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Reich gedeckter Tisch für Insekten
Wenn die Wiese zur Blumenweide wird, dann freuen sich nicht nur Bienen über das Nahrungsangebot.  Foto: R. Koch
24.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Markus Koch

Rastatt - "Endlich mal jemand, der was für Insekten macht!", freut sich Johannes Meier vom Gaggenauer Raiffeisenmarkt, als ich mich nach einer guten Saatgutmischung erkundige, mit der ich nicht nur meinen Bienen, sondern auch anderen Insekten den Tisch decken kann. Auf 570 Quadratmetern soll aus einer "normalen" Wiese ein Blütenteppich werden.

Auf dem Pachtgrundstück am Ortsrand, auf dem meine Bienenstöcke stehen, haben Maulwürfe und auch andere Tiere in den vergangenen Jahren fleißig gebuddelt. Kleinere und größere Erdhügel haben sich verfestigt, es gibt etliche Senken, in denen ich mehrmals umgeknickt bin. Als ich mir dabei im vergangenen Herbst das rechte Außenband stark überdehne, reicht es mir: Jetzt muss eine "große Lösung" her, ich werde die Wiese von einem Landwirt durchfräsen lassen, um eine ebene Oberfläche zu erhalten. Mein Verpächter ist mit dem Vorhaben einverstanden.

Im März messe ich zunächst die Fläche aus, die ich umwandeln möchte, dann gehe ich mit einem Eimer Boden in den Raiffeisenmarkt, um ihn dort analysieren zu lassen. Ergebnis: Sandiger Lehmboden ohne Nährstoffe, pH-Wert 6,6. Johannes Meier, stellvertretender Marktleiter, rät mir, vor der Aussaat noch Kalkstickstoff auszubringen.

Nachdem Mitte Oktober eine Langzeitstudie veröffentlicht worden war, dass die Gesamtmasse der Fluginsekten in Deutschland in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75 Prozent abgenommen hat, möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, dass sich deren Lebensbedingungen wieder verbessern. Natürlich möchte ich auch ein gutes Nahrungsangebot für meine Bienen, aber dann könnte ich auch einfach nur Klee aussäen.

Meier empfiehlt mir deshalb als Saatmischung die Veitshöchheimer Bienenweide, in der Saatkörner von 51 Wildblumen und -kräutern enthalten sind. Mit Interesse lese ich die Liste der Pflanzen: Schafgarbe, Borretsch, Kornblume oder Königskerze sind mir ein Begriff, aber von Esparsette, Färberresede oder Leimkraut habe ich noch nie etwas gehört. Bei einer kurzen Nachschau im Internet bekomme ich einen Eindruck, wie es aussehen könnte.

Für hundert Quadratmeter reichen hundert Gramm Saatgut, die Mindestbestellmenge beträgt ein Kilogramm. Hierfür zahle ich zwar 55 Euro, doch die Pflanzen samen sich auch über mehrere Jahre selbst aus.

Und wie oft wird die Bienenweide im Raiffeisenmarkt bestellt? "Wir haben ein paar Gemeinden, die ab und zu etwas bestellen, aber an Privatpersonen verkaufe ich diese Mischung nur ein- bis zweimal pro Jahr", verdeutlicht Meier. Der Gartenexperte gibt mir abschließend noch einige Ratschläge, worauf ich beim Aussäen und bei der Wachstumsphase zu achten habe.

Im April grabe ich auf dem Grundstück mühsam acht Wurzelstöcke aus, damit die Bodenfräse eine möglichst große Fläche bearbeiten kann. Ende des Monats ist es dann so weit: Landwirt Otto Hecker, der auch die benachbarten Wiesen pflegt, rückt an. Behutsam fährt er mit dem großen Traktor knapp an den Obstbäumen vorbei, um keine Äste abzuknicken. Hin und wieder macht es einen lauten Schlag, wenn er einen größeren Stein aus dem Untergrund nach oben befördert. Nach einer guten Stunde ist alles eben, nun geht es darum, die Steine und das Wurzelwerk zu entfernen und alles schön eben zu rechen. Ein Unterfangen, das ich unterschätzt habe. Es bedarf mehrerer Einsätze, bis alles fertig ist. Der Boden für das Saatgut sollte vier bis fünf Wochen nicht austrocknen, da auch Spätkeimer enthalten sind, die erst nach vier Wochen ihre Aktivitäten entfalten. Also frage ich beim Nachbarn auf der anderen Straßenseite nach, ob ich bei ihm Wasser zapfen darf. Carsten Licher willigt gleich ein, er findet meine Aktion gut.

Nachdem ich Anfang Juni ausgesät habe, folgen ein paar Regentage, doch danach wird es trocken. Beim Nachbarn habe ich mir zwei Schläuche ausgeliehen und noch einen weiteren gekauft, denn ich muss etwa 100 Meter vom Wasserhahn im Keller bis an die äußerste Ecke des Grundstücks überwinden. Meine Strategie: Immer ausreichend für zwei bis drei Tage wässern.

Alle Schläuche sind zusammengesteckt, am Ende ist der Rasensprenger in Position, das Wasser wird aufgedreht. Doch anstatt der üblichen kräftigen Fontäne kommen nur recht schwache Wasserstrahlen aus dem Gerät, der Druckverlust hangaufwärts ist zu hoch. Was nun? "Stecken Sie doch mal eine Gartenspritze auf den Schlauch", rät mir der Nachbar. Und siehe da, es funktioniert. Doch soll ich mir nun die ganze Zeit die Füße in den Bauch stehen? Ich klemme den Schlauch schräg in den Schlauchwagen, fertig. Während der Boden gewässert wird, kann ich nun andere Arbeiten erledigen. Alle fünf bis zehn Minuten versetze ich den Schlauchwagen.

Nach knapp zwei Stunden bin ich mit dem Gießen fertig und habe rund 1000 Liter verbraucht - deutlich mehr, als ich geschätzt habe. Naja, es werden ja wieder Regentage kommen, denke ich. Doch weit gefehlt. In den folgenden Wochen verbringe ich so manchen Abend mit Gießen, der Nachbarshund kennt mich mittlerweile bestens und bellt nicht mehr, wenn ich wieder um Wasser frage.

Dann ist es endlich geschafft: Die Pflanzen haben eine stabile Wuchshöhe erreicht. Und schließlich öffnen sich die Blüten: Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten tummeln sich auf den vielen Blumen und Kräutern - der Aufwand hat sich gelohnt.

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