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Daniil fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat
Andreas und Mandy Kegel freuen sich darüber, dass sie die Pflegschaft für ihr ukrainisches Patenkind Daniil bekommen haben.  Foto: Koch
24.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Markus Koch

Steinmauern - "Fußballspieler - oder Businessman", antwortet Daniil Synytskyy auf die Frage nach seinem Berufsziel. Der neunjährige Junge aus der Ukraine ist seit Ende Mai bei seinen Pflegeeltern Mandy und Andreas Kegel in Steinmauern. Doch es war ein Weg mit emotionalen Höhen und Tiefen, bis der Junge nach Deutschland ausreiseen durfte (wir berichteten).

Seit September vergangenen Jahres hat sich das Ehepaar dafür eingesetzt, den Jungen nach Deutschland zu holen, nachdem es erfahren hatte, dass dessen Vater Alexander, mit dem der 53-jährige Andreas Kegel seit Studienzeiten befreundet ist, unheilbar an Krebs erkrankt ist. Daniils Mutter ist bereits vor einigen Jahren einer Erkrankung erlegen. Doch das Unterfangen gestaltete sich recht schwierig, die anfangs angedachte Adoption stellte sich als unmöglich heraus.

Im November schaltete sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek ein und schrieb an den damaligen Außenminister Sigmar Gabriel, ebenso an das Justizministerium in Bonn. Es gab einen Briefwechsel mit den ukrainischen Behörden, bis das Landesjugendamt in Stuttgart die Empfehlung gab, eine Elternpflegschaft gemäß dem Haager Kinderschutzübereinkommen zu beantragen. Und dieser Ansatz hat funktioniert, nachdem die Kegels mehrmals in die Ukraine reisten, um mit dem Justizministerium, dem Vormundschaftsrat und weiteren Behörden mit anwaltlicher Unterstützung zu verhandeln.

Trotz Chemotherapien verschlechterte sich mittlerweile der Zustand von Daniils Vater zusehends. Zu Beginn der Pfingstferien lagen alle erforderlichen Unterlagen vor - bis auf die auf drei Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung für Daniil. Dennoch wagten die Kegels die Fahrt ins Ungewisse, weil es Daniils Vater immer schlechter ging. In der Woche nach Pfingsten konnten sie dann das Visum in der deutschen Botschaft in Kiew abholen, eine Woche später starb Daniils Vater. "Wir sind dem Landratsamt und dem Regierungspräsidium sehr dankbar, das Zusammenspiel der beiden Behörden hat hervorragend funktioniert", lobt Mandy Kegel deren Arbeit.

Des Weiteren bedankt sich das Ehepaar bei seinen Freunden für die Unterstützung und bei der Thomasgemeinde in Rastatt: "Dort wurde jeden Tag für uns gebetet." Auch für die Berichterstattung im Badischen Tagblatt ist das Paar dankbar: "Die Artikel und auch die vielen Leserbriefe haben bei den beteiligten Politikern und Behörden etwas bewirkt", ist sich Andreas Kegel sicher. Er will auch Bürgermeister Siegfried Schaaf nicht unerwähnt lassen, der ebenfalls einen Brief an die ukrainischen Behörden geschrieben hat.

Nun ist Daniil also im Flößerdorf angekommen und es scheint, als ob er sich innerhalb kurzer Zeit schon gut eingelebt hat. Zumindest was das Erlernen der deutschen Sprache anbelangt, hat er in den wenigen Wochen bereits große Fortschritte gemacht. Daniil, der bislang auf Kyrillisch schrieb, habe bereits nach einer Woche unser lateinisches Alphabet beherrscht, schwärmt die 47-Jährige. Im Arbeitsheft "Willkommen in Deutschland" macht der Neunjährige täglich zwei bis drei Seiten, zudem kommt zweimal in der Woche ein befreundeter Lehramtsstudent ins Haus und paukt mit ihm Deutsch, das neben Sport zu seinem Lieblingsfach geworden ist.

Da Daniil die Sprache in seiner neuen Heimat noch nicht beherrscht, besucht er die zweite Klasse in der Steinmauerner Grundschule. In Mathematik ist er jedoch weiter, deshalb bekommt er in diesem Fach eigene Aufgaben, berichtet Mandy Kegel, die an der Rastatter Pestalozzi-Schule als Lehrerin arbeitet.

Erste Freunde hat Daniil auch schon gefunden, und zwar beim Fußballverein Steinmauern. Beim jüngsten Nachwuchsturnier im Ort hat er drei Tore geschossen, seine Mannschaft landete auf dem zweiten Platz.

Und auch in seiner neuen Familie scheint er sich gut einzufinden: "Daniil war schon immer ein Teil unserer Familie, auch aufgrund des besonderen Stellenwerts der Patenschaft in der Ukraine", verdeutlicht Mandy Kegel. Ihr 22-jähriger Sohn Kevin studiert Lehramt in Schwäbisch Gmünd, der 20-jährige Kimo fängt im September eine Ausbildung zum Mechatroniker im Rastatter Benz-Werk an: "Er ist ein großer Bruder für Daniil geworden", findet sie.

Der Neunjährige soll Deutsch lernen, aber dennoch seine Russischkenntnisse nicht vergessen. Deswegen spricht Andreas Kegel auch regelmäßig mit ihm auf Russisch und erzählt ihm, was er alles so mit dessen Vater erlebt hat. Er arbeitet in einer Ettlinger Firma, die sich auf Netzleittechnik, Fernwirk- und Automatisierungstechnik und Netzmanagement spezialisiert hat. Im vergangenen Jahr war er in Kasachstan am Aufbau eines Kraftwerks beteiligt.

Daniil freut sich auf die Ferien, denn dann kann er seine Großeltern in der Ukraine besuchen: "Wir fahren seit 15 Jahren dorthin in den Urlaub, das Land ist für uns beide zur zweiten Heimat geworden", verdeutlicht Andreas Kegel.

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