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Hochwasser war und ist ein Problem
Der offene Ortsbach bei der Kirche St. Cyriak: Er diente den Kindern als Spielplatz und Schwimmbadersatz. Foto: Heimatfreunde Malsch
24.08.2018 - 00:00 Uhr
Malsch (red) - Die Malscher Ortsbäche Kaufmannsbrunnenbach, Waldprechtsbach, Tannelgraben und viele weitere Kleingewässer prägten seit der Ortsgründung das Leben der Bevölkerung. Rainer Walter und Günter Heiberger von den Heimatfreunden Malsch erinnern in einem Artikel an deren Geschichte.

Der Dorfbach, der jahrhundertelang offen durch Malsch floss, war sicherlich romantisch anzusehen. Er diente den Kindern als Spielplatz und Schwimmbadersatz. Er wurde aber auch als Abwasserkanal genutzt, und es gab große Gefahren.

Hochwasser war und ist ein großes Problem in Malsch. Der Grund: Zwei Bäche, der Waldprechtsbach und der Tannelbach/Kaufmannsbrunnenbach, treffen sich unterhalb der Kirche St. Cyriak im heutigen unterirdischen Waldprechtskreisel. Bei heftigen Regenfällen oder/und Schneeschmelze wird das zum Problem. Lore Ernst berichtet im Buch "Die Geschichte des Dorfs Malsch" von vernichteten Ernten, abgesoffenen Kellern, aufgerissenen Straßen, unterspülten Häusern, weggerissenen Brücken und großen finanziellen Verlusten. Einige Sonderholzeinschläge mussten die entstandenen Kosten in früheren Zeiten ausgleichen.

1732, 1751, 1792, 1854 und 1855 wurde von schweren Hochwässern mit vielen Schäden berichtet. Deshalb wurden 1851 die Totenbrücke, heute Waldprechtskreisel, und die Ochsenbrücke nicht mehr mit Holz, sondern mit Steinen aufgebaut. Ab 1854 wurde der Bach, der bis dahin in einem natürlichen Bett durchs Dorf floss, in ein Steinbett gefasst. Es wurde auch begonnen, die Hauptstraße zu pflastern.

Ab 1955 wurde aus verkehrstechnischen Gründen damit begonnen, die Bäche zu verdolen. Als Erstes wurde der Waldprechtsbach bis zur Kesselstraße verdolt. 1959 bis 1960 ging es weiter bis zur Totenbrücke. Ab 1962 bis 1963 wurde in der oberen Hauptstraße der Tannelbach/Kaufmannsbrunnenbach verdolt.

Im Bach wurde bis zur Wirtschaft "Ochse"n, heute Volksbankgebäude, ein Rohr mit einem Durchmesser von 1,70 Metern verlegt. Ab der Volksbank musste aus wassertechnischen Gründen (das Gefälle war zu schwach) mit zwei engeren Kanälen weitergebaut werden. Ein Teil des Wassers wird dort schon in den Federbach umgeleitet. Diese Aufgabe übernahm früher, als der Bach noch offen floss, der Teilklotz beim Gasthaus "Adler". Die Gefahr der Unterdimensionierung und dadurch bedingtes Hochwasser wurde erkannt, aber man ging davon aus, dass bis spätestens 1969 ein Rückhaltebecken für den Waldprechtsbach erbaut sein würde. Es wurde jedoch nie errichtet.

Das hatte im Mai 1978 schlimme Folgen. Bedingt durch den engen Durchmesser der Abwasserrohre, drückten die Wassermassen die schweren Deckel der Kanalisation aus ihren Schächten, und das Wasser lief oberirdisch die Straßen hinunter. Große Teile der "Neuen Heimat", die Gärtnerei Pister und andere wurden überspült. Das Ausmaß der Schäden war so groß, dass sogar Bundeswehreinsatz nötig wurde.

Nachdem 2009 von der Adlerkreuzung bis zur Florianstraße der Bach wieder geöffnet und ein großes Bachbett angelegt worden war, wirkte sich das Hochwasser im Juni 2013 bei weitem nicht so katastrophal aus. Nur im oberen Teil der Adlerstraße, ab der Volksbank, drückte es die Kanaldeckel wieder heraus und die Straße wurde überspült. Nachdem die Feuerwehr das Wasser geschickt in den offenen Bach geleitet hatte, hielten sich die Schäden in Grenzen.

Die Übergänge der offenen Bäche in die Verdolungen in der Waldprechtsstraße und in der oberen Hauptstraße stellen bei Hochwasser eine große Gefahrenquelle dar. Äste, Bäume oder mitgespülte Steine können sehr schnell zu einem Wasserstau führen. Die Wassermassen können unter Umständen nicht mehr gefasst werden. Die Zugänge müssen von der Feuerwehr überwacht und gegebenenfalls geräumt werden.

Im Vorfeld der Baumaßnahmen - Neuverdolung - wurden Park- und Baustellenfahrzeugplätze geschaffen. Dazu wurden die Gebäude Adlerstraße 66, 68 und 72 sowie das Waaghäusel abgerissen.

Seit Juni 2018 wird auf einer Länge von rund 300 Metern die Verdolung des Dorfbachs von der Volksbank bis zum Adlerkreisel aufdimensioniert. Es sollen Rechteckprofile mit lichten Innenmaßen von 1,8 mal 1,4 Meter auf einer Länge von rund 190 Metern sowie lichten Innenmaßen von rund 4,0 mal 1,4 Meter auf einer Länge von rund 100 Metern verbaut werden. Die Rohre sollen tiefer gelegt werden. Auch die Ableitung zum Federbach soll einen größeren Durchmesser erhalten.

Es wird mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren gerechnet. Im Zuge der Baumaßnahme soll zudem eine Aufwertung des öffentlichen Raums erfolgen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf ungefähr 8,8 Millionen Euro.

Es wird erwartet, dass mit den Baumaßnahmen in der Adlerstraße ein 20-jährlichen Hochwasserschutz zu erreichen ist. Um einen 100-jährlichen Hochwasserschutz für Malsch zu erreichen, müssten noch weitere Hochwasserschutzmaßnahmen wie die Umleitung oder Teilumleitung der zufließenden Bäche oberhalb Malsch oder zwei Rückhaltebecken umgesetzt/errichtet werden.

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