http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Wenn der Atem im Schlaf aussetzt
11.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt - Rolf Weber ist dankbar, dass er überlebt hat. Es hätte auch ganz anders kommen können: Der heutige 74-Jährige litt jahrelang nachts während des Schlafs an Atemaussetzern. Morgens fühlte er sich oft müde und erschöpft, ohne den Grund dafür zu kennen. Aber es kam noch schlimmer.

Sein ansonsten niedriger Blutdruck erreichte plötzlich schwindelnde Höhen - als Folge entstand ein Aneurysma im Aortenbogen, das kurz vor dem Platzen mit viel Glück und ärztlichem Gespür gerade noch rechtzeitig erkannt und operiert werden konnte, erzählt der Wahl-Rastatter seine Leidensgeschichte in Kurzform. Seither befasst er sich intensiv mit den Tücken der Schlafapnoe, hat sich mit den Jahren ein großes Wissen darüber angeeignet und will nun eine Selbsthilfegruppe in Rastatt gründen, um "aufzurütteln" und für die oft noch unentdeckte Krankheit zu sensibilisieren.

"Ein Schlafapnoe-Syndrom ist ein Tod auf Raten, denn bei jedem Atemaussetzer sterben Gehirnzellen", verdeutlicht Weber drastisch und fügt an: "Ich kann nicht einfach ruhig sitzenbleiben und nichts tun mit dem Wissen, das ich jetzt habe", denn viele Menschen befänden sich unwissentlich in Gefahr. Die Krankheit sei in unserer Gesellschaft wenig bekannt und werde oft unterschätzt. Eine Schlafstörung könne ernste Folgen wie Bluthochdruck oder gefährlichen Sekundenschlaf am Steuer nach sich ziehen.

"Tausende von Menschen sterben jährlich an Schlaganfall, Herzinfarkt oder anderen Folgeerscheinungen einer unentdeckten und nicht therapierten Schlafapnoe", informiert der 74-Jährige weiter, der umfassend in Sachen Schlafapnoe unter anderem bei Selbsthilfegruppen und Ärzten recherchiert hat. Derzeit würden zwar rund zwei Millionen Menschen in Deutschland therapiert und 45000 kämen jährlich hinzu, doch die Dunkelziffer sei nach wie vor hoch. Experten gingen dabei von zwei bis sechs Millionen Menschen aus, die an einer unentdeckten Schlafapnoe leiden.

Die Selbsthilfegruppe will Aufklärungsarbeit leisten, Partner und Familienangehörige motivieren, ihre Angehörigen im Schlaf zu beobachten, um festzustellen, ob ihnen in der Nacht zuweilen der Atem stockt. Bei Alleinstehenden müssten dies Bekannte oder Freunde übernehmen, meint Weber. Außerdem sollen Betroffene, die bereits bei ihrer Schlafapnoe betreut werden, in der Selbsthilfegruppe ihre Erfahrungen austauschen. Der Initiator will sie auch dazu ermutigen, über die Krankheit in der Öffentlichkeit zu sprechen und so zur allgemeinen Bewusstseinsbildung beizutragen. Er habe den Eindruck, dass das Thema immer noch stigmatisiert werde.

Des Weiteren beabsichtigt die Selbsthilfegruppe, fünf Messgeräte für nächtliche Tests anzuschaffen, die an ihre Mitglieder ausgeliehen werden können. Die Geräte messen Puls, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung. Das Ergebnis könnte auf den Computer der Selbsthilfegruppe heruntergeladen und ausgedruckt werden - mit der Grafik könnten dann Betroffene den Arzt ihres Vertrauens aufsuchen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Für die eigentliche Therapie werde meist eine spezielle Atemmaske (CPAP-Maske) verordnet und im Schlaflabor angepasst. Rolf Weber selbst hatte jedoch Probleme mit der Nutzung und hat sich über mögliche Alternativen schlaugemacht. Er trägt seither eine spezielle Spange, auf die er in der Schweiz gestoßen ist.

Die Vorbereitungen für die Selbsthilfegruppe "Dunkelziffer Schlafapnoe - Rettung durch Erkennen" laufen auf Hochtouren, auch wenn die Gründung erst im Herbst über die Bühne gehen soll. Diese ist für den 11. Oktober in der Cafeteria im Brunnenhaus (Badstraße 3) in Rastatt vorgesehen. Dort finden dann jeden Donnerstag von 18 bis 19.30 Uhr Zusammenkünfte statt.

