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Songproduktion am laufenden Band
Marvin Trecha in seinem Tonstudio: Dort komponiert er im Schnitt acht bis zehn Titel pro Monat. Foto: Hliza
15.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Mirjam Hliza

Bietigheim - "Die Tränen der Sterne" heißt Titel Nummer zwölf auf dem neuen Album des Schlagerduos "Die Amigos". Für den Bietigheimer Marvin Trecha ist das ein ganz besonderer Song: Der 30-Jährige hat ihn für die beiden Größen der volkstümlichen Schlagermusik komponiert.

Bis jetzt ist das Trechas größter Erfolg - und das, obwohl er gerade einmal ein Jahr im Geschäft ist. "Die Amigos sind eine Institution, sie füllen die Hallen und holen mit ihren Alben regelmäßig Gold", freut sich der Bietigheimer. Es ist eine Bestätigung für den 30-Jährigen, dass es richtig war, den Weg zum Komponisten einzuschlagen.

Die Weichen in diese Richtung wurden bereits früh gestellt, denn Trechas Vater ist Musiker. Mit sechs Jahren fing er an, Klavier zu spielen. Nach dem Abitur 2007 am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim entschied er sich für die Ausbildung "Fachkraft für Audiotechnik". Dort lernte er unter anderem, wie man Musik aufnimmt. Doch nur Techniker zu sein, konnte sich Trecha nicht vorstellen. Er wollte kreativ sein. Deswegen fing er nach der Ausbildung an, Musikinformatik und -wissenschaft zu studieren.

Nach dem Studium kam es in der Band seines Vaters, den Tops, zu einem Umbruch. Ein Bandmitglied war gestorben. Die Formation entschied sich deshalb, ein neues Doppelalbum aufzunehmen. Sohn Marvin packte mit an: "Ich habe viel selber geschrieben und die Musik gemischt", erzählt er. Und da merkte er, dass ihm genau das Spaß bereitete: Songs für andere schreiben.

Daraufhin startete er einen Feldversuch, wie Trecha seine Aktion heute nennt. Er komponierte einige Lieder und schickte sie an diverse Leute aus der Musikindustrie. Nach ein paar Wochen waren die ersten Titel weg.

Das A und O für den Erfolg sind die Kontakte. "Klinkenputzen ist mega wichtig" bringt es der 30-Jährige auf den Punkt. Mittlerweile hat er einen ganzen Pool an Leuten, mit denen er kooperiert. "Die haben mir auch geholfen, ins Business reinzukommen."

Doch Geduld benötigt er trotzdem. Denn eine Rückmeldung auf seine Musiktitel bekommt Trecha nicht immer. Manchmal dauere es Monate, bis jemand auf seine Mails reagiere.

Kaufen müssen Produzenten oder Künstler seine Titel übrigens nicht. Bezahlt wird er von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Laufen seine Titel zum Beispiel im Radio und Fernsehen oder werden sie auf CDs verkauft, erhält der 30-Jährige Geld dafür. Ob und wie oft seine Titel letztendlich gespielt werden, sieht Trecha erst auf der GEMA-Abrechnung. "Es ist jedes Jahr eine Überraschung, was ich verdiene", verdeutlicht er. Weil das Einkommen also nicht vorhersagbar ist, gibt es für den 30-Jährigen keinen Zeitpunkt, an dem er denkt, er könne die Sache nun locker angehen. Stattdessen komponiert er am laufenden Band Titel. Durchschnittlich sind es acht bis zehn pro Monat, die er Künstlern anbietet. Doch nicht nur auf Quantität kommt es an. Denn: Je besser die Titel laufen, desto mehr haben alle Beteiligten davon.

Beim Komponieren setzt sich Trecha an sein Klavier und überlegt, welche Phrase ein guter Aufhänger für den Refrain sein könnte. "Der Refrain ist das Herzstück", betont er. Die Liedverse hingegen müssen gut erzählen können. "Ich mache mir oft vorher Gedanken, an welche Künstler der Song gehen soll." Geschrieben hat er unter anderem für Sonja Christin und Cristina Maria Sieber. Weitere Veröffentlichungen seiner Titel stehen an, etwa durch das Duo Sunrise oder Marco Spiegl.

Doch: Allein mit dem Komponieren ist es nicht getan. Jedes Instrument, das in seiner Demoversion zu hören ist, spielt Trecha über sein Keyboard ein. Auch den Gesang übernimmt er. "Ich habe extra dafür Unterricht genommen."

Zur Schlager- und Volksmusik kam er durch seinen Vater. "Ich sehe bei dieser Musikrichtung die besten Chancen, mich entfalten zu können." Das Wichtigste beim Komponieren: "Man muss sich in den anderen hineinversetzen können."

Für wen er gerne noch komponieren würde? "Finanziell gesehen natürlich für Helene Fischer", grinst der Bietigheimer. Ansonsten findet er Roland Kaiser oder Bernhard Brink musikalisch interessant. Sein genereller Wunsch: "Mit meinen Kompositionen soll man etwas Gutes verbinden." Dafür arbeitet er emsig. Denn obwohl viele sagen, dass er seinen Weg gehen wird, Trecha bleibt lieber bescheiden.

Eines aber macht ihn doch stolz: Das neue Album der Amigos mit seinem Song schaffte es auf Platz eins der offiziellen deutschen Charts. Für den Bietigheimer ein unglaubliches Gefühl, nach so kurzer Zeit auf einem Nummer-eins-Album vertreten zu sein. "Ich hoffe, dass ich daran anknüpfen darf."

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