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Staatsanwalt: Kein Tötungsvorsatz
Staatsanwalt: Kein Tötungsvorsatz
30.06.2018 - 00:00 Uhr
Durmersheim/Baden-Baden (mo) - Es ist ein Prozess, in dem sich das Hauptaugenmerk auf den Punkt der Anklage richtet, dass ein Mensch in Durmersheim noch lebend begraben wurde. Am Donnerstag endete vor dem Landgericht Baden-Baden der fünfte Verhandlungstag mit den Plädoyers. Das Urteil wird am 9. Juli erwartet.

Während der 29-jährige Algerier zu den Vorwürfen schwieg, war der mitangeklagte 18-jährige Deutsche aussagewillig. Doch dass dieser es mit der Wahrheit nicht so genau nahm, auch zur Lüge griff, davon zeigte sich Oberstaatsanwalt Michael Leber überzeugt. Erhebliche Zweifel blieben, dass im Juni 2017 der damals 17-Jährige gezwungen wurde, bei der makaberen Bestattung mitzumachen. Dass er selbst gefesselt wurde, sei gelogen. Und auch die Behauptung, später massiv bedroht worden zu sein, damit er schweige, sei "blanker Unsinn". Vielmehr hätten beide auch nach der Tat weiterhin ihre Kontakte gepflegt und zusammen gekifft. Auch dass das Opfer eine halbe Stunde lang, wie behauptet, vom 29-Jährigen geschlagen, getreten und gequält wurde, passe nicht zu den bei der Obduktion nachgewiesenen Verletzungen.

Der Staatsanwalt glaubte jedoch dem 18-Jährigen, dass man davon ausging, dass der nach einem Streit am Boden Liegende nicht mehr lebt. Ein Tötungsvorsatz könne keinem der beiden nachgewiesen werden. Nicht erkannt zu haben, dass das Opfer noch am Leben ist, sei nicht der Vorwurf. Eine solche Fehleinschätzung könne jedem passieren. Doch niemand würde in einer solchen Situation beschließen, einen regungslosen Körper einfach im Erdreich zu verscharren, anstatt Hilfe zu rufen. Beide hätten sich damit der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht.

Ein weiterer Tatkomplex spielte im Drogenmilieu. Beim Kauf von Cannabis nicht bedient worden zu sein, habe das Duo veranlasst, unter Mitführung eines Messers erneut Stoff zu fordern, ohne dann zu bezahlen. Der Dealer sei gar zur Hausgabe seines Geldbeutels gezwungen worden.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, fahrlässiger Tötung, schwerer räuberischer Erpressung, jedoch in einem minder schweren Fall, sowie Erwerbs von Betäubungsmitteln forderte der Vertreter der Anklage beim 29-Jährigen eine Haftstrafe von sechs Jahren.

Beim Mitangeklagten, zur Tatzeit 17-Jahre alt, komme Jugendstrafrecht zur Anwendung. Wegen fahrlässiger Tötung, Abgabe und Erwerb von Betäubungsmitteln, einem minder schweren Fall der räuberischen Erpressung sowie wegen Beleidigung von Gefängniswärtern in der derzeitigen U-Haft hielt er eine Jugendstrafe von vier Jahren für notwendig. Er bescheinigte dem 18-Jährigen eine deutliche Unreife und ein erhebliches Gewaltpotenzial.

Die Verteidiger äußerten in dem "komplizierten Fall" Bedenken, dass sich beide durch ihre Sorgfaltspflichtverletzung der fahrlässigen Tötung schuldig machten. Beim Hauptangeklagten hielt der Anwalt eine Freiheitsstrafe im Bereich von drei Jahren für ausreichend. Für den Verteidiger des 18-Jährigen hatte dieser zur Auffindung der Leiche und damit zur Aufklärung des Falles beigetragen. Er hielt nur eine Verurteilung wegen zweier Drogendelikte und Beleidigung für gerechtfertigt und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten.

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