma in Malsch trotzdem keine. Es gebe Möglichkeiten zur Expansion. Schon jetzt ist es der größte Standort der fünf Niederlassungen in Deutschland; 580 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Zudem trägt die Malscher Europazentrale die Verantwortung für 4500 Mitarbeiter in Europa. "Wir haben Land gekauft", erläutert Hollenbach, dass man als Familienbetrieb langfristig denken müsse. Rund 100 000 Quadratmeter sind es, die sich direkt ans jetzige Gelände anschließen. Zu den Aufgaben eines Familienbetriebs gehört für den 54-Jährigen außerdem, zu investieren. Mehr als 100 Millionen Euro waren das bei CTDI in den vergangenen Jahren in Europa, vorwiegend in Deutschland.

Und auch in Personal investiert man. Deshalb bildet der Betrieb, in dem unter anderem Geräteelektroniker, Fachinformatiker oder Programmmanager Arbeit finden, auch aus. Da allerdings wirke es sich manchmal nachteilig aus, dass der Name CTDI eben doch nicht so bekannt sei, im Vergleich zu anderen Arbeitgebern in der Region. Denn viele junge Menschen wollten zu internationalen Konzernen. Eigentlich kein Hinderungsgrund, ebenso eine Bewerbung in Malsch abzugeben. Hollenbach betont: "Ein Global Player sind wir auch."

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