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Mensch und Natur als Gewinner
13.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Sechs Jahre ist es nun her, als schweres Gerät anrückte, um das Gesicht der Murg in Rastatt nachhaltig zu verändern. Und mehr: Das Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt (HÖP) brachte Rastatt und den Rastattern damit auch neue Perspektiven für das Leben am und mit dem Fluss.

Zog sich die Murg bis dahin gleichmäßig wie ein Kanal im künstlich befestigten Bett dahin, wurde sie nun von einer Last befreit: Auf drei Kilometern Innenstadtstrecke räumten Mensch und Maschine das Murgvorland aus, um es 50 bis 70 Zentimeter tiefer zu legen, sie verschoben Dämme im Bittler und Brufert nach hinten, errichteten an der L77a einen neuen Murgdurchlass (also eine zweite Brücke) und bauten in der Rheinau eine Drainage mit Pumpwerk. Als zwei Jahre später die Bagger, Raupen, Dumper und Co. wieder abrückten, war der Fluss ein anderer. Die Murg nahm die von Planern und Arbeitern geschaffenen neuen Verhältnisse an, schuf sich nach anfänglicher Vormodellierung Kies- und Sandbänke, Mulden und Inseln, den Tieren neuen Lebensraum und den Menschen ein neues Naherholungsgebiet. Und - der Grund, warum das Zehn-Millionen-Euro-Projekt überhaupt umgesetzt wurde (2,1 Millionen Euro zahlte die EU, den Rest teilten sich Land und Stadt 70:30 auf): besseren Hochwasserschutz.

Insgesamt gewann man 57 Hektar ehemalige Murgaue als Überflutungsraum zurück. Retentionsvolumen: rund eine Million Kubikmeter. Und Rastatt, bis dato nicht einmal vor einem Hochwasser gefeit, wie es statistisch betrachtet alle 50 Jahre vorkommt, gilt seither in weiten Teilen vor einem 100-jährlichen Hochwasser sicher.

Als am 4. August 2014 das Mammutprojekt eingeweiht wurde, machte Landes-Umweltminister Franz Untersteller Mensch und Natur als Gewinner aus, OB Hans Jürgen Pütsch sah einen Meilenstein. Die Menschen nähmen es nicht zuerst als Hochwasserschutzmaßnahme wahr, sondern genießen Renaturierung und bessere Zugänglichkeit: "Die Murg ist wieder ein Bestandteil der Stadt."

Selbst Fachleute ließ die Murg staunen: Strukturen entwickelten sich in ihrem Stadtverlauf, wie sie nur mit der Isar in München vergleichbar und ansonsten in Deutschland nicht bekannt seien, wie Jost Armbruster damals erkannte, der das "Life+"-Projekt, in dessen Rahmen das HÖP verwirklicht wurde, im Auftrag des Regierungspräsidiums betreute. Die Veränderung ist nachhaltig. Sein Kollege Daniel Raddatz, Referatsleiter für Naturschutz und Landschaftspflege am Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe, spricht heute von einer enormen Zunahme an Strukturvielfalt am und im Wasser. Dünen, Hochstaudenflure, Blüten und Samen nähren die Tierwelt an den Uferzonen. Tiefere und flachere Bereiche mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten haben zum Wohl der Wasserwelt das einstige Regelprofil abgelöst, Laich- und Jungfisch-Habitate sind entstanden, stellt Raddatz fest, der das Projekt als großen Gewinn sieht.

Es ist noch immer ein Vorzeigeprojekt: Bau-Projektleiter Axel Pälchen vom RP war Anfang des Monats gerade wieder einmal vor Ort: Im Auftrag des Bundesumweltamts wird eine Internet-Plattform entwickelt, auf der 15 herausragende Renaturierungsprojekte an kleinen und mittelgroßen deutschen Flüssen zusammengestellt werden - als Beispiel für andere, die sich dort dann informieren können.

Er selbst, so Pälchen habe nur positive Resonanz auf das HÖP erfahren. Und ist auch selbst begeistert: Nach der Dammverlegung war das "alles eine Kieswüste", blickt Pälchen nahe der Konrad-Adenauer-Brücke auf die nun üppige Vegetation, die dort gewachsen ist, wo der Fluss, der zuvor wie an der Schnur gezogen die Landschaft durchschnitten hatte, einen Seitenarm dazubekommen hat. Beim letzten Hochwasser im Januar hat sich auch die Wirksamkeit der zusätzlichen Überflutungsfläche gezeigt. Die Hochwassergefahrenkarte durfte bereits umgeschrieben werden, da das HÖP das potenzielle Überschwemmungsgebiet in der Stadt erheblich verkleinert und diese damit auch von Fesseln des neuen Wassergesetzes befreit hat, das deren weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu hemmen drohte.

Und doch wird der Fluss beziehungsweise die Gefahr, dass er über die Dammkrone bricht, Verwaltung, Planer und Arbeiter weiter beschäftigen - nicht nur im Zuge des Unterhaltungsplans. Weitere ergänzende Maßnahmen sollen die letzten noch verbliebenen Überschwemmungsgebiete (vom Dörfel bis zum Festplatz) hochwassersicher machen.

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