Schriftliche Aufrufe sollen außerdem in Kirchen, Kindergärten oder anderen Stellen des öffentlichen Lebens ausgelegt werden, um alle Bevölkerungsschichten zu erreichen. Und der 74-Jährige denkt bereits weiter: "Alles, was hilft, diese heimtückische Volkskrankheit zu entdecken und die Betroffenen einer lebensrettenden Therapie zuzuführen, wird von uns unterstützt." Diese Aktivitäten sollen auf ganz Deutschland ausgeweitet und dabei bereits bestehende organisatorische Strukturen genutzt werden, wo sich "unsere Gruppen dann andocken und vorhandene Räumlichkeiten nutzen können".

Rolf Weber und seine Frau Rosa haben drei Jahrzehnte im Ausland gelebt, zwei davon in den USA. Die beiden stammen eigentlich aus Mörsch, sind seit 2000 wieder in Deutschland und wollen in Rastatt ihren Lebensabend verbringen. Übrigens: Rosa Weber hatte die Atemaussetzer ihres Gatten bemerkt. Eine Messung ergab 61 Aussetzer pro Stunde, der längste dauerte zwei Minuten.

Kontakt: E-Mail: schlafapnoe.aufdemweg@gmail.com.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
--mediatextglobal-- An manchen Stellen in der Oos - wie hier in Höhe des Hindenburgplatzes - sammelt eine Rinne das Wasser. Das kann für Fische hilfreich sein.  Foto: Zeindler-Efler

10.08.2018
Ziel: Hilfe für Fische in Bächen
Baden-Baden (cri) - Die anhaltende Trockenheit setzt Menschen, Pflanzen und Tieren, insbesondere aber den Fischen (Foto: zei) zu. Nach der Sommerpause soll es bei der Stadtverwaltung einen internen Arbeitskreis geben, der sich mit Hilfsmaßnahmen für Fische beschäftigen soll. »-Mehr
Ottersweier
--mediatextglobal-- Guter Behang: Ewald Glaser zeigt die schon blauen Trauben, Sohn Simon bestimmt den Oechsle-Grad. Foto: Eiermann

10.08.2018
Siesta während der größten Hitze
Ottersweier (jo) - Die wochenlange bleierne Hitze zwingt den Aspichhof zum Improvisieren. So wurden die Arbeitszeiten in die Frühe und auf den Abend ausgedehnt. Zwischen 12 und 19 Uhr ist Siesta. Die Weinernte startet Ende August und damit ungewöhnlich früh (Foto: jo). »-Mehr
Hamburg
--mediatextglobal-- Nach einer Hitzewelle drohen in der Regel Gewitter mit Starkregen oder Hagel. Die können schon mal heftig ausfallen. Foto: dpa

10.08.2018
Unwetter: Richtig versichert
Hamburg (dpa) - Nach einer Hitzewelle drohen in der Regel schwere Gewitter mit Starkregen oder Hagel. Immobilien- und Autobesitzer sollten daher dringend ihre Versicherungen prüfen. Denn nicht immer sind Unwetterschäden abgedeckt. Man sollte sich also informieren (Foto: dpa). »-Mehr
Auggen
--mediatextglobal-- Seine Tempoläufe und Dribblings sind gefährliche Waffen im Kuppenheimer Spiel: Außenbahnflitzer Simon Götz (rechts). Foto: F. Vetter

10.08.2018
SV 08 Kuppenheim reist nach Auggen
Auggen (rap) - Nach dem Stotterstart in die Saison mit dem Remis zum Auftakt gegen Stegen und dem Pokalaus gegen Lahr, reist der Verbandsligist SV 08 Kuppenheim am Samstag zum vermeintlichen Lieblingsgegner FC Auggen, gegen den man zuletzt dreimal gewinnen konnte (Foto: fuv). »-Mehr
Bühl
--mediatextglobal-- Kersten Stolz (Mitte) und seine Würmersheimer Kollegen haben gleich zum Saisonauftakt Historisches geschafft: Den ersten Landesligasieg der Vereinsgeschichte. Foto: Vetter

10.08.2018
Würmersheim beim VfB Bühl
Bühl (red) - Aufsteiger FV Würmersheim (Foto: Vetter) startete perfekt in die erste Landesliga-Saison der Vereinsgesichte. Was man vom VfB Bühl, einem der heißesten Titelkandidaten, wahrlich nicht behaupten kann. Im Bühler Hägenich stehen sich beide am Samstag gegenüber. »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bietet eine Sprechstunde für Bürger per WhatsApp an. Finden Sie so ein Angebot sinnvoll?

Ja, das sollten mehr Politiker tun.
Nein.
Ich habe die Möglichkeit schon genutzt.
Ich habe kein WhatsApp.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1