http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Zahl der Gefährdungsmeldungen stark angestiegen
Zahl der Gefährdungsmeldungen stark angestiegen
27.06.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (yd) - Die Zahl der sogenannten Inobhutnahmen (ION) ist im vergangenen Jahr im Landkreis Rastatt deutlich angestiegen. Gemeint sind damit die Fälle, in denen das Jugendamt unverzüglich handeln muss, weil das Wohl von Kindern innerhalb ihrer Familie akut gefährdet ist. "Ein schwieriges und emotionales Aufgabenfeld", wie Landrat Jürgen Bäuerle am Montag im Rahmen der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags betonte.

Deutlich mehr "Gefährdungsmeldungen" - nämlich 543 Stück - als in den Vorjahren sind 2017 beim Jugendamt eingegangen. Das heißt, die Jugendlichen selbst, aber auch Schulsozialarbeiter, Nachbarn, Kinderärzte, Lehrer oder Erzieher haben bei offizieller Stelle gemeldet, dass ein Kind in seinem Zuhause bedroht ist. Zum Vergleich: 2016 gingen 428 solcher Meldungen ein. Lediglich zehn Prozent dieser Fälle erwiesen sich nach einer sofortigen Überprüfung durch die Mitarbeiter des Jugendamts als gegenstandslos - eine recht geringe Zahl, wie Klaus Kaiser, Leiter des Sachbereichs Soziale Dienste des Landratsamts Rastatt sagte. 60 Prozent der betroffenen Familien haben nach der Überprüfung einen Beratungsbedarf, es kam aber nicht dazu, dass das Amt die Kinder in Obhut nahm. Diese Beratungen können auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen werden. In einigen Fällen könne man zunächst eine familieninterne Lösung finden - etwa, dass das Kind für eine gewisse Zeit bei der Oma wohne, so Kaiser.

Aber in vielen Fällen müsse man die Kinder auch tatsächlich in Obhut nehmen: Im vergangenen Jahr waren es erstmals über 70 Kinder und Jugendliche im Landkreis Rastatt - 2016 gab es 50 Inobhutnahmen.

Die meisten Gefährdungsmeldungen bezogen sich auf Jugendliche zwischen 13 bis 17 Jahren, Mädchen waren häufiger betroffen als Jungen. Kaiser berichtete aber auch vom Fallbeispiel eines zweijährigen Kinds - die Nachbarn hatten sich beim Jugendamt gemeldet, weil die Rollläden stets heruntergelassen waren und man vermutete, dass die Mutter Drogen konsumiert. Ein Verdacht, der sich bestätigte: Beim Eintreffen der Mitarbeiter des Jugendamts am frühen Nachmittag lagen die unter Drogen stehende Mutter und das weinende Kind noch im Bett, in der Küche fanden sich Drogen-Utensilien, der Kühlschrank war leer. Das Kind wurde bei einer Pflegefamilie untergebracht. Die Mutter stimmte zu, sie fühlte sich mit der Pflege überfordert.

Eine Inobhutnahme sei ein Mittel, um Kindern und Jugendlichen schnell Schutz zu bieten, erklärte Kaiser den Mitgliedern des Ausschusses. Sie sei allerdings nur ein vorläufiges Instrument. Widersprechen die Eltern der ION, so gelte es zunächst die Gefährdung abzuwenden und die akute Konfliktsituation zu "entschärfen" - etwa durch eine entsprechende Therapie oder vermittelnde Gespräche. Über die Fälle, wo eine Rückkehr ins Elternhaus nicht möglich oder zu gefährlich wäre, entscheidet anschließend das Familiengericht. 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen wurden 2017 nach der ION in einem Heim oder bei Pflegefamilien untergebracht.

