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Traditionsgeschäft schließt seine Pforten
Wieder ein Fachgeschäft weniger in Durmersheim. Foto-Herz hat aufgegeben. Grund sollen Planspiele der Gemeinde gewesen sein.  Foto: H. Heck
07.06.2018 - 00:00 Uhr
Durmersheim (HH) - In den frühen Nachkriegsjahren muss es gewesen sein, als der Durmersheimer Otto Schlick ein Fotogeschäft eröffnete. Es dürfte für die Hardtgemeinde eine Errungenschaft gewesen sein, dass in diesem Metier jemand tätig wurde. Jetzt ist es von der örtlichen Gewerbepalette verschwunden. Schlicks Nachfolgefirma Foto-Herz hat zum 1. Juni "endgültig geschlossen", wie kleine Plakate in den Schaufenstern des ausgeräumten Ladens bekanntmachen.

Vor 40 Jahren wurde Photo-Schlick, wie das Geschäft ursprünglich hieß, von Adolf Herz, einem Branchenfremden, übernommen und umbenannt. Ihm folgte Mitarbeiter und Fotograf Lothar Schulz, der den vom Vorgänger gewählten Firmennamen beibehielt. In der Zeit des dritten Inhabers hat die Branche durch die Digitalisierung einen radikalen Wandel erlebt. Foto-Herz konnte ihm standhalten. Der technische Umbruch ist nicht Ursache der Schließung. Im Gespräch mit unserer Zeitung nannte Schulz andere Gründe. Er habe nicht zumachen wollen.

Der Plan sei gewesen, das Geschäft noch zwei oder drei Jahre weiterzuführen und es dann an eine langjährige Mitarbeiterin, eine Fotografin, zu übergeben. Doch die Umsätze seien zu sehr geschrumpft, gab Schulz zu verstehen. Schuld am Rückgang waren nach seiner Meinung "die Medien". Er meint damit auch Berichte im Badischen Tagblatt. Diese wiederum bezogen sich stets auf Planungen der Gemeinde.

Über das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Post- und Speyerer Straße wurde stets nur aufgrund von Gemeinderatssitzungen, Ratsbeschlüssen und Informationsveranstaltungen berichtet, bei denen es um die Neugestaltung der benachbarten Grasfläche zwischen Ärztehaus und Fröhlichstraße ging. Dieses Projekt begann mit einer Initiative der "Lokalen Agenda", die im Jahr 2011 den Vorschlag machte, aus dem Areal einen "Marktplatz" zu machen.

Einen solchen brauche Durmersheim dringend, wurde damals behauptet. Zwischenzeitlich hat man sich vom "Marktplatz" verabschiedet. Die Fläche wird trotzdem umgestaltet. Noch diesen Sommer soll Spatenstich für den neuen "Hildaplatz" sein, wie das Areal betitelt wird. Schon die Studenten machten 2011 beim Ideenschmieden Tabula rasa mit der Nachbarschaft. Sie skizzierten Planversionen, in denen das Gebäude von Foto-Herz nicht mehr existierte.

Im Gemeinderat war man nicht entsetzt, sondern entzückt. In einer Sitzung im November 2011 lobte man die "pfiffigen Ideen" und "interessante Perspektiven", die Vergrößerung des Platzes bis zur Speyerer Straße stieß auf viel Wohlwollen. Dass das Geschäftshaus in Privatbesitz war, veranlasste niemanden, Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil: Das in den studentischen Gedankenspielen auf Eigentumsverhältnisse keine Rücksicht genommen wurde, sei "nicht unbedingt ein Fehler", meinte damals ein Ratsmitglied.

Und so wurde das Platzkonzept weiterverfolgt. Foto-Herz, der nur Mieter war, spielte nur am Rand eine Rolle. Planer und Gemeinde spekulierten auf einen Abriss, um einen Neubau zu erstellen. Gewünscht ist ein Café. Wie auf einer Piazza in der Toskana solle es werden, schwärmte ein Agenda-Sprecher in öffentlicher Beratung. Als es der Gemeinde gelang, das Gebäude zu kaufen, freute sich der mit dem Platzumbau betraute Architekt wiederholt darüber, endlich "Zugriff" auf das Objekt zu bekommen, ebenfalls bei öffentlichen Präsentationen.

Bürgermeister Andreas Augustin immerhin bremste ihn jedes Mal und beteuerte immer wieder, dass man das Fotofachgeschäft nicht verdrängen werde. Er wünsche, dass es erhalten bleibe, es stelle eine Bereicherung der heimischen Geschäftswelt dar, erklärte das Ortsoberhaupt. Inhaber Schulz haben solche Bekenntnisse wenig genützt. Jede Veröffentlichung zu dem Thema habe dem Geschäft geschadet, kritisierte er. Dass Auslöser der Berichterstattung stets eine Sitzung oder Veranstaltung der Kommune war, stellt er nicht in Abrede. Für die Außenwirkung nicht gerade förderlich dürfte auch gewesen sein, dass die Wohnungen im Haus nach und nach geräumt wurden.

Es sei ein schleichender Prozess gewesen, bei den Kunden habe eine Verunsicherung eingesetzt, so sein Eindruck. "Was, Sie sind noch da?", sei er hin und wieder gefragt worden. Der Umsatzrückgang habe keine andere Wahl gelassen, als die Schließung. Ohne die Planspiele zum Hildaplatz, so seine feste Überzeugung, hätte der Fotoladen weiter existieren können. Um die Absehbarkeit der Entwicklung zu beschreiben, greift Schulz zu einem bitteren Bonmot: "Es ist wie bei dem Bauer, der seiner Kuh das Futter abgewöhnt und sich dann wundert, dass sie eingeht."

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