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Ein Zeichen der neuen Herrschaft
Der 'Marktbrunnen' von 1534 im modernen Renaissancestil ist der älteste Laufbrunnen in Kuppenheim. Er steht noch heute an seinem ursprünglichen Standort. Foto: Klingsporn
10.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Dr. Albrecht Klingsporn

Kuppenheim - Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war "Oberer Brunnen" die geläufige Bezeichnung für den ältesten Kuppenheimer Laufbrunnen (1534). Sie bürgerte sich wohl ein, als 1562 der "Untere Brunnen", der heutige Bernhardusbrunnen, dazu kam und der eine vom anderen unterschieden werden musste. Auch der Name "Marktbrunnen" wurde für ihn verwendet.

Er rührt wohl aus seinem Standort beim Rathaus her, in dessen Umfeld traditionell der Markt stattfand. Am Markttag diente der Brunnen nicht nur der Wasserversorgung, sondern auch der Fischhaltung. Er steht noch heute an seinem ursprünglichen Standort vor dem Gemeindehaus St. Sebastian, das an der Stelle des früheren Gasthauses zur Sonne errichtet wurde. Brunnenbecken und Brunnenschaft sind aus hellrotem Sandstein. Das Becken hat die Form eines langgezogenen Rechtecks mit abgeschnittenen Ecken, also eine oktogonale Form. Die acht Ecken sind spätgotisch gekehlt. Die Basis der Beckenwand ist heute nicht mehr sichtbar, da die umgebende Pflasterung im Laufe der Jahrhunderte immer höher wuchs. Der Brunnenstock ragt ungegliedert in einem Stück in die Höhe. Seine vier Seiten zeigen als einzigen Schmuck eine dreifach profilierte Kassettierung. Das Alter ist an ihm nicht spurlos vorübergegangen, wie ein durchgehender Querriss zeigt.

Aus vier einfach gestalteten steinernen Brunnenmasken fließt durch lange, schlanke eiserne Auslaufrohre das Wasser. Ein kunstvoll geschmiedeter Unterbau mit Blattdekor stützt die Rohre. Den Brunnenschaft krönt in grauem Sandstein ein Kompositkapitell, das ionische Voluten und korinthische Akanthusblätter schmücken, antike Stilelemente, die in der Renaissance wieder aufgenommen wurden. In die Bänder der Eckvoluten ist auf der Vorderseite die Jahreszahl 1534 eingemeißelt. Der Brunnen ist in seiner klaren Form und seinem zurückhaltenden Dekor eines der nicht so häufigen Beispiele für den Kunststil der frühen Renaissance in deutschen Landen, wo sie erst mit Beginn des 16. Jahrhunderts einsetzt.

Dem Kapitel ist ein großes doppelseitiges Wappen aufgesetzt, das von zwei Delfinen gehalten wird. Die Vorderseite zeigt das badisch-sponheimische Wappen. Die beiden Schachbrettfelder stehen für die vordere und hintere Grafschaft Sponheim, wo die Markgrafen von Baden seit 1437 Herrschaftsrechte hatten. Auf der Rückseite findet sich die älteste bekannte Darstellung des Wappens der Stadt Kuppenheim. Im geteilten Schild erscheint links der badische Schrägbalken und rechts die Kuppenheimer Wolfsangel. Am Fuße des rückwärtigen Wappenschilds weist eine Inschrift auf eine im Jahr 1950 erfolgte Reparatur des Wappens hin: Erneuert MCML.

Tatsächlich hatte Oskar Stiefvater 1949 in einem Zustandsbericht über Kuppenheimer Baudenkmäler (Stadtarchiv A 1768) noch bemängeln müssen, dass der linke Delphin daneben auf dem Stock liege. Der Brunnen wurde rechtzeitig zur Feier der Wiederverleihung des Stadtrechts im Jahr 1950 renoviert. Zur offiziellen Feier versammelten sich Bürger und Ehrengäste, an der Spitze der damalige südbadische Präsident Wohleb, auf dem Platz beim Brunnen.

Wie das Wappen auf der Vorderseite deutlich macht, waren es die Markgrafen von Baden, die als Stadtherren den Bau des Brunnens veranlassten. Dies geschah in einer entscheidenden Phase des badischen Herrscherhauses. Markgraf Philipp, der das badische Unterland (Baden-Baden, Pforzheim und andere) und damit auch die Stadt Kuppenheim regierte, war 1533 söhnelos gestorben. Seine Brüder Bernhard, der bei der Dreiteilung 1515 die linksrheinischen Besitzungen (Sponheim und andere) und Ernst, der das Oberland (Herrschaften Hochberg, Sausenberg) erhalten hatte, versuchten zunächst noch, Philipps Land gemeinschaftlich zu regieren. Sie wollten offensichtlich mit dem neuen Brunnen im modernen Renaissancestil in einer ihrer bedeutendsten Amtsstädte ein Zeichen für die neue Herrschaft setzen. Aber sie zerstritten sich bald. 1535 kam es zu einer neuen Landesteilung, der diesmal das Kerngebiet der Markgrafschaft, nämlich das Unterland zum Opfer fiel. Daraus sollten sich die beiden Linien und Territorien Baden-Baden und Baden-Durlach entwickeln. Die Brüder Bernhard und Ernst behielten ihre Anteile von 1515 und bekamen je eine Hälfte von Philipps Territorium hinzu, Bernhard Baden-Baden und Ernst Baden-Pforzheim (später Durlach).

Der Brunnen von 1534 dürfte also wohl das einzige steinerne Monument sein, das Zeugnis gibt von diesem einen Jahr gemeinschaftlichen Regierens der Markgrafen Bernhard und Ernst und von dem letzten Jahr vor der Spaltung der badischen Markgrafschaft, die bis 1771 dauern sollte.

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