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Weniger Vereinsamung, mehr Teilhabe
04.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Mirjam Hliza

Bietigheim - Das Soziale Netzwerk, das derzeit das Bietigheimer Seniorenbüro aufbaut, unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von anderen Sozialen Netzwerken: Es entsteht nicht im Internet, sondern im richtigen Leben. "Bietigheim vernetzt" heißt das Projekt, das in Zusammenarbeit von Seniorenbeirat, Dr.-Jakob-Kölmel-Bürgerstiftung und Gemeinde entsteht.

Viele Angebote hat das Bietigheimer Seniorenbüro bereits jetzt für die ältere Generation parat. Doch der Seniorenbeirat bemerkte: Es gibt eine Lücke, durch die der eine oder andere hindurchrutsche. "Deshalb wollen wir das Netz nun enger flechten", verdeutlicht Ingrid Heck-Fütterer, Leiterin des Seniorenbüros.

Daraus folgte die Idee, das Soziale Netzwerk aufzubauen. Um dieses zu koordinieren, wurde eine Stelle auf 450-Euro-Basis geschaffen, die die Dr.-Jakob-Kölmel-Bürgerstiftung finanziert. Auf die Stellenanzeige hatte sich Erwin Dietrich beworben. Seit März kümmert er sich nun um die Koordination. "Es geht nicht nur um die Pflege von Senioren", betont er. "Meine Aufgabe ist es, Senioren mit der Jugend und Familien zu vernetzen." Zudem solle der Nachbarschaftsgedanke gestärkt werden.

Der Anteil der Senioren werde immer größer. In Bietigheim zum Beispiel seien mehr als 20 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre. "Und die geburtenstarken Jahrgänge kommen erst noch." Deshalb könne man die Sache nicht dem Zufall überlassen, findet Dietrich. Denn: Viele Senioren seien abgehängt. "Sie können nicht mehr am Leben teilnehmen." Zum Beispiel weil sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Oder wenn sie nach dem Tod ihres Partners vereinsamen. "Genau das wollen wir aufbrechen."

Es soll also etwas geschaffen werden, dass Jung und Alt gleichermaßen etwas bringt. Wichtig sei, dass Treffen oder Aktionen nicht immer extra von einer Person organisiert werden müssen. Vielmehr wünschen sich Dietrich und Heck-Fütterer eine Art Selbstläufer. "Aber bis es so weit ist, brauchen wir einen langen Atem."

Zu den ersten Schritten gehören viele Gespräche, unter anderem mit den Vereinen im Ort. "Auch die haben oft Nachwuchssorgen und sind oft nicht darauf ausgerichtet, was auf sie zukommt", berichtet Dietrich. Dabei seien gerade sie ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens.

Ein weiterer Schritt war der Blick über den Tellerrand: "Wir haben in anderen Kommunen geschaut, wie diese vorgehen, haben Kontakte geknüpft und Informationen gesammelt, die zu uns passen könnten", erläutert Heck-Fütterer. In der Gemeinde Langgöns in der Nähe von Frankfurt zum Beispiel gebe es eine "tolle Bürgerwerkstatt", die in Eigeninitiative funktioniere. Eine Art Generationenhaus fehle in Bietigheim noch, blickt Heck-Fütterer auf ein langfristiges Ziel, das man in Zukunft mit der Gemeinde angehen könnte. Man habe im Ort zwar zwei Bürgerhäuser, dennoch wäre es schön, eine zentrale Anlaufstelle zu haben. "Das macht es leichter, Generationen zusammenzuführen", verdeutlicht Dietrich. Und nicht nur die Generationen sollen unter ein Dach gebracht werden, sondern auch verschiedene Initiativen von Sozialverbänden, Vereinen und der Gemeinde.

Die Verantwortlichen des Sozialen Netzwerks können sich gut vorstellen, eine Umfrage zu machen und regelmäßig Flyer zu gestalten, auf denen dann unter anderem künftige Veranstaltungen aufgelistet sind. Diese Infoblätter sollen dann in der Gemeinde, etwa in Geschäften und Apotheken, ausgelegt werden. Man könne sich auch vorstellen, jedem Einwohner solch einen Flyer in den Briefkasten zu werfen. Damit wäre die Frage, wie man wirklich alle erreicht, beantwortet. "Schließlich haben nicht alle den Gemeindeanzeiger, und im Internet sind auch viele nicht unterwegs", erklärt Dietrich.

Das Internet gehört trotzdem zu dem Projekt. "Es ist eine Möglichkeit, einen gewissen Personenkreis zu erreichen." Eine Kooperation besteht darüber hinaus mit der Internetplattform "nebenan.de", über die Bietigheimer miteinander kommunizieren können. Eine eigene Internetseite des Bietigheimer Netzwerks ist aber ebenso geplant.

Insgesamt, so hoffen Heck-Fütterer und Dietrich, soll das Projekt der Vereinsamung entgegenwirken und für das Leben nebenan sensibilisieren. Das könne auf unterschiedliche Weise geschehen. Dietrich betont: "Nachbarschaft zeigt sich in vielen kleinen Dingen."

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