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Was es bedeutet, eine Frau zu sein
'Wir sind Mädchen der einen Welt' heißt das Projekt, an dem sich junge Frauen mit und ohne Fluchterfahrungen beteiligen. Ihr Theaterstück würden sie gerne auch Schülern vorstellen.  Foto: Schlögl
16.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Xenia Schlögl

Rastatt - Neun junge Frauen und Mädchen mit und ohne Fluchthintergrund zeigen in einem berührenden Theaterstück, was es bedeutet, die eigene Kindheit hinter sich zu lassen und zur Frau zu werden. Trotz unterschiedlicher Herkunft und kultureller Unterschiede beschäftigen sie die gleichen Fragen, Ängste und Hoffnungen. Ihre Stimmen finden in dem von Jacqueline Frittel inszenierten Theaterstück "Was bedeutet es, eine Frau zu sein?" Gehör.

Uschi Böss-Walter vom Verein Feuervogel und Initiatorin des Projekts "Wir sind Mädchen der einen Welt" freute sich über einen voll besetzten Zuschauerraum im Kellertheater zur Premiere des Stücks. "Wir wollen Impulse geben, Stärke vermitteln", so Böss-Walter in ihrer Begrüßung. Die Mädchentheatergruppe als nachhaltiges Integrationsprojekt solle die Potenziale der Mädchen nutzen und die interkulturellen Themen wie Pubertät und Liebe in Szene setzen.

Neun bunte Boxen stehen auf dem Theaterboden. Sie tragen Begriffe, die mit Frauen in Zusammenhang gebracht werden. Belastbar, Sexobjekt, Unsicherheit, Schönheit, kämpfen, sich kümmern, Schmerz, Verzweiflung, Willensstärke.

Das Publikum taucht in kurzen gespielten Szenen in den Alltag der jungen Protagonistinnen Anna (Rosa Rohrer) und Aziza (Suham Alshalal) ein. Im Hintergrund erklärt eine Darstellerin die Geschehnisse. Beide sind gleich alt, am selben Tag geboren, in unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen.

Es ist Montagmorgen, Anna wird von ihrer Mutter geweckt. Frühstücken, anziehen, Nachmittagstermine für Hobby und Nachhilfe checken, zur Schule gehen. Am liebsten würde Anna den Tag im Bett verbringen. In Afghanistan bereitete Aziza jeden Morgen das Frühstück für ihren Vater zu, hier in Deutschland hat sie dafür keine Zeit. Sie muss sich um ihre Geschwister kümmern. Der Schultag beginnt früh, eine neue Klasse, neue Mitschüler, eine neue Sprache. Es gibt kein Wort im Afghanischen für Hobby. Theaterpädagogin Jacqueline Frittel arbeitete seit September 2017 zusammen mit den jungen Frauen und Mädchen im Alter von zwölf bis 20 Jahren an der Umsetzung des Stücks. Zusammen mit den Hauptdarstellerinnen brachten sich Charlotte Daniel, Mayya Savelyeva, Mosaya und Sabilia Razawi, Marika Raisch, Selma Glatt, Zazou Hassouna in die Geschichten mit ein. Die Szenen weisen autobiografische Züge auf, wurden aber teilweise zum Schutz der Mädchen verfremdet.

Die zumeist jugendlichen Zuschauerinnen können Gemeinsamkeiten mit den Darstellerinnen auf der Bühne erkennen: das große Thema Jungs, der Druck in den sozialen Medien, die sexualisierte Sprache, die Körperlichkeit, die Erwartungshaltung von verschiedenen Seiten, das Ausgegrenztsein. Der Gedanke der Solidarität unter den jungen Frauen keimt auf.

Am Ende ihrer Darbietungen erhalten die Darstellerinnen zu Recht viel Applaus. Ein interessanter Gedankenaustausch im Anschluss findet zwischen Zuschauern und Theatercrew statt. Es fällt die Aussage, man würde sich wünschen, dass die Papas und die Brüder der muslimischen Mädchen das Stück sich anschauen sollten. Eine Frau zeigt sich verwundert über die sexualisierte Sprache der Jugendlichen untereinander. Theaterpädagogin Frittel bestätigt diese Entwicklung und rät, auf den sprachlichen Gebrauch von sexualisierten Begriffen zu achten. Eine der Darstellerinnen beklagt männliche Anmache, wenn sie einen Minirock trage.

Eine Frage zielt auf die Unterstützung der muslimischen Eltern für dieses Projekt ab. Frittel räumt ein, dass zwei junge Mädchen auf Druck der Familien mit der Theaterarbeit aufhören mussten. Frittel und Böss-Walter würden es begrüßen, wenn Schulen auf sie zukämen, damit das interkulturelle Theaterstück in den Aulen nochmals gespielt werden könnte. Nähere Informationen im Internet.

www.feuervogel-rastatt.de

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