Die Suche nach solchen Unterkünften wird laut Kaiser immer schwieriger - deshalb habe sich auch die Verweildauer in der Inobhutnahme auf im Schnitt mehr als vier Wochen erhöht. Woher die Zunahme um 25 Prozent bei den Gefährdungsmeldungen im vergangenen Jahr herrührt, ist laut Kaiser auch für die Fachleute schwer zu deuten. "Die Sensibilisierung in diesem Bereich hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen", so Landrat Bäuerle. Die Menschen seien aufmerksamer, was ihr Umfeld betrifft und scheuten sich weniger, bei einem Verdacht das Jugendamt zu kontaktieren. Dass dennoch relativ wenige Babys und Kleinkinder betroffen sind, wird als gutes Zeichen gewertet: Hier würden die niedrigschwelligen Frühen Hilfen Erfolg zeigen.

Aus dem Ausschuss kam nach Kaisers Vortrag die Frage nach der regionalen Verteilung der Fälle auf. "Die Stadt Rastatt stellt hier einen Schwerpunkt dar", sagte der Sachbereichsleiter. Etwa 30 der rund 70 Fälle hätten sich 2017 hier ereignet.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Bühl
--mediatextglobal-- Die Zumba-Gruppe des SV Vimbuch macht auf ihr Angebot aufmerksam. Foto: Feuerer

26.06.2018
Sammlerstücke und Sportwagen
Bühl (jure) - Das Vimbucher Dorffeschd war Anziehungspunkt für viele Ausflügler. Zahlreiche Radler legten einen Stopp ein, um durch die Ortsmitte zu flanieren und das Angebot zu genießen. Damit wurden die Vereine für den etwas schleppenden Samstagabend entschädigt (Foto: jure). »-Mehr
Rastatt
Geballte Investitionen am Ortseingang von Ottersdorf

26.06.2018
Investitionen in Ottersdorf
Rastatt (ema) - Es geht was in Ottersdorf: Die Sanierung der Turn- und Festhalle und des Platanenplatzes kann man als Vorboten noch größerer Entwicklungen sehen. Denn im nächsten Frühjahr soll mit der Erweiterung der angrenzenden Kindertagesstätte begonnen werden (Foto: ema). »-Mehr
Karlsruhe
Missbrauchsprozess: Angeklagter wollte Kind ´aufschlitzen´

25.06.2018
Angeklagter wollte Kind "aufschlitzen"
Karlsruhe (lsw) - Im Freiburger Missbrauchsprozess soll der Hauptverdächtige den Partner der Mutter des heute neunjährigen Kindes gefragt haben, ob er es vergewaltigen und danach töten könne. Der 44-Jährige hätte davon gesprochen den Jungen "aufzuschlitzen" (Foto: dpa). »-Mehr
Bühl
--mediatextglobal-- Nicht Leistung zählt, sondern Spaß an der Bewegung. Alle Altersklassen gehen im Jahnstadion an den Start.  Foto: Haas

25.06.2018
Lauf-Aktion im Jahnstadion
Bühl (ha) - Pünktlich um 13 Uhr fiel im Jahnstadion der Startschuss zur Aktion "Die bewegte Stadt", zu dem neben Oberbürgermeister Hubert Schnurr auch die Sportler des TV Bühl ihre Laufeinheit begannen. Insgesamt engagierten sich 267 Sportbegeisterte (Foto: Haas). »-Mehr
Baden-Baden
--mediatextglobal-- Gut beschirmt: Als Freilichtaufführung wird ´Don Karlos´ von Friedrich Schiller auf dem Marktplatz geboten. Foto: Sauter-Servaes

25.06.2018
Vorfreude auf Theatersaison
Baden-Baden (fasa) - Im Rahmen einer Matineeveranstaltung stellte das Teater Baden-Baden am Sonntag kommende Produktionen vor und lieferte damit einen Vorgeschmack auf die kommende Spielzeit mit Klassikern und Uraufführungen (Foto: Sauter-Servaes). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Bundesregierung die hohen Mietkosten dämpfen, die viele Bürger besorgen. Fürchten Sie, sich in Zukunft Ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können?

Das ist schon der Fall.
Ja.
Nein.
Ich bin in keinem Mietverhältnis.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1