http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Flächendeckend Tempo 30: Ursprünge liegen Jahre zurück
Bürgermeister Dietmar Späth (links) und Hauptamtsleiter Claus Gerstner zeigen eine alte Karte zum Verkehrskonzept in Muggensturm. Foto: Hliza
05.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Mirjam Hliza

Muggensturm - Immer wieder schielen andere Gemeinden neidisch auf die Tempo-30-Zone in Muggensturm, die dort fast flächendeckend gilt - sogar auf Kreisstraßen. Eine Temporeduzierung auf diesen Strecken zu erreichen - da beißt man sich in anderen Ortschaften die Zähne aus. Doch warum war ein Tempolimit in Muggensturm möglich? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, muss man einige Jahre zurückblicken.

Bereits 1989 hatte die Gemeinde Muggensturm Gespräche mit dem Landratsamt Rastatt geführt. Das Ziel: Im Ort Tempo 30 einzuführen. Dieses Unterfangen schien zuerst ziemlich aussichtslos zu sein, erinnern sich Bürgermeister Dietmar Späth und Hauptamtsleiter Claus Gerstner.

Doch die Gemeinde ließ nicht locker. Zumal ein anderes Thema drängte: In der Hauptstraße sollte der schienengleiche Bahnübergang beseitigt und eine Unterführung für den Verkehr gebaut werden. Da befürchtete die Gemeinde eine Zunahme der Fahrzeuge. "Der Weg durch den Ort war die Verbindung zwischen der Hardt und dem Murgtal", verdeutlicht Rathauschef Späth. "Und die Autos sind auch relativ schnell gefahren - mit knapp 70 Stundenkilometern, ergänzt Hauptamtsleiter Gerstner.

1991 fasste der Muggensturmer Gemeinderat daher den Beschluss, ein Büro mit einer Verkehrsuntersuchung im Ort zu beauftragen. Zudem stimmte der Gemeinderat dafür, flächendeckend Tempo 30 in Muggensturm zu beantragen. Man wollte dadurch zum einen den Verkehr beruhigen, aber auch die Durchfahrt unattraktiver machen, die Hauptstraße entlasten und den Verkehr neu ordnen, zählt Gerstner auf.

Hintergrund

Zahlreiche Gespräche mit Behörden folgten. Beteiligt an der Entscheidung waren damals im Landratsamt Straßenverkehrsamt, Straßenbauamt und die Kreiskämmerei. Diese klärte die Kostenfrage: Wer war künftig für was zuständig? Des Weiteren hatte auch die Straßenverkehrsbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe ein Wörtchen mitzusprechen.

Und auch das Land Baden-Württemberg musste natürlich grünes Licht geben. In die Karten spielte der Gemeinde bestimmt, dass der ehemalige Gaggenauer Oberbürgermeister Thomas Schäuble zu dieser Zeit baden-württembergischer Verkehrsminister war. "Da hatten wir nahe Wege", betont Rathauschef Späth.

Trotzdem: Einfach sei es nicht gewesen, Landkreis und Regierungspräsidium zu überzeugen. Aber es klappte. 1992 kam Tempo 30 als Pilotprojekt, zunächst befristet für zwei Jahre. Nicht nur die Beschilderung im kompletten Ort musste die Gemeinde ändern, sondern auch die Mittelstreifen von der Fahrbahn fräsen. "Wir haben dafür viel Geld in die Hand genommen", sagt Späth. Denn für alle Änderungen muste Muggensturm aufkommen. Bauliche Maßnahmen plus Planungskosten wurden auf rund 340000 Mark geschätzt.

Eine weitere Bedingung war, die Fahrbahn zu verengen. "Das hat sich aber überhaupt nicht bewährt", blickt Späth zurück. Vor allem für Radfahrer hätten sich dadurch "viele ungute Situationen" ergeben. Daher wurden die Verengungen nach einiger Zeit wieder rückgängig gemacht.

Einen Kompromiss fand man bei den Kreisstraßen (Hauptstraße und Rastatter Straße): Zwar galt dort nun auch Tempo 30, doch die Rechts-vor-links-Regelung wurde auf diesen Straßen außer Kraft gesetzt.

In Baden-Würtemberg war Muggensturm damals die erste und einzige Gemeinde, die an dem Pilotprojekt teilnahm. Viele andere Kommunen hätten es Muggensturm in der darauffolgenden Zeit gerne gleichgetan, sie durften aber nicht. Dass ausgerechnet sie an dem Modellprojekt teilnehmen durften, erklärt sich Bürgermeister Späth so: Es gab viel Industrie im Ort und eine Menge Durchgangsverkehr. "Die Situation war anders als in einem reinen Wohnort", fügt Gerstner hinzu.

Ein weiterer Vorteil war: Muggensturm hatte nicht viele unterschiedliche Geschwindigkeitszonen. Heute sind es nur noch drei: Denn genau genommen gilt in Muggensturm auch nicht im gesamten Ort Tempo 30. Stattdessen handelt es sich um eine große 30er-Zone, die das Wohngebiet umfasst. Ausgeklammert wurde das Industriegebiet. Im Ort gibt es darüber hinaus noch verkehrsberuhigte Bereiche.

Zwei Jahre lang lief das Pilotprojekt, danach wurde die Befristung aufgehoben, seitdem hat die große Tempo-30-Zone in Muggensturm Bestand. "Eine gute Entscheidung", finden die Verantwortlichen im Rathaus auch heute noch.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Bundesregierung die hohen Mietkosten dämpfen, die viele Bürger besorgen. Fürchten Sie, sich in Zukunft Ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können?

Das ist schon der Fall.
Ja.
Nein.
Ich bin in keinem Mietverhältnis.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1