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Wenn das "Engelberger Echo" am Altrhein erklingt ...
Den 'schönsten Proberaum der Welt' haben sich Markus Gerstner und Doris Merkel ausgesucht: Mit ihren Alphörnern musizieren sie häufig am Altrhein. Foto: Hauptmann
07.06.2018 - 06:53 Uhr
Elchesheim-Illingen (yd) - Leise raschelt das Laub der Pappeln am Illinger Altrhein, die Sonne steht tief, sie wird bald untergehen. Ab und zu schimpft eine Gans - und über allem liegt der samtige Klang von zwei Alphörnern. Moment mal! Alphörner? Am Altrhein? Da passt doch was nicht!

"Also wir finden, das passt sehr wohl", meint Doris Merkel aus Elchesheim-Illingen und lacht. Wo sie recht hat, hat sie recht: Der sanfte, leicht melancholische Klang des "Hirtenhorns", wie es im Rest von Europa bezeichnet wird, unterstreicht die Abendstimmung am Altrhein ganz hervorragend. Findet auch eine Radfahrerin, die gerade vorbei kommt und stehenbleibt, um dem spontanen Platzkonzert zu lauschen.

Aufmerksamkeit erregen Doris Merkel und Markus Gerstner auf jeden Fall. Kaum einer, der nicht anhält, wenn sie ihre imposanten, 3,60 Meter langen Instrumente auspacken. "Die meisten fragen, ob wir irgendwo ein Kässle stehen haben", meint Merkel lachend. "So was haben wir aber nicht. Wir machen das hier doch vor allem, weil es so einen riesigen Spaß macht. das Musizieren mit dem Alphorn ist reinstes Seelenbalsam." Den "herrlichsten Probenraum" der Welt hätten sie hier, meint die Elchesheim-Illingerin, während sie auf den Altrhein blickt. "Das Echo hier ist bezaubernd." An lauen Frühlings- und Sommerabenden sind Merkel und Gerstner öfter hier am Damm anzutreffen, aber auch am Rhein in Plittersdorf kann man ihnen begegnen. "Bei Regen weichen wir manchmal in die Grillhütte hier in Illingen aus." Dreimal die Woche treffen sie sich unter freiem Himmel zum gemeinsamen Musizieren.

Zum Alphorn haben die beiden unabhängig voneinander gefunden - der Weg dorthin war aber ähnlich. Sowohl Merkel als auch Gerstner sind, was die Blasmusik betrifft, keine unbeschriebenen Blätter. Beide machen seit Jahren Musik im Verein: Merkel beim Musikverein Forchheim, Gerstner beim Musikverein Mörsch. Während Doris Merkel Waldhorn spielt und auch mit den Parforcehornbläsern Baden seit Jahrzehnten musiziert, spielt Markus Gerstner laut eigenen Aussagen: "So ziemlich alles, was mit Blech zu tun hat. Momentan Posaune."

Apropos Blechblasinstrumente: Zu denen zählt das Alphorn übrigens auch - und das, obwohl es komplett aus Holz gefertigt ist. Selbst das Mundstück, das dem eines Tenorhorns oder eines F-Horns ähnelt, ist aus Holz.

Bei einem gemeinsamen Konzert der beiden Rheinstettener Musikvereine haben Merkel und Gerstner sich kennengelernt und ihre gemeinsame Leidenschaft fürs Alphorn entdeckt. "Mein ehemaliger Musiklehrer hat mich damals quasi genötigt, ihm das Alphorn abzukaufen. Er konnte es nicht mehr spielen und hatte es einst in der Schweiz gekauft", erinnert sich Merkel. Also doch: Die Schweiz, das Land, aus dem die Alphörner kommen, oder?

"Falsch", sagt Gerstner, der sein Horn in Lahr eigens hat anfertigen lassen: "Weil dieses tolle Instrument mich schon immer fasziniert hat." Die Schweizer können sich zwar auf die Fahnen schreiben, die Alphörner zu weltweiter Berühmtheit geführt zu haben, gespielt wurde dieses Instrument aber zuvor schon in ganz Europa - vor allem von Hirten oder von Menschen, die einfachen landwirtschaftlichen Berufen nachgingen. Solche Hirtenhörner, allesamt aus Holz oder Rinde gefertigt, gab es nachweislich nicht nur in den Alpen, sondern auch in den Karpaten und in Skandinavien. Die Hörner wurden als Signalinstrument verwendet - vermutlich hat das Alphorn deshalb auch keine Ventile oder einen Zug: Die Töne, die damit erzeugt werden, entstammen alle der sogenannten Naturtonreihe; Höhe und Klang werden vom Musizierenden mit den Lippen erzeugt. Vom Klang her ist das Alphorn mit fast keinem anderen Blechblasinstrument zu vergleichen - "das Tenorhorn kommt ihm vielleicht am nächsten", meinen die beiden Musiker.

Doris Merkel und Markus Gerstner zeigen, wie es geht - die meisten der Alphornstücke haben einen langsamen, getragenen Charakter, einige beinhalten aber auch Sechzehntelnoten: "Eher was für Fortgeschrittene", sagt Gerstner. Neben den "klassischen Alphornstücken" wie dem "Engelberger Echo" oder "Uf der Rossweid" steht heute aber auch "Am Altrhein" auf dem Programm: Markus Gerstner hat das Stück selbst geschrieben - und in der Tat passen die sanft rauschenden Pappelwälder, die Gänse, das glitzernde Wasser und die tiefstehende Sonne mindestens genau so gut zum samtigen Alphornklang wie saftige Bergwiesen, Kühe, schneebedeckte Gipfel und schroffe Felshänge.

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