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Meilenstein im Kampf gegen PFC
Olaf Kaspryk, OB Hans Jürgen Pütsch und Ortsvorsteher Bertold Föry (von links) im neuen Anbau des Wasserwerks mit seiner Filteranlage.  Foto: Vetter
09.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Aufatmen in Rastatt: Die Barockstadt ist nicht mehr allein vom Wasserwerk Ottersdorf abhängig. Nach fünf Jahren Zwangspause ist gestern das für etwa 3,9 Millionen Euro umgebaute und mit modernster Filtertechnik ausgestattete Wasserwerk Rauental wieder offiziell in Betrieb gegangen. Im Juli 2013 war es nach dem Fund von perfluorierten Chemikalien (PFC) im Grundwasser vorsorglich stillgelegt worden.

OB Hans Jürgen Pütsch erinnerte nochmals daran, wie den Rastattern dadurch vor Augen geführt worden war, wie schnell eine als sicher geglaubte Versorgung mit Trinkwasser wegbrechen kann. Insgesamt haben die Star-Energiewerke seither über acht Millionen Euro in den kompletten Umbau der Wasserversorgung investiert. Zum Maßnahmenbündel gehörte auch die Schaffung einer interkommunalen Verbindung mit dem Versorgungsnetz der Stadtwerke Gaggenau. Seither kann man sich im Notfall gegenseitig mit Trinkwasser aushelfen.

Die Aufrüstung des Rauentaler Werks mit effizienter Filtertechnik gilt als derzeit zentralstes Element im Kampf gegen PFC. Fast drei Jahre lang, so Star-Energiewerke-Geschäftsführer Olaf Kaspryk, habe man mit dem Technologiezentrum Wasser als Entwicklungspartner recherchiert, getestet und geplant, was jetzt realisiert worden sei - "eine Anlage, die über Rastatt hinaus Beachtung" finden werde: Vier riesige Aktivkohlefilter - jeder bei drei Metern Durchmesser sieben Meter hoch -, die nicht nur PFC, sondern auch andere Schadstoffe aus dem Wasser entfernen können, zudem eine Vorrichtung, mit der das Material automatisch abgesaugt und der Filter neu befüllt werden kann. Im Werk Niederbühl, das so hoch belastet ist, dass eine Wiederinbetriebnahme selbst mit Filtertechnik noch undenkbar ist, waren zuvor entsprechende Versuchsreihen gelaufen; nach dem im Februar aufgenommenen Probebetrieb in Rauental können dort künftig wieder bis zu 6000 Kubikmeter Trinkwasser täglich gefördert werden. Aktuell läuft es auf halber Kraft.

Als "Meilenstein" (OB Pütsch) und "Leuchtzeichen" (Erster Landesbeamter Dr. Jörg Peter) wurde die Erneuerung des 1902 erstmals eröffneten Werks gestern gefeiert - und doch ist man nicht am Ende angelangt. Man geht davon aus, dass Teile der driftenden PFC-Fahne im Grundwasser "in naher Zukunft" am Wasserwerk Ottersdorf ankommen, so Kaspryk. Durch die Fertigstellung in Rauental könne man aber in Ruhe überlegen, welche Maßnahmen im Ried ergriffen werden sollen. Auf dem Grundwassermodell basierende Überlegungen zielen darauf, dort eventuell einen neuen, vierten Brunnen zu schlagen. Zunächst jedoch startet man im Herbst "als erster deutscher Wasserversorger" mit der Bestimmung der Wassergüte in Echtzeit per Online-Messung.

Der Kampf gegen PFC hat seinen Preis; neben den erforderlichen Investitionen schlagen rund 250000 Euro jährliche Betriebskosten für die neue Filteranlage zu Buche. Auch wenn man damit hadert - für das kommende Jahr werden sich die Rastatter nach 2017 ein weiteres Mal auf eine Gebührenerhöhung einrichten müssen, wie gestern angekündigt wurde, vermutlich zwischen zehn und 15 Cent pro Kubikmeter. Erneut wurde in diesem Zusammenhang daher die "große" Politik angerufen. Rastatt sei seiner Verantwortung gerecht geworden, betonte OB Pütsch und forderte Solidarität ein. Immerhin handele es sich hier um ein Problem, das andere geschaffen haben - die flächenmäßig größte PFC-Belastung Deutschlands. Er lud Landes-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) ein, sich vor Ort anzuschauen, was hier in Sachen Versorgung geleistet worden sei.

Auch Kaspryk kritisierte, dass in Sachen Sanierung und Schutz der Ressource Grundwasser jahrelang nichts Entscheidendes passiert sei. "Wie wäre es mit einer Aufwandsentschädigung für jedes Gramm PFC, das wir aus dem Wasser ziehen"?, fragte er in Richtung Landesregierung nach einer Beteiligung und kündigte an, in der Sache nicht locker zu lassen.

Grünen-Landtagsabgeordneter Thomas Hentschel versprach, nochmals bei Untersteller vorzusprechen.

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