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Bohrprogramm auf Hochtouren
08.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Es rattert, schlägt, brummt und vibriert wieder in Niederbühl: Die Bohrungen rund um die Schadensstelle der Bahntunnelhavarie, anhand derer man sich weitere Aufschlüsse zu den Ursachen des Unglücks vom vergangenen August erhofft, haben nun direkte Anwohnerbereiche erreicht. Mitte Mai hat das Bohrprogramm begonnen, Ende Juli soll es fertig sein. Parallel dazu werden rund um das künftige Süd-Portal des Tunnels planmäßig jene Arbeiten fortgesetzt, die in offener Bauweise erfolgen.

"Wir wollen das schnellstmöglich durchziehen", betont Projektingenieur Holger Müller bei einem Vor-Ort-Termin mit Blick auf ein Kernbohrgerät, das derzeit direkt an der Grenze zu einem Anwohnergarten seine lärmende Aufgabe erfüllt - einen Bohrkern in die Tiefe rammen und Erdreich herausholen, das in Kisten gefüllt und in ein Lager gebracht wird, wo es von Geologen untersucht und protokolliert wird. Proben davon werden zudem zur Auswertung ins Labor geschickt. Obwohl bereits im Vorfeld des Tunnelbaus "intensive Bohrungen" für die geologischen Gutachten ausgeführten worden seien, die dann auch mit zur Entscheidung beitrugen, welche Vortriebsmethode man wählte: Die neuerlichen Ergebnisse sollen weitere Hinweise liefern, um der Havarieursache auf die Schliche zu kommen - oder Bestätigungen zu finden.

Insgesamt sind auf einer Länge von rund 300 Metern um die Schadensstelle 60 Bohrungen vorgesehen, von denen in diesem Zuge neun zu Grundwassermessstellen ausgebaut werden, an denen sich künftig Pegel sowie chemische Zusammensetzungen (wie PFC) im Wasser feststellen lassen. Je nach Tiefe - maximal 25 Meter - dauern die einzelnen Bohrungen zwei bis vier Tage, vier Geräte sind dafür im Einsatz, von Montag bis Freitag zehn Stunden am Tag. Strapazen für direkte Anwohner, wie man bei der Bahn weiß - wenigstens sind die Nächte (gebohrt wird je nach Schicht frühestens ab 7 bis spätestens 19 Uhr, so Müller) und das Wochenende "frei". Weiter drin im Ort ist von den Arbeiten längst nicht so viel zu bemerken wie beim Tunnelbau und den anschließenden Reparaturen.

Was die Niederbühler derweil bewegt, wie Ortsvorsteher Klaus Föry weiß: Warum wird angesichts von geschätzten rund zwei Jahren Verzögerung bis zur Fertigstellung des Tunnels die Auto- und Fußgängerbrücke über die Rheintalbahngleise, die Niederbühl künftig (wieder) mit der Sporthalle, dem Münchfeld dem Reisigplatz und Naherholungsgebiet Wald verbindet, in der Zwischenzeit nicht schon gebaut? Noch in der Planung und Abstimmung, heißt es. Wird auch garantiert die Fußgängerunterführung zur Sporthalle wieder hergestellt? Man plane, man prüfe, aber habe noch nichts Schwarz auf Weiß festgehalten.

"Sibylla Augusta" 2019 wieder im Einsatz?

Ebensowenig Neues gibt es zur Ursache selbst, zur Schadenshöhe oder zum weiteren Vorgehen unter der Erde. Bahnmitarbeiter verweisen auf das laufende Schlichtungsverfahren, das noch bis mindestens Ende des Jahres läuft. Eine im April veröffentlichte private Studie bezifferte den volkswirtschaftlichen Schaden auf mehr als zwei Milliarden Euro. Auch dazu könne man keine Stellung nehmen, die Summe sei noch nicht ermittelt. Wann und wie die einbetonierte Unglücksmaschine aus der Oströhre wieder herausgeholt wird, stehe noch nicht fest. Und der Weiterbau der Weströhre ist wiederum abhängig vom Ergebnis der Ursachenforschung und des Verfahrens. Laut Projektleiter Jürgen Kölmel geht man indes davon aus, dass die vor der Rheintalbahn geparkte Vortriebsmaschine "Sibylla Augusta" im kommenden Jahr wieder Fahrt in der Weströhre aufnimmt, möglicherweise begleitet von zusätzlichen Maßnahmen.

Derweil ruht die Baustelle nicht. Südlich der Rheintalbahngleise wird die Reststrecke bis zu den Portalen in offener Bauweise ausgeführt. Bereits hergestellt ist das sogenannte Sonic-Boom-Bauwerk am Ausgang der Oströhre, an der Weströhre wird noch daran gebaut: rechteckige Aufsätze auf dem Tunneldach, durch das die Luft entweichen kann, die ein Zug im Tunnel vor sich herschiebt - dem Knalleffekt, der beim Austritt entstehen würde, wird dadurch entgegengewirkt. Von dort aus führt die offene Rampe weiter an die Erdoberfläche: Auf einer Länge von 900 Metern werden dabei 15 Meter Höhenunterschied ausgeglichen.

Weniger im Blick der Öffentlichkeit: Die Arbeiten am Nordportal bei Ötigheim. Dort werden rund 50 Meter Tunnel in offener Bauweise hergestellt. Die ersten Betonierarbeiten für den Tunnelboden sind bereits gelaufen.

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