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"Wir wollen eine schlüsselfertige Anlage"
25.07.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (ema) - Bei der Bemerkung geht Fritz Setzer die Hutschnur hoch: "Und, wie viel habt Ihr für Euer Schützenhaus gekriegt?", muss sich der Vorsitzende der Schützengesellschaft Waidmannslust immer wieder von wildfremden Menschen fragen lassen. Seitdem klar ist, dass zur geplanten Expansionsfläche des Benz-Werks auch das Areal des ältesten Rastatter Vereins gehört, ist beim Oberschützenmeister nichts mehr, wie es war. "Geld ist zweitrangig", betont Setzer. Ob der rund 400 Mitglieder starke Verein seinen Grund und Boden zugunsten des Autobauers aus der Hand gibt, ist noch völlig offen.

Für manchen Schützen ist die aktuelle Hängepartie ein Déjà-vu-Erlebnis. Seit 26 Jahren residiert die Schützengesellschaft an der Ottersdorfer Straße gegenüber Tor 6 der Fabrik. Ihr altes Domizil stand dort, wo heute Daimler seine Kompaktwagen baut. Es wäre also das zweite Mal, dass der Schützenverein für den Autokonzern weichen müsste.

Geahnt hatte es Setzer bereits seit Februar, als erkennbar wurde, dass Daimler wohl Richtung Süden expandieren darf. Rund zwölf Hektar im Rastatter Bruch sollen es sein - 1,7 Hektar davon stehen im Eigentum der Schützengesellschaft. Daimler ist also auf das Entgegenkommen des Vereins angewiesen, denn eine Fabrikerweiterung rechtfertigt keine Enteignung. Setzer ärgert sich, dass im Prinzip schon länger klar gewesen sei, in welche Richtung die Entwicklung geht; die Machbarkeitsstudie habe dies nur kaschiert.

Der Vorstand wappnet sich. Man hat ein Gremium gebildet, das sich ausschließlich mit der Situation befasst, und einen Fachanwalt für öffentliches Recht eingeschaltet. "Wir sperren uns nicht", sagt der Vereinschef. Aber: Der Verein habe eine klare Erwartungshaltung. "Wir wollen eine schlüsselfertige Anlage, in die wir direkt umziehen können." Mit Pokern habe das nichts zu tun, betont Setzer.

Den nahtlosen Übergang zur Bedingung zu erheben, hat seinen Grund in den Vorschriften, denen die Schützen unterliegen. Denn würden die Aktiven eine Zeit lang ihrem Hobby nicht nachgehen, würden sie die Waffenbesitzkarte verlieren, erklärt der Oberschützenmeister.

Am liebsten wäre der Waidmannslust natürlich, dass der Kelch doch noch an ihnen vorübergeht. Doch dass das Schützen-Grundstück für den künftigen Industriepark mit Zulieferern ausgeklammert wird, wie es sich Setzer durchaus vorstellen könnte, scheint für Daimler keine zufriedenstellende Option zu sein.

Für den Verein wäre das Aus an der Ottersdorfer Straße ein herber Verlust. Etliche Investitionen hat die Waidmannslust in den vergangenen fünf Jahren gestemmt. Elektronische Luftgewehranlage, eine Anlage mit laufendem Keiler und Kipphase vor allem für Jäger, eine nagelneue Heizung, ein Fettabscheider (weil man nicht an die Kanalisation angeschlossen ist) und eine neue Terrasse: An die 200000 Euro habe man in die Hand genommen. Jetzt verfüge man über ein "Schießsportzentrum", betont Setzer - mit 100-Meter-Stand, der selten sei, 50-Meter-Stand, zwei 25-Meter-Ständen für Pistole sowie die Anlage für Jäger, die hier schon zum zweiten Mal die notwendige Prüfung absolviert hätten, um an Drückjagden teilnehmen zu dürfen. Zu den Nutzern zählen nicht nur die Vereinsaktiven und Waidmänner, sondern auch Gastschützen - darunter ironischerweise auch Aktive der Daimler-Sportgemeinschaft SG Stern. Nebenan trainiert der Bogensportclub, der im Grünen eine Fläche für seine rund 100 Athleten gepachtet hat. Und schließlich gibt es noch die "Schützenliesel", das von Francesco Pagano gepachtete Restaurant, das der Schützengesellschaft eine wichtige Pachteinnahme beschert. Erst im vergangenen Jahr, so Setzer, habe man den Pachtvertrag erneuert - mit einer Laufzeit von 15 Jahren und drei Jahren Verlängerungsoption.

Für Setzer kommt nur eine Lösung in Betracht, wenn man die komplette Anlage in Kombination mit dem Restaurant 1:1 neu errichtet. Nur wo? Die Stadt habe ihm noch keine mögliche Alternative genannt, sagt der Oberschützenmeister. Ein Standort muss auch wegen der Lärmemissionen besonderen Anforderungen gerecht werden. Setzer selbst fällt auf Anhieb keine Fläche auf Rastatter Gemarkung ein, die infrage käme. Vorstellbar wäre für ihn das ehemalige Munitionsdepot der Franzosen - doch diese Fläche liegt auf Iffezheimer Gemarkung. Die Schützen warten nun auf ein Angebot. Setzer: "Es muss für beide Seiten passen."

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