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Idyllische Kindheit mit Abenteuer-Potenzial
06.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Es ist eine romantische Vorstellung: Als Sohn einer Fischerfamilie erlebte Rolf Hauns aus Wintersdorf zusammen mit seinen drei Geschwistern einen Teil seiner Kindheit auf dem Wasser. Genauer gesagt auf Aalschokker "Heini", der heute als Museumsschiff von der Aalfangtradition am Oberrhein erzählt. Aber man kann auch Rolf Hauns selbst fragen. Während der Fangsaison lebte die ganze Familie monatelang auf dem Schiff, das fest vertäut im Rhein vor Anker lag.

Den Aalschokker "Heini" hatten Rolf Hauns' Eltern Alfred und Rosa 1951 in Holland gekauft. Dort war das speziell für den Aalfang entworfene Schiff 1932 gebaut worden. Das Besondere an "Heini" ist sein großer Kajütenbereich unter Deck: Neben einem Wohnraum und zwei Schlafkojen gibt es dort auch eine Küche.

Rolf Hauns sieht seine Mutter noch vor sich, wie sie dort das Essen zubereitet hat. Oft gab es Fisch. Meist den Beifang aus der Aalreuse: Brachsen oder Rotaugen, die leider viele Gräten hatten. Aber da war man damals nicht so zimperlich. "Heute wollen die meisten Leute ja nur Filet", bedauert Hauns, der die Tradition des Rheinfischers bis heute hochhält - wenn auch nicht mit dem Schokker (wir berichteten).

"Während der gesamten Fangsaison konnten wir auf dem Schiff wohnen", erinnert sich der 64-Jährige an Kindheit und Jugend. Die Saison begann je nach Wasserstand im August und konnte bis in den Dezember dauern. Das Zugverhalten der Aale hatte sich seit der Inbetriebnahme der Iffezheimer Staustufe verändert. Vorher war nach dem Oktobervollmond Schluss gewesen. "Heini" besitzt keinen eigenen Antrieb und musste zu Saisonbeginn in den Rhein geschleppt werden. Das große Netz mit einer Reuse am Ende wurde an einem Fangbaum in die Strömung gestellt. Erst war der aus Holz. Später überzeugte Rolf Hauns seinen Vater von einem Modell aus Metall, was gar nicht so einfach war, wie er schmunzelnd erzählt. Das Leben auf dem Aalschokker beschrieb auch der 2014 im Alter von 90 Jahren verstorbene Alfred Hauns in seinem gemeinsam mit seiner Frau Rosa verfassten Buch "Die Aalschokker-Fischerei". Man kann es in der Rastatter Stadtbibliothek ausleihen.

Das Leben auf dem Rhein war natürlich auch nicht ganz ungefährlich. In den 50er Jahren zum Beispiel fiel Mutter Rosa Hauns beim Umsetzen mit dem Nachen ins Wasser. Obwohl sie nicht schwimmen konnte, rettete sie sich ans Ufer. Ab 1954 ging Alfred Hauns seinem Hauptberuf beim Wasser- und Schifffahrtsamt nach. Das heißt, tagsüber musste die Familie ohne ihn auf "Heini" klarkommen. Für die Kinder hatte "Heini" natürlich das Potenzial eines Abenteuerspielplatzes. Die Kleinen kletterten überall auf dem Schiff herum, was natürlich gefährlich war. Deswegen gab es einen Trägergurt, der an einer Leine befestigt war. Der Aalfang spielte sich nachts ab, bis etwa vier Uhr früh gingen die Fische ins Netz. Natürlich mussten die größeren Kinder auch zur Schule. Mit dem Fahrrad waren das etwa drei Kilometer.

Rolf Hauns blieb der Aalschokker-Fischerei zusammen mit seinem Vater lange treu. 1991 war dann aber Schluss. Die Umweltkatastrophe von Sandoz 1986 war zwar ein Schlag für die Fischerfamilie, aber nicht der Grund für das Ende. "Es war die zunehmende Nachtschifffahrt", erinnert sich Hauns daran, dass 1988 und 1989 nachts schon bis zu 70 Schiffe auf Berg- und Talfahrt den Aalschokker und die Netze gefährdeten. Vater Hauns hätte gerne noch ein paar Jahre weitergemacht, verkaufte seinen "Heini" dann aber an die Stadt Rastatt, die ihn als Museumsschiff betreibt.

Und heute? Rolf Hauns ist mit einer Sondergenehmigung des Regierungspräsidiums Karlsruhe ausgestattet und zieht pro Saison etwa 100 Kilogramm Aal aus einem Altrheinarm. 2018 wird aber wohl kein gutes Jahr. Dafür hat der Fischwirt schon drei Zentner Kalikokrebse gefangen, in den vergangenen Jahren waren es 20 bis 30 Kilo. Die Krustentiere werden verkauft oder selbst verzehrt. Ein bisschen Pulerei ist damit natürlich schon verbunden, weiß Rolf Hauns, aber das kann man auch zu einem geselligen Abend mit Freunden gestalten.

Was dem Fischer zunehmend Sorgen macht, ist der viele Plastikmüll im Rhein und den Altrheinarmen. "Das hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen", sagt er.

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