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Propaganda mit einem Misthaufen
Ein früher Medienstar war der schwedische König Gustav Adolf: Hier eine Abbildung von 1648.  Foto: Linkenheil
15.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - War es nun die Muttergottes oder doch ein Misthaufen, die beim Prager Fenstersturz vor 400 Jahren für eine weiche Landung sorgten und den königlichen Statthaltern und ihrem Sekretär das Leben retteten? Eine zeitgenössische Abbildung des Fenstersturzes, der zum Anlass für den Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs wurde, zeigt den Misthaufen jedenfalls nicht. Sie ist mit knapp 100 weiteren Objekten zurzeit in der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium zu bewundern.

Die Frage mit dem Misthaufen ist ein schönes Beispiel dafür, dass sich der Dreißigjährige Krieg nicht nur in Form blutiger Schlachten, brutaler Überfälle, bestialischer Folter und berserkerhafter Plünderungen austobte. Er war auch schon ein Medienkrieg. Je nachdem, für welche Kriegspartei das Herz eines Autors, eines Verlegers oder Kupferstechers schlug, konnte auch die Darstellung höchst unterschiedlich ausfallen. Die katholisch-kaiserliche Seite beharrte auf der Version mit Maria, die protestantische Propaganda verbreitete dagegen die Geschichte mit dem Misthaufen. Das kann man unter anderem bei einem Rundgang durch die Ausstellung lernen. Sie begleitet eine bereits laufende Vortragsreihe der Historischen Bibliothek (wir berichteten) und kann am Sonntag, 19. August, von 11 bis 17 Uhr mit all ihren zeitgenössischen Drucken, Stichen, Darstellungen und historischen Büchern in Ruhe in Augenschein genommen werden. Und das auch noch bei freiem Eintritt.

Nicht nur die Zeitgenossen der Jahre von 1618 bis 1648 beschäftigten sich mit den Ereignissen des Dreißigjährigen Kriegs. Die Schreckensjahre wirkten lange nach. Die Historische Bibliothek Rastatt ist reich mit Literatur über den Dreißigjährigen Krieg aus späterer Zeit bestückt. Berühmtestes Beispiel ist vielleicht Friedrich Schillers historische Abhandlung von 1790 und seine spätere Dramentrilogie über Wallenstein. Auch im 20. Jahrhundert beschäftigte der Dreißigjährige Krieg noch, beziehungsweise diente er als Folie für eine Deutung der Weltkriege: Alexander Döblins Wallenstein-Roman und Bertold Brechts episches Stück "Mutter Courage" berichten davon.

Die von Dr. Christoph Kunz kuratierte Ausstellung erinnert auch an das Ende des Krieges: Zeitgenössische Drucke der Vertragstexte des Westfälischen Friedens von 1648 haben sich in der ehemaligen Schulbibliothek erhalten. Angereichert wird die Schau durch besondere Leihgaben wie Silbermünzen aus der Zeit der Geldentwertung, Figuren eines Papiertheaters, mit dem sich die Dramen um Wallenstein nachspielen lassen und Zinnsoldaten, mit denen die Caracolla, eine Kampftechnik berittener Truppen, demonstriert wird.

Im Rahmen der Vortragsreihe stehen noch folgende Veranstaltungen aus:

Sonntag, 23. September, 11 Uhr: Literarische Matinee "Thränen des Vaterlandes". Der Dreißigjährige Krieg in zeitgenössischen Berichten. Mit Dr. Johannes Werner (Elchesheim-lllingen).

Donnerstag, 25. Oktober, 19 Uhr: Die Heidelberger Bibliotheca Palatina - Kulturgutraub im Dreißigjährigen Krieg. Mit Dr. Armin Schlechter (Speyer). Donnerstag, 22. November, 19 Uhr: Kampf der Worte und Bilder: Der Dreißigjährige Krieg als Medienkrieg. Mit Dr. Christian Hänger (Mannheim). Donnerstag, 24. Januar 2019, 19 Uhr: Leben mit dem Krieg. Alltag im deutschen Südwesten 1618-1648. Mit Prof. Dr. Hiram Kümper (Mannheim).

Führungen durch die Ausstellung mit Christoph Kunz finden jeweils dienstags am 9. Oktober, 6. November und 15. Januar 2019 um 16.30 Uhr statt sowie am Sonntag, 17. Februar 2019 um 15 Uhr. Bei der Sonderöffnung am Sonntag, 19. August, von 11 bis 17 Uhr bietet die Historische Bibliothek ältere Eigenpublikationen für einen Euro oder kostenlos an.

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