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Ein Buchkunstwerk für die Künstlerwerkstatt
Ein Buchkunstwerk für die Künstlerwerkstatt
04.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Die Buchschätze in der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium sind nicht nur wunderbare Kunstwerke, sondern dienten in früheren Jahrhunderten durchaus als Arbeitsmaterialien. Manches Exemplar trägt Spuren einer bewegten Vergangenheit. Das gilt zum Beispiel für eine schöne Sammlung von Architekturdarstellungen aus dem Jahr 1593.

Wendel Dietterlins "Architectura und Ausstheilung der 5 Seuln" lenkt die Blicke auf sich. Besonders wegen seiner detailverliebten Abbildungen von verschiedenen Säulentypen und von Fassadenschmuck aus der Zeit, als sich aus der Renaissance das Barock entwickelte. Experten sprechen vom Manierismus.

Manch einer wird die klassische Einteilung der Säulentypen in der Schule gelernt haben: Dorische, ionische und korinthische Ordnung. Dietterlin kennt noch die toskanische und schreibt ihr wegen ihrer Stärke und Grobheit bäuerliche Eigenschaften zu. Die dorische Säule vergleicht er mit einem tapferen Heiden. Der Sage nach, so schreibt er, soll angeblich der Held Dorus der Göttin Juno einen Tempel mit dieser Säulenform gebaut haben. Die ionische Säule mit ihrem schneckenförmigen Kapitel erinnert den Autor an die aufgerollten Zöpfe einer Frau, und die korinthische, die mit plastisch herausgearbeiteten Blättern der Akanthus-Pflanze geschmückt ist, verbindet Dietterlin mit einer schönen Geschichte: Auf dem Grab einer Jungfrau in Korinth soll ein erhöhter Korb mit einem Stein bedeckt gestanden haben, darunter eine Akanthus-Pflanze, die diesen überwuchert habe. Die Säule selbst sei schlank wie eine Jungfrau. Die Säule des Typs "Composita" ist eine Vermischung aus dorischen, ionischen und korinthischen Elementen.

Seiten mit Stichen fehlen

"Das Werk versteht sich als Handreichung für Künstler, aber auch als Lehrbuch für Kunstbegierige und für Studenten", erklärt Heike Endermann, wissenschaftliche Bibliothekarin der Stadt Rastatt. Das Exemplar sei unvollständig, es fehlen Seiten mit Stichen. Möglicherweise wurden sie als Vorlagen herausgetrennt. Der Textteil ist knapp gehalten.

Die Erhaltung ist nicht sehr gut, teilweise ist das Buch wasserfleckig. Eine genaue Herkunft des Bands ist ebenfalls nicht erkennbar. Es wurde in der Bibliothek früher in die Fachgruppe "Schöne Künste" einsortiert, weiß Endermann.

Ute Luber, Papierrestauratorin der Stadt Rastatt, erkennt im Wesentlichen zwei Schäden: Einmal Flecken durch Wasser und durch Fett. Außerdem gibt es auf einigen Buchseiten kleine rötliche, pudrige Flecken. Beides spricht laut Ute Luber für eine tatsächliche Verwendung des Buches in einer Werkstatt. Das Fett könnte dort in das Buch gekommen sein. Die rote Farbe könnte Rötel sein, ein Stoff, der zum Abzeichnen von Vorlagen verwendet wurde. Der Einband sei etwa aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Buch hat auch eine Reihe von älteren Reparaturen, die aber nicht sehr fachgerecht ausgeführt wurden.

Autor war eigentlich Fassadenmaler

Über den Autor Wendel Dietterlin weiß Heike Endermann, dass er um 1550 geboren wurde und 1599 in Straßburg starb. Als Fassaden- und Wandmaler war er in Straßburg, Hagenau und Oberkirch tätig, später auch in Stuttgart. Dort bemalte er die Decke des sogenannten Neuen Lusthauses: ein bedeutendes Gebäude der deutschen Renaissance, von dem heute nur noch Reste stehen.

Heike Endermann hat für das Badische Tagblatt einige der schönsten Juwelen aus der Historischen Bibliothek ausgesucht. In loser Folge stellen wir sie vor. Alle alten Bücher, die beschrieben werden, können auch in der Bibliothek im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium angesehen und gelesen werden, regt Endermann an. Anmeldung unter (07222) 9728420 oder per E-Mail unter heike.endermann@rastatt. de.

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