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Der Fluss als Übungsstrecke vor der Haustür
03.09.2018 - 06:49 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt - "Kanufahren ist ein Ganzjahres-Sport", schickt Klaus Hildenband, Vorsitzender des Rastatter Kanu-Clubs (RKC) gleich einmal voraus. Zwar werden stets An- und Abpaddeln terminiert, "aber für die Paddler gibt es kein Anfang und kein Ende". Das beweist auch ein Blick in das prall gefüllte Jahresprogramm des Vereins, in dem Fahrten und Aktivitäten von Januar bis Dezember aufgelistet sind.

Das Bootshausareal mit gemütlichem Grillplatz liegt direkt am Murgdamm und damit ist die Trainingsstrecke gleich vor der Haustür. Der Kanuclub hat einen Zugang und Einstieg in die Murg, der sich schon zu einer beliebten Badestelle entwickelt hat, 6,3 Kilometer von der Murgmündung entfernt. Die Murg ist, wenn sie nicht gerade Niedrigwasser führt, ein geradezu idealer Ort für Kanu-Kurse und Sicherheitstraining. Paddler, und solche, die es noch werden wollen, können "das saubere Ein- und Ausfahren aus dem Kehrwasser mit Ankanten des Boots durch eingebaute Buhnen in der Murg üben", erläutert Hildenbrand Manöver und Techniken.

Sorgen bereitet den Kanufreunden allerdings zusehends der meterhohe Bewuchs direkt am Murgufer, der den Zugang zum Wasser erschwert. Insbesondere bei Sicherungsmaßnahmen oder wenn ein Boot kentert und Hilfe erforderlich ist, haben die Übungsleiter und Jugendwarte kaum noch Bewegungsmöglichkeiten am Ufer, es sei denn, sie würden eine Schneise in das wuchernde Gestrüpp schlagen, was sie natürlich nicht tun. Der Bewuchs sei schon so hoch, dass er eigentlich konträr zum Hochwasserschutz stehe, für den das Murgland abgetragen wurde, meint Hildenbrand: "Da entsteht ein Auewald". Der 62-Jährige würde daher Pflegemaßnahmen neben der Einstiegsstelle begrüßen. Auch die anhaltende Trockenheit hat dem Verein in diesem Jahr zu schaffen gemacht. "Durch das Niedrigwasser konnten wir nicht die gesamte Bandbreite unseres Sportangebots durchführen", bedauert der Vorsitzende.

Von solcherlei Extremen einmal abgesehen, ist der 1925 gegründete Kanu-Club aber ganz glücklich an seinem Standort an der Rheinauer Brücke, den er 1927 bezogen hat. Das Bootshaus wurde 1956 nach Abbruch des alten Gebäudes in Gemeinschaftsleistung der Mitglieder errichtet und zwischen 1964 bis 1980 immer wieder umgebaut und erweitert.

Insgesamt 190 Boote stehen im Bootslager, davon befindet sich die Hälfte im Vereinsbesitz. Ob Kajaks oder Kanadier - der Kanu-Club hat für jedes Gewässer den passenden Bootstyp. Im Gebäude befindet sich auch ein Versammlungsraum für 60 bis 70 Personen, der vom Verein selbst bewirtschaftet, aber offiziell nicht vermietet wird, wie Hildenbrand betont.

Außerdem gibt es einen Fitnessraum für Kraft- und Ausdauertraining mit Umkleideräumen und Duschen. Zwar sind die Kanuten seit einigen Jahren nicht mehr wettkampfmäßig im Leistungssport unterwegs und veranstalten auch keine eigenen Wettkämpfe mehr, da der Wasserstand am Wildwasserkanal Schachtelbach nicht stetig genug ist, wie der Vorsitzende bekundet - doch beteiligen sie sich weiterhin im Freizeitsport an Kanadier-Rennen, Jugendwettkämpfen oder Kanu-Marathons. Und sie paddeln sehr viel auf nahen und weiter entfernten Flüssen, Meeren und Seen im In- und Ausland. Ob Wanderfahrt, Gepäckfahrt oder Wildwassertour - die Aktiven - das sind etwa 120 von 200 Mitgliedern, darunter an die 25 bis 30 Jugendliche - legen zusammen pro Jahr bis zu 16000 Kilometer zurück. Dafür braucht es eine gute Kondition. So wird neben dem Hantelstemmen im Clubhaus zusätzlich ab Oktober Kenterrollentraining im Lehrschwimmbecken der Augusta-Sibylla-Schule angeboten. "Das ist ideal dort", schwärmt der Vorsitzende, der selbst gerne Wanderfahrten auf stillem Wasser unternimmt und dabei die Ruhe und die Natur genießt.

Die Schönheit von Fluss und Landschaft in einem Kanu zu erleben, das sei schon etwas ganz Besonderes, schildert auch der dritte Vorsitzende Robert Weber die Faszination des Paddelns. Weber ist leidenschaftlicher Wildwasserfahrer und im Kanu-Club auch zuständig für die Wildwasserwochen. 25 bis 30 Wildwasserfahrer gibt es im Verein. Sie bewältigen anspruchsvolle Strecken, die Können erfordern. Da es für sie auf der Murg in Rastatt selbst kaum Trainingsmöglichkeiten gibt - die Infrastruktur sei dafür nicht gegeben - werde oft auf der oberen Murg ober- und unterhalb von Forbach geübt - das sei eine der schönsten und schwierigsten Wildwasserstrecken Deutschlands, erläutert der 60-Jährige, der in diesem Jahr auch Wildwasserfahrten in Slowenien und an der Durance organisiert hat. "Kanufahren kann man das ganze Jahr über", bestätigt auch er begeistert, "man muss nur die richtige Ausrüstung haben".

Beliebter Startpunkt für Gepäckfahrten

Das gilt ebenso für die Wanderfahrer, die schöne Touren auf Murg, Bodensee, Rhein, Main, Elbe, Weser, Havel, Mosel oder Spree unternehmen. Bei längeren Ausfahrten über mehrere Tage hinweg wird dann in Zelten oder bei anderen Kanu-Clubs übernachtet. Und es gibt auch Extremtouren: So paddelten RKC-Mitglieder schon in Grönland zwischen Eisschollen umher. Über die Vereinsfahrten hinaus treffen sich die Wassersportfreunde oft zu privaten Ausfahrten - das sind dann immer schöne Ausflüge in der Gemeinschaft.

Überhaupt wird die Kameradschaft im Verein, der Mitglieder im Alter von acht bis 80 Jahren hat, großgeschrieben - um diese zu fördern, gibt es vielfältige Aktivitäten auch außerhalb des Wassersports. Heringsessen an Fastnacht etwa, Arbeitseinsätze, Wanderausflug, Ski-Freizeit oder Skatturnier. Auch mit anderen Vereinen werden Kontakte im Kanukreis Rastatt gepflegt. Rastatt ist zudem ein beliebter Startpunkt für Gepäckfahrten auf dem Rhein, informiert Hildenbrand. So hat der Kanu-Club zuweilen Wassertouristen auf seinem Areal zu Gast, die dann dort campen dürfen und am nächsten Tag zu ihrer Tour aufbrechen. Drei bis vier Gruppen seien es im Jahr.

Übrigens: Immer mittwochs um 17.30 Uhr ist Training beim Kanu-Club. Das Bootshaus ist ab 20 Uhr geöffnet. Wer Interesse hat, kann einfach mal in der Brufertstraße 1 vorbeikommen, so Klaus Hildenbrand.

www.kanuclub-rastatt.de